Hannover Messe Industrie zwischen Zuversicht und Resignation
Zur Hannover Messe wächst die Ungeduld der Industrievertreter mit der Politik. Der Kanzler kann sie nur noch mit weitreichenden Taten überzeugen, meint unser Autor.
Zur Hannover Messe wächst die Ungeduld der Industrievertreter mit der Politik. Der Kanzler kann sie nur noch mit weitreichenden Taten überzeugen, meint unser Autor.
Ein Rundgang über die Hannover Messe beweist: Es gibt allen Grund, auch hoffnungsfroh auf die deutsche Industrie zu schauen. Sie lebt von innovativen Ideen etwa in KI und Robotik sowie der erstklassigen Forschungslandschaft, von einem dichten Produktionsnetzwerk mit weltweit namhaften Endherstellern, von vielen mittelständischen Hidden Champions sowie hoch qualifizierten, motivierten Mitarbeitern. Diese Leistungsfähigkeit geht derzeit in den meisten Betrachtungen unter. Da ist es statthaft und kein Ablenkungsmanöver, wenn Kanzler Friedrich Merz die Industrieschau als „Tage der Zukunftszuversicht“ beschwört.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite wird geprägt von Klagen über mangelnde Reformen, die Uneinigkeit der Regierung, Überbürokratisierung und Abwanderung – der Standort sei zu teuer, um noch wettbewerbsfähig zu sein. Wer der Ansicht war, dass der frühere SPD-Regierungschef Olaf Scholz schon die maximale Kritik der Industrievertreter abbekommen hat, der kann nun beobachten, dass die mit großen Ansprüchen gestartete CDU-geführte Bundesregierung keineswegs besser bewertet wird: Von Flickschusterei, Stückwerk und Mutlosigkeit ist die Rede. Wenn die Erwartungen weiterhin nicht erfüllt werden, könnte die Enttäuschung in tiefe Resignation mit immer weniger Standortloyalität münden. Es wäre fatal, sich an den Abstiegsgedanken zu gewöhnen. Das Resultat wäre dann die Deindustrialisierung.
Für den Ausbruch des Iran-Kriegs kann der Kanzler nichts. Bisher wurden die Auswirkungen oft unterschätzt – nun zeigen sie sich immer deutlicher auch in der Industrie. Es droht ein Rückgang der Produktion im fünften Jahr in Folge. Mit der Verunsicherung wächst die Wunschliste und zugleich der Handlungsdruck auf die Regierung. Die Industrievertreter müssen aber auch einsehen: Die Aufgabe ist so groß, dass es nur gemeinsam geht. In der Konfrontation mit der Politik wird kein Reformpaket gelingen, das den industriellen Aufschwung bringt.