InterviewHans-Joachim Stuck über den Sohn des Ex-Formel-1-Weltmeisters „Hut ab, wie Mick Schumacher das hinkriegt“

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Der ehemalige Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck äußert sich über die Rennfahrer-Karrieren seiner Söhne und den Druck, dem Mick Schumacher ausgesetzt ist.

Hans-Joachim Stuck: Der Ex-Formel-1-Pilot ist sicher, dass der Weg von Mick Schumacher in die Königsklasse des Motorsports führt. Foto: dpa
Hans-Joachim Stuck: Der Ex-Formel-1-Pilot ist sicher, dass der Weg von Mick Schumacher in die Königsklasse des Motorsports führt. Foto: dpa

Stuttgart - Hans-Joachim Stuck startet von 1974 bis 1979 in der Formel 1, gewinnt 1986 und 1987 die 24 Stunden vom Le Mans und wird 1990 DTM-Meister. Der Bayer hat Benzin im Blut und gab es an seine Söhne weiter. In den Nachwuchs-Rennfahrer Mick Schumacher kann sich Stuck gut hineinversetzen.

Herr Stuck, verfolgen Sie die Karriere von Mick Schumacher, dem Sohn des Rekordweltmeisters Michael?

Aber sicher. Ich kenne die Anfangszeiten. Er war ja in der Stiftung Sport, und wir haben ihn beim ADAC gefördert. Der Mick macht das richtig gut. Es ist ja auch nicht leicht für ihn – mit dem Druck und der Situation seines Vaters. Hut ab, wie er das hinkriegt. Ich finde das gewaltig.

Führt sein Weg in die Formel 1?

Bei dem, was er jetzt gezeigt hat: absolut.

Ist der Name ein Türöffner für höhere Serien und am Ende auch die Formel 1?

In dem Fall ist das mit Sicherheit ein Vorteil. Ich habe das am eigenen Leib gespürt, mein Vater war schließlich auch Rennfahrer. Wenn heute ein Team Mick Schumacher ins Auto setzt, kann es sich glücklich schätzen. In Deutschland, ja sogar weltweit, gäbe das eine positive Aufmerksamkeit. Und wenn er dazu noch Leistung bringt, dann läuft die Kiste.

Und wenn nicht?

Das wäre blöd.

Ihre Söhne Johannes und Ferdinand sind auch Rennfahrer. Haben Sie, als Mann mit 74 Formel-1-Starts, ihnen zu dem gefährlichen Sport geraten?

Nein, aber ich habe sie unterstützt. Als Johannes, der Ältere, mit 16 im VW-Lupo-Cup am Start stand, habe ich erstmals gelernt, warum sich meine Eltern Sorgen gemacht hatten. Ich dachte: Oh, Scheiße, jetzt geht es gleich los und der Johannes steckt mittendrin. Man wird da als Vater etwas unruhig und fragt sich: Habe ich alles richtig gemacht? Aber er hat einen guten Job gemacht.

Und Ferdinand?

Der war schon mit acht Jahren fuchtelig und saß früh im Kart. Er ist ein bisschen der Typ wie ich. Johannes ist überlegter.

Ihre Frau hatte kein Veto eingelegt?

Nein, überhaupt nicht. Gott sei dank.

Wie sind die Karrieren der Söhne verlaufen?

Der größte Erfolg war der Gewinn der deutschen GT-Meisterschaft 2013 mit Audi. Dann gab’s einen Einbruch und es ging nicht weiter. Johannes hat in dieser Zeit sein Studium fertig gemacht und ist seither erfolgreich im Bereich erneuerbare Energien unterwegs. Seit zwei Jahren sind sie aber Werksfahrer bei KTM und fahren in der GT 4 mit. Sie machen das sehr gut und verdienen auch was.

War die Formel 1 zu weit weg?

Sie war nie das große Ziel. Sie wollten Tourenwagensport betreiben und GT-Autos fahren. Sie sind auch beide sehr groß, da ist es schwierig, in einen Formel-1-Rennwagen überhaupt reinzukommen.

Die Größe haben Sie vom Vater – und bei dem hat es geklappt.

Ich habe zwar reingepasst, aber auch oben drüber rausgeschaut. Auf Strecken mit langen Geraden habe ich Zeit verloren, weil der Kopf so richtig im Wind stand. Klingt lustig, war es aber nicht.

War das Rennfahrerdasein Ihrer Söhne ein finanzieller Kraftakt für Sie?

Wir haben nie was bezahlt, alles war abgesichert durch Sponsoren, und Werksfahrer waren sie auch. Die paar Gokart-Rennen am Anfang waren finanziell machbar. Ich befand mich nicht in dieser Hochverdien-Phase der Formel 1, so wie sie heute existiert, also habe ich meinen Jungs immer gesagt: ,Eines ist klar, Freunde, ich muss mein Geld verwalten, mal eine Million Euro aus der eigenen Tasche zu holen, ist unmöglich. Das müsst ihr euch schon selbst erarbeiten.’ Und das haben sie auch gemacht.