Hans-Martin Schempp in Weil im Schönbuch Erfolgsgeheimnis des Baumhaus-Millionärs: Disziplin und Misserfolg

Hans-Martin Schempp will in seinem Leben eines erreichen: Anderen Menschen Freude bereiten. Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler

Das Leben des Schönbuch-Millionärs Hans-Martin Schempp ist so bunt wie sein Baumhaushotel. Der Berufspilot pflückte als Hippie Pfirsiche, stöbert auf Flohmärkten und glaubt an Geistheilung. Wer ist dieser Mann?

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Hans-Martin Schempp zieht seine Schuhe aus und führt den Besuch in Socken durch eines seiner acht Baumhäuser, die Lichtelfe. „Wegen der Hygiene“, sagt er und führt durch das zwergenhafte, krummwinklige Wohntürmchen. An Holzbalken schweben kleine Elfen und glitzernde Schmetterlinge, die Schempp auf Flohmärkten zusammengesucht hat. „Achtung, nicht den Kopf stoßen“, warnt der klein gewachsene Mann und führt den Wohnkomfort seiner Wipfelsuiten vor. Herd, Heizung, Trinkwasser, Dusche, Toilette, Fernseher, W-Lan – auf nichts müssen Übernachtungsgäste verzichten. Ein Jahr lang hat der Millionär selbst mit seiner Frau und den Kindern in der Lichtelfe gewohnt, als sich der Umbau seiner Villa verzögerte. Am liebsten wäre er nie ausgezogen, sagt er. „Man merkt, wie wenig genug ist. Jeder Besitz belastet.“

 

In der Wipfelsuite Lichtelfe gibt es kaum einen rechten Winkel. /Michael Memmler

2018 wurde die Eröffnung der Oase Weil gefeiert, wie Schempp das Ensemble aus Baumhäusern, Veranstaltungshalle, Ayurveda-Zentrum und Charity-Sitz nennt. Was die Besucher, die teils aus Saudi-Arabien, Asien oder Amerika anreisen, anzieht? „Das naturnahe Wohnen gibt uns was“, sagt Schempp und erzählt, dass er nie das Ziel hatte, Hotelier zu werden. „Es war nicht mein Lebensplan, Baumhäuser zu bauen. Ich denke, der Himmel hat die Fäden in der Hand.“ Die Idee sei vor 20 Jahren gereift, nachdem er in einem Baumhaushotel nahe Görlitz übernachtet hatte. „Ich war hin und weg“, erzählt er. Als er 2008 die Möglichkeit hatte, von Rolf Deyhle, dem Stuttgarter Musical-Milliardär, für 2,5 Millionen Euro die Schönbuchvilla zu kaufen, schlug er zu, weil er einen Sitz für seine Stiftung „One World Family“ suchte. Nebenan auf der Wiese Baumhäuser zu bauen, war die Idee seiner Frau.

Bis zur Eröffnung verging ein ganzes Jahrzehnt. Es gab Widerstand gegen den Bau im Landschaftsschutzgebiet, es bedurfte vieler Genehmigungen. Es sei ein „unglaubliches Prozedere“ gewesen, „es gibt ja keine Bauordnung für solche Häuser“. Die Pläne wurden vielfach umgekrempelt. Alles ist Handarbeit, nichts von der Stange. 250 000 Euro kostete jedes der acht Baumhäuser. „Sie sind wirtschaftlich“, sagt Schempp. Seine Vision: „Dass man Menschen Freude bereitet. Was können wir mit unserer Lebenszeit am besten machen? Bring’ Freude in die Welt.“

Im Schwäbischen verwurzelt, in der Welt zu Hause

Aufgewachsen ist Schempp in Stuttgart. „Ich bin auf der Höhe geboren“, sagt er und schwenkt um in Schwäbisch: „I ben a Möhringer.“ Er war der vierte von fünf Geschwistern und der Kopf der Gruppe. „Ich war der Organisator vom Team. Ich habe Sachen angestoßen“, sagt er. Der Vater führte den Lebensmittelgroßhandel der Großeltern, später einen Einzelhandel. Schempp verdiente sein erstes Geld, als er mit einem Kamerad zusammen Autohandel betrieb. Nach dem Abitur ging er für ein Jahr zu einer Gastfamilie nach Kalifornien, pflückte Pfirsiche auf einer Plantage und sammelte Flugstunden als Privatpilot – den Flugschein hatte er zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur absolviert.

Mit langen Haaren und Stirnband kam er zurück nach Deutschland und ließ sich als Berufspilot und Fluglehrer ausbilden. Er studierte Volkswirtschaft in Bonn und Freiburg, arbeitete als Testpilot von Ultraleichtflugzeugen, kümmerte sich ums Marketing der Firma und schnupperte in viele Unternehmen hinein. Sein Lebensprinzip: „Mich hat immer alles saumäßig interessiert.“ Er holte sich die väterliche Erlaubnis, neben der Mitarbeit im Familienbetrieb seine eigene Firma Makro-Medien-Dienst zu gründen, ein Verlag für Verbraucherzeitungen. Erst kürzlich hat er ihn verkauft.

Im Laufe seines Lebens hat Schempp viele Geschäfte betrieben. „Ich habe garantiert 15 Firmen gegründet“, sagt er. Anfang der 1990er Jahre gründete er in Singapur das Handelsgeschäft Schempp International. Später kam der Ableger Myanmar Schempp International hinzu, er gründete IT-Firmen und Reisebüros, stattete Kreuzfahrtschiffe mit Sicherheitssystemen aus, betrieb Großhandel mit Alarmsystemen und organisierte Gebäude- und Personenschutz – unter anderem von Kim Jong-un beim Treffen mit Donald Trump in Singapur 2018. Er reiste mit dem Rucksack durch Indien und gründete Schempp Ayurveda Products. Die Branchen seiner Firmen: querbeet. Eigene Sachkenntnis: gering. „Ich bin kein Spezialist. Aber ich habe immer Leute gefunden, die Spezialisten waren.“ Erfolg sei immer eine Teamleistung. Der 72-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass auch Misserfolg einen großen Bestandteil seiner Biografie ausmacht. „Die meisten Sachen, die ich gemacht habe, waren nicht erfolgreich. Aber irgendwie hat es funktioniert, dass ich mir um Geld nie Sorgen machen musste.“ Sein Motor sei immer Disziplin und Fleiß gewesen.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Ebenso selbstverständlich wie das Einnehmen ist für ihn das Ausgeben von Geld. „Es hat mich nie interessiert, aus viel Geld mehr Geld zu machen“, sagt er. Schon als Schüler habe er das deutsch-indische Kinderhilfswerk unterstützt, „einfach, weil ich es toll fand“. Als er die Mittel dazu hatte, baute er in Indien eine Schule und ein Waisenhaus. Sein Antrieb war es, Sinnstiftendes zu tun und seine Fähigkeiten der Welt zur Verfügung zu stellen. Zeit seines Lebens trieb ihn die Frage nach dem Sinn des Lebens um. Auf Vermögen zu sitzen, ist nicht die Antwort, da ist er sich sicher.

Ihn inspiriert fernöstliche Spiritualität, er beschäftigt sich mit Geistheilung, macht jeden Morgen Yoga und hat die Grundhaltung: Der Glaube versetzt Berge. Das Leben sieht er als fortwährende Schule, in der man nie ausgelernt hat – auch er selbst nicht: „Geduld und Zuhören, da habe ich Defizite. Das muss ich unbedingt noch lernen.“ Er lacht und sagt: „Deshalb lebe ich ja noch.“

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