Hannes Rockenbauch im Gespräch Bei ihm steht keine Gelddruckmaschine im Keller

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Auftakt der StZ-Kandidatenrunde zur OB-Wahl: Hannes Rockenbauch hat sich den Fragen von StZ-Lokalchef Holger Gayer gestellt. Ein Hoffnungsträger für jene, die den Tiefbahnhof ablehnen und Widerstand proben gegen die etablierte Politik und die Bahn.

Leben: Erik Raidt (era)
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Stuttgart - Eigentlich passt diese eine Liedzeile von Paul Fogarty so gar nicht zur Hauptperson an diesem Tag: „Don’t look for heroes“, singt Fogarty, und nur wenige Meter neben ihm steht jener Mann, auf den sich die Träume mancher Stuttgarter ausgerichtet haben: Hannes Rockenbauch, 32 Jahre alt, ist das junge Gesicht des Aktionsbündnisses im Kampf gegen Stuttgart 21. Für jene, die den Tiefbahnhof ablehnen, ist er so etwas wie ein politischer Held im Widerstand gegen die etablierte Politik und die Bahn.

Am Samstagmittag steht Rockenbauch jedoch auf keiner Bühne vor dem Bahnhof oder auf dem Marktplatz, sondern in einem derzeit leer stehenden Raum in der Eberhardstraße. Er ist der Einladung der Stuttgarter Zeitung gefolgt, die an den nächsten Samstagen auch die drei weiteren aussichtsreichen Bewerber für den Chefsessel im Stuttgarter Rathaus vorstellt: Fritz Kuhn, Bettina Wilhelm und Sebastian Turner. Rund 80 Leser der StZ sind diesmal zur Talkrunde in die ehemaligen Räumlichkeiten eines Teppichgeschäfts gekommen.

Stuttgart 21 soll doch noch scheitern

Eine Stunde lang geht es im Frage-Antwort-Ping-Pong-Spiel zwischen dem StZ-Lokalchef Holger Gayer und dem Kandidaten des Bündnisses Stuttgart Ökologisch und Sozial (SÖS) hin und her. „Sind Sie eigentlich Sozialist, Kommunist oder Idealist?“, fragt Gayer, woraufhin Hannes Rockenbauch entgegnet: „Ich bin ein Träumer, der sich versucht zu bewahren, dass er auf sein Herz hört.“ Das ist ein typischer Rockenbauch-Satz, der aus der Sicht seiner Kritiker seine naive Weltsicht offenbart und für seine Anhänger beweist, dass hier einer mit viel Herzblut Politik macht.

Zum Beispiel bei Stuttgart 21: „Murks bleibt Murks“, sagt Rockenbauch, „ich arbeite an einer Mehrheit gegen das Projekt, deswegen kandidiere ich.“ Zum Beispiel bei der Frage nach bezahlbarem Wohnraum in der Stadt: „Der Otto-Normal-Bürger soll in der Stadt zum Investor werden. Geld ist genug da, es ist nur falsch verteilt.“ Rockenbauch spricht sich dafür aus, dass die Stadt zum starken Mitspieler auf dem Immobilienmarkt wird, indem sie „eine aktive Bodenpolitik betreibt, also Brachflächen, Baulücken und Wohnungen erwirbt – alles, was sie bekommen kann“.

Quer durch das politische Gemüsebeet

An diesem Samstag geht es thematisch – passend zum Stuttgarter Wochenmarkt – einmal quer durch das politische Gemüsebeet. „Es kann doch nicht sein, dass man in Stuttgart einen Kitaplatz suchen muss, noch bevor das Kind auf der Welt ist“, sagt Rockenbauch, der dieses Thema seit kurzem auch ganz privat betrachtet: Im Frühjahr ist seine kleine Tochter auf die Welt gekommen. Hier müsse die Stadt, genau wie in der Wohnungspolitik, künftig deutlich mehr investieren.

Angesichts dieser Versprechungen stellt Holger Gayer in einer Nachfrage fest: „Sie wollen im Keller des Rathauses offensichtlich eine Gelddruckmaschine aufstellen.“ Rockenbauch kontert, dass er diese nicht benötige, weil er teure Fehlinvestitionen stoppen wolle, zu denen er selbstverständlich Stuttgart 21 zählt. Als einziger der vier OB-Kandidaten sagt Rockenbauch öffentlich, dass er es noch immer für möglich hält, das Projekt zu stoppen. Bei den städtischen Einnahmen will er die Unternehmen noch stärker in die Pflicht nehmen: Der SÖS-Kandidat spricht sich dafür aus, die „Gewerbesteuer moderat zu erhöhen“.

Die Gäste der StZ-Talkrunde erleben einen OB-Kandidaten der zuspitzt und gegen seine Gegner austeilt – und zwei Sätze später mit augenzwinkernder Selbstironie von sich erzählt. „Ich mache eine Politik, die das Grundsätzliche wagt“, sagt Rockenbauch, bevor zum Schluss noch einmal Paul Fogarty singt von Träumen und Visionen. Noch vier Wochen bis zur OB-Wahl.

Die StZ-Veranstaltungsreihe mit Fritz Kuhn finden Sie hier. Den OB-Kandidaten Sebastian Turner laden Stuttgarter Zeitung und Stiftung Geißstraße am 22. September zum Gespräch, Bettina Wilhelm kommt am 29. September in die Eberhardstraße.

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