Hans Komm in der Galerie Schäfer Waiblingen Auf der Suche nach inspirierenden Formen

Von Annette Clauß 

Anschauen und wohlfühlen – diesen Effekt will Hans Komm beim Betrachter erzielen. Bedeuten müssen Bilder nichts, sagt der Grafikdesigner und Künstler aus Remshalden, der nun 70 Arbeiten in der Galerie Schäfer in Waiblingen zeigt.

Formen sind Impulsgeber für Hans Komms künstlerische Arbeit. Foto: Gottfried Stoppel
Formen sind Impulsgeber für Hans Komms künstlerische Arbeit. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Irgendwann Ende der 1990er-Jahre hat Hans Komm beschlossen, die Landschaftsmalerei sein zu lassen. Von nun an gegenstandslose Kunst, so lautete sein Motto, dem er bis heute treu geblieben ist. Seither gilt für ihn die Regel: „Es gibt keine Bilder, die etwas bedeuten müssen.“ Sein Anspruch dabei ist: „Der Betrachter muss sich wohlfühlen mit den Bildern, da darf kein Fehler drin sein.“

Von Hans Komms Kunst kann man sich dieser Tage in der Galerie Schäfer in Waiblingen ein Bild machen. Dort zeigt der in Remshalden lebende 72-Jährige rund 70 Arbeiten aus unterschiedlichen Werkgruppen. Manche, wie beispielsweise die „Punktreihung“, die ihrem Namen entsprechend mal bunte, mal schwarze, weiße und graue Kreise in unterschiedlichen Anordnungen und Größen variiert, hat er schon gleich nach seinem Abschied von der Landschaftsmalerei angefangen und dann immer wieder aufgegriffen und weiter entwickelt.

Lehrreiche Jahre bei Anton Stankowski

Dass Hans Komm ein Auge für Farben und das exakte Mischen von Farben hat, das entdeckte schon vor vielen Jahren Anton Stankowski, der den Grafikdesign-Studenten als Ferienjobber und Hilfskraft schätzte. Komm arbeitete als Reinzeichner für ihn, stellte also die Druckvorlagen her. Stankowski, selbst Grafikdesigner und Maler, hat beispielsweise das Logo für die Deutsche Bank erschaffen. Er hat Hans Komm ebenso beeinflusst wie andere Lehrer. Einem davon, seinem Berufsschullehrer, hat Hans Komm zu verdanken, dass er überhaupt auf die Idee kam, die Aufnahmeprüfung für die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart abzulegen. Mitte der 1960er-Jahre hatte Hans Komm in Heidenheim bei der Zeitung eine Lehre als grafischer Zeichner gemacht. „Mein Zeichenlehrer, der Grafiker war, hat damals gesagt: ,Du gehst nach Stuttgart‘“, erinnert sich Hans Komm und schmunzelt.

Zunächst unvorstellbar für den jungen Mann, der große Ehrfurcht vor der Staatlichen Akademie hatte. „Ich dachte, um mich dort zu bewerben müsste ich noch sehr viel besser zeichnen lernen“, sagt Hans Komm. Falsch gedacht. Und weil sein Lehrer nicht locker ließ, hat er dann doch irgendwann seine Mappe eingereicht, die Eindruck machte.

Vor genau 50 Jahren, nämlich 1970, hat Hans Komm sein Grafik-Design-Studium aufgenommen. Danach arbeitete er bei diversen Agenturen und machte sich schließlich im Jahr 1978 mit einer eigenen Firma in Fellbach selbstständig. Dort, in Fellbach, war die Welt der Arbeit und der Grafik, zu Hause in Geradstetten werkelte Hans Komm in seinem Malatelier, wann immer Zeit dafür blieb. „Im Prinzip war ich ein Sonntagsmaler“, sagt er – bis er sich vor zwölf Jahren aus dem Berufsleben verabschiedete. „Wenn ich nicht im Garten schaffen muss, bin ich im Atelier.“

Statt Landschaften: Formen als Impulsgeber

Landschaften malt er keine mehr, stattdessen stellt er sich Aufgaben. Für die Werkgruppe „Monatsgrafiken“ hat er ein Jahr lang Tag für Tag eine Form entworfen und dann zwölf Menschen gebeten, jeweils eine Tagesform eines Monats auszuwählen. Aus dieser, ergänzt durch drei ebenfalls von den Helfern bestimmte Farben, kreiert Hans Komm dann seine Bilder – in Eitempora, Acryl- oder Ölfarbe. Für eine andere Werkgruppe hat er einen Monat lang Schatten in seinem Garten fotografiert und diese Formen verwendet, um Bilder zu gestalten.

Die Suche nach Formen und Strukturen ist ein wichtiges Element in Hans Komms Kunst: „Sie sind Impulsgeber“. Seine Ausstellung in der Galerie Schäfer heißt denn auch „finden und erfinden“ und beschreibt , wie der Künstler vorgeht. Der Betrachter darf die Bilder einfach anschauen, aber auch etwas finden und interpretieren. Hans Komm gibt seinen Arbeiten fast nie einen Titel, getreu seiner Devise: „Das fertige Bild meint nichts, bedeutet nichts und will dem Betrachter nichts sagen – es möchte einfach nur gefallen, ganz konkret!“

„Finden und erfinden“ kann man in der Galerie Schäfer, Lange Straße 9, in Waiblingen sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.




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