Hannah und Simon Kohn Volleyball-Geschwister mit bester Perspektive
Hannah und Simon Kohn sind auf gutem Weg, sich bei den Bundesliga-Topclubs Allianz MTV Stuttgart und VfB Friedrichshafen zu etablieren – und das muss noch nicht das Ende sein.
Hannah und Simon Kohn sind auf gutem Weg, sich bei den Bundesliga-Topclubs Allianz MTV Stuttgart und VfB Friedrichshafen zu etablieren – und das muss noch nicht das Ende sein.
Eine Besonderheit im Volleyball ist, dass sich im Sommer kaum jemand für den Vereinssport interessiert. Es ist die Zeit der Nationalteams. Seit Freitag läuft die WM der Männer, am 23. September beginnen die Titelkämpfe der Frauen – diese Turniere stehen im Fokus. Der Schweiß fließt allerdings nicht nur auf der großen Bühne. Die Männer des VfB Friedrichshafen haben die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison vor drei Wochen begonnen, an diesem Montag geht es auch bei den Frauen von Allianz MTV Stuttgart los. Was vor allem für ein Geschwister-Paar ziemlich spannend ist.
Hannah Kohn (19) ist eine von zwei Zuspielerinnen beim Double-Gewinner in Stuttgart, Simon Kohn (18) nun fester Bestandteil des Profikaders in Friedrichshafen. Und beide haben beste Perspektiven.
Wer durch Stuttgart fährt, der begegnet Hannah Kohn immer wieder. Ihr Konterfei prangt auf den Werbeplakaten eines Getränkeherstellers, was durchaus sinnbildlich zu verstanden ist: Die Verantwortlichen des Meisters und Pokalsiegers sind überzeugt, dass Hannah Kohn eines der Gesichter des Stuttgarter Volleyballs werden kann. „Sie wird uns noch viel Freude machen“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „es wäre toll, wenn wir irgendwann eine Nationalspielerin aus den eigenen Reihen im Team hätten.“
Auch MTV-Trainer Tore Aleksandersen hält enorm viel von Hannah Kohn. Wenn sie weiter so hart arbeite, sagte er einmal, dann gehöre ihr die Zukunft: „In den technischen Aspekten ist sie allen anderen schon überlegen – was die Qualität angeht, gibt es für sie keine Grenzen.“ Das kann sie nun beweisen.
Im MTV-Erfolgskader 2021/22 standen drei Zuspielerinnen, Ilka Van de Vyver und Julia Nowicka gaben den Ton an. Hannah Kohn reihte sich dahinter ein, trainierte viel und spielte wenig, hatte aber das Versprechen, dass für die Zukunft auf sie gesetzt wird. An diese Zusage hielten sich die Verantwortlichen. Kommende Saison gibt es in Britt Bongaerts und Hannah Kohn nur noch zwei Spielgestalterinnen, und weil die Niederländerin mit ihrem Nationalteam die WM im eigenen Land bestreitet, hat die Vorbereitung für ihre junge Kollegin große Bedeutung. „Jetzt kann sie sich zeigen, Spielpraxis sammeln, den nächsten Schritt gehen“, erklärt Irion, „ich bin mir sicher, dass unser Trainer sie in dieser Zeit noch besser machen wird.“ Davon geht auch Hannah Kohn aus.
Es ist nicht einfach für eine 19-Jährige, mit einer derartigen Erwartungshaltung umzugehen. Doch sie wirkt geerdet, realistisch, gedanklich klar. „Es freut mich natürlich, dass ich geschätzt werde“, sagt sie, „und der Druck ist kein Problem – den größten mache ich mir ohnehin selbst.“ Weil sie sich in dem Verein durchsetzen will, der sich seit ihrem Wechsel 2019 zur Nummer eins in Deutschland entwickelt hat. „Mein Ziel ist es, mich als Zuspielerin in der Bundesliga zu etablieren“, sagt Kohn, „und das am liebsten in Stuttgart.“ Ihr Bruder traut ihr das zu.
Simon Kohn hat den Weg seiner Schwester stets mit großem Interesse verfolgt. Und viel von ihr gelernt. „Altersbedingt ist sie mir logischerweise immer ein Stück voraus, deshalb konnte ich von ihren Erfahrungen profitieren“, sagt er, „sportlich, aber auch menschlich.“
Die Geschwister begannen vor sieben Jahren beim VfB Ulm mit dem Volleyball, ihre Mutter Kirsten, selbst ehemalige Spielerin, war dort Trainerin. Schnell zeigte sich das Talent der beiden. Ein Jahr nach seiner Schwester verließ auch Simon Kohn die Heimat, der Jugendnationalspieler ging nach Friedrichshafen in die Nachwuchsakademie – aus welcher der Libero, der auch im Außenangriff spielen kann, nun den Sprung in den Profikader schaffte. Er soll hineinschnuppern und im Zweitliga-Team spielen, ab 2023, so ist der Plan, wird er dann der zweite Libero des Pokalsiegers sein. „Schon das Training wird mich in den nächsten Monaten enorm weiterbringen“, sagt Kohn, der sich nach dem Abitur nun voll auf Volleyball konzentriert, „mein Ziel ist, fester Libero in der Bundesliga zu werden. Und natürlich träume ich wie Hannah davon, irgendwann im Nationalteam zu spielen.“
Das hieße zwar, dass sich der Fokus im Sommer verändern würde. Doch es wäre eine Besonderheit, mit der die Volleyball-Geschwister sicher gut leben könnten.