Hans Neuenfels wird 80 Regisseur Hans Neuenfels wird 80

Hans Neuenfels Foto: dpa/Wolfgang Kumm
Hans Neuenfels Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Er hat Brathähnchen und Ratten auf die Bühne gebracht und Sängern Schauspielerdoubles an die Seite gestellt. An diesem Montag wird der Skandalregisseur und Theaterverrückte Hans Neuenfels 80.

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Stuttgart - Zu manchen Werken, das hat der Regisseur Hans Neuenfels kürzlich in einem Interview bekannt, habe er nie einen Zugang gefunden, und „manchmal hatte ich furchtbare Augenblicke, wenn ich erst in der Premiere erkannt habe, dass ich ein Stück vollkommen verfehlt hatte“. Im Rückblick finde er einige seiner Inszenierungen zwar geglückt – „aber nicht sehr viele“. Koketterie oder Realismus? Tatsache ist: Neuenfels, geboren am 31. Mai 1941 in Krefeld, ist gut drei Jahrzehnte lang einer der meistbeschäftigten Schauspiel- und Opernregisseure gewesen. Und seitdem er 1980 in Frankfurt die Hoch-Zeit des sogenannten Regietheaters mit einer „Aida“ eingeläutet hatte, in der die Titelheldin eine Putzfrau war und auf der Bühne Brathähnchen und Hühnerklein umherflogen, galt er lange als Deutschlands zuverlässigster Skandalregisseur. Als einer, der Bilder und Klischees bricht, ironisch, oft zynisch. Und als einer, der wegweisend wirken konnte, zum Beispiel mit der Idee, den Triumphmarsch in „Aida“ als Zerrbild eines zementierten kolonialistischen Denkens vorzuführen.

Später haben sich manche Ideen verselbstständigt. Zu ihnen zählt etwa die Verdoppelung von Sängern durch Schauspieler, die zum Markenzeichen des Regisseurs wurde – in Stuttgart konnte man sie etwa bei „Don Giovanni“ (2002) und „Die Sache Makropulos“ (2004) erleben.

Ratten im Bayreuther „Lohengrin“-Versuchslabor

Als Neuenfels 2010 mit einem im Versuchslabor ange- und von putzigen Ratten besiedelten „Lohengrin“ sein spätes Bayreuth-Debüt feierte, wurde der Abend wegen seines listig-lustig gebrochenen Pathos zum Publikumshit. In einer von Neuenfels entworfenen Wagner-Fantasie der Festspiele Zürich 2013 werfen, als das „Lied an den Abendstern“ aus „Tannhäuser“ gesungen wird, zwei humpelnde Menschen ihre Krücken weg und beginnen zu tanzen – mitten hinein in die Bühnenzauberwelt, der Neuenfels verfallen ist und der er, wenn auch in abnehmender Frequenz, zuarbeitet. Abtreten, so Neuenfels über Neuenfels, werde er erst, wenn ihm sein Blutdruck wichtiger sei als ein Vers von Kleist.




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