Hans Söllner tritt in der Renninger Stegwiesenhalle auf Einer, der nichts beschönigt

Von Marion Graeber 

Der bayerische Liedermacher Hans Söllner gastiert mit seinen bissigen Liedern in der Stegwiesenhalle.

Eine Gitarre  und die Sprache genügen Hans Söllner. Foto: factum/Bach
Eine Gitarre und die Sprache genügen Hans Söllner. Foto: factum/Bach

Renningen - Einen etwas anderen Abend konnten die rund 500 Besucher in der ausverkauften Stegwiesenhalle in Renningen jüngst erleben. Denn einem Hans Söllner kann man nicht nur einfach zuhören, ihm zusehen – ihn kann und muss man wohl erleben. Denn der Liedermacher aus dem bayerischen Bad Reichenhall ist ein kontroverser Typ. So wurde er musikalisch durch seine bissigen Lieder bekannt. Diese trägt er nur mit einer Gitarre vor. Mehr braucht er nicht. Denn es sind die Sprache und seine Gesinnung, welche da von der Bühne donnern.

Seine Worte, Sätze und Phrasen bahnen sich ihren Weg immer auf dem direkten Weg ins Freie. Direkt vom Hirn ausgestoßen. Ausgespuckt. Da wird nicht lange nachgedacht, wie sich Themen verpacken lassen. Da wird nichts beschönigt oder umschrieben. Söllner spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er ist authentisch, angriffslustig, gesellschafts- und systemkritisch. Dieses Ehrliche, Ungeschönte, Unverblümte – das ist es, was dem Publikum augenscheinlich gefällt. Wie im Wohnzimmer fühlt es sich in der Stegwiesenhalle an. Ohne Pause läuft der Act durch. Die Besucher fühlen sich wohl. Versorgen sich immer wieder mit Nachschub-Bier. „Wir haben bis zu 50 Kästen Bier bestellt“, lächelt Joachim Donati von Kult & Fun, dem Veranstalter. So gehörten also ploppende Bierflaschen und umher spazierende Gäste zum Bild des Abends, wie der Liedermacher selbst.

Authentisch und angriffslustig

Doch Söllner teilt nicht nur aus, er ist auch hart im Nehmen. Mit einer, wie er selbst sagt, „eini gschraubten und fest gschraubten Bizeps Sehne“, sitzt er nach einem Bizeps-Riss und der dazugehörigen Operation dort oben auf der Bühne. Einen Musikerkollegen an seiner Seite. Und er lacht: „Ihr müsst Geduld haben. Wir haben nicht wirklich geübt, wir sind faul“. Und weiter: „I bin froh, dass I ned meine Stimmbänder grissen hob“.

Und schon bebten sie, die Stimmbänder. Sowohl bei seinem Gesang, wie auch bei seinen Erzählungen. Da ging es um die „Geile Erfindung von Facebook“, und wie man mit einem Post selbst nachts um zwei Uhr noch Menschen aus den Ecken hervorholen kann. Politik. Selbstverständlich. Ein großes Thema. Im Speziellen hat es ihm Markus Söder angetan. Er bekommt im Laufe der Veranstaltung immer wieder sein Fett weg. „Er fühlt sich als Kümmerer“, ruft Söllner von der Bühne. Und weiter: „Wenn der Bund was festlegt, sagt er, legt er noch ne Schippe drauf. Na, hoffentlich erlauben sie jetzt den Hanf.“

Ganz klar sind es auch die Drogen, die einen festen Platz im Leben des Hans Söllner haben. Tritt er doch für die Legalisierung von Marihuana ein. Da träumt er von einem Ravensburger Spiel mit dem Namen „Mit Hans Söllner unterwegs“. Ein Spiel, wie er selbst sagt, mit lauter Erlebniskarten. So soll eine Karte das Erlebnis aufzeigen, dass der Spieler eine Polizeistreife zu finden habe, um ihr mitzuteilen, dass drei Gramm im Auto verloren gingen. Schon ist er bei seinem immer währenden Thema der Fahrerlaubnis und des Führerscheinentzugs wegen Drogenmissbrauch angelangt. „Das hält sich halt lang in meinem Körper“, lacht er entschuldigend.

Die Drogen haben einen festen Platz bei ihm

So ist es auch das vorgespielte Gespräch zwischen Söllner und einem Psychologen, welches die Gäste in Renningen amüsiert. „Wie geht’s Ihnen ohne Drogen, Herr Söllner“, beginnt er seine Erzählung. „Da hab ich den Psychologen gefragt, ob er was braucht“, lacht er. Als dieser sich dann jedoch als Nichtkenner der Rauschmittel zu erkennen gab, verlangte Söllner kurzerhand nach einem Fachmann.

Auch einen Reaktionstest für den Straßenverkehr macht Söllner zu einem Show-Act. „Wenn i gwusst hätt, dass es hier um Schnelligkeit geht, hätt i heut morgen was anderes eingenommen“. Des Weiteren geht es dem deutschen Liedermacher um die Integration. Er hat selbst zwei Kriegsflüchtlinge aufgenommen, einen jungen Mann aus Syrien und einen aus Afghanistan.

Doch auch die Liebe und seine Enkelin Lotta aus der Krachmacherstraße besingt und bespricht er. Für sie hat er eigens ein Lied geschrieben, welches eigentlich den Eltern gewidmet ist. Auch einem kürzlich verstorbenen Freund widmet er ein Lied. So sind die Abende mit Söllner solche, an denen der Besucher nicht wirklich weiß, was auf ihn zukommen mag. „Ich hab kein Schema, ich spiel drauf los“, sagt er selbst.