Hans van Manen in Stuttgart „Ich habe Marcia Haydée nie etwas abgeschlagen“
Der Choreograf Hans van Manen ist in Stuttgart, um dem ihm gewidmeten Ballettabend „Fünf für Hans“ den letzten Schliff zu geben. Premiere ist am Samstag.
Der Choreograf Hans van Manen ist in Stuttgart, um dem ihm gewidmeten Ballettabend „Fünf für Hans“ den letzten Schliff zu geben. Premiere ist am Samstag.
Zum Interview im Marcia-Haydée-Saal lässt sich der Choreograf Chardonnay servieren. Hans van Manen hat allen Grund zum Feiern. Der Holländer ist einer der großen Neuerer des Balletts; mit dem Abend „Fünf für Hans“ verbeugt sich das Stuttgarter Ballett von Samstag an vor dem 92-Jährigen.
Herr van Manen, können Sie sich erinnern, wann Sie zum ersten Mal vom Stuttgarter Ballett gehört haben?
Das war im Zusammenhang mit John Cranko und muss Anfang der 1960er Jahre gewesen sein. Ihn selbst habe ich später in München getroffen, wo ich einen Pas de deux für eine Gala choreografiert hatte. Leider hatte sich der Tänzer am Knie verletzt und mein Stück musste ausfallen. Der Kommentar Crankos dazu hat mich nicht unbedingt aufgebaut.
Wie kam es dann zur Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Ballett?
Ganz einfach: Marcia Haydée hat mich gefragt, und ich fand fantastisch, dass sie es getan hat; ich habe ihr nie etwas abgeschlagen. Es gibt keine andere Kompanie außerhalb der Niederlande, die so viele Stücke von mir im Repertoire hat. Von 1981 an habe ich in Stuttgart 24 Ballette einstudiert, darunter drei Uraufführungen – choreografiert habe ich sonst nur noch für das Wiener Staatsballett und das Royal Ballet. Ich mochte es nicht, wochenlang allein in einem Hotelzimmer zu leben.
Die Stuttgarter Hommage schlägt den Bogen in Ihrem Werk von 1973 bis 2005. Wie würden Sie die Entwicklung von „Adagio Hammerklavier“ zu „Frank Bridge Variations“ beschreiben?
Alles ist einfacher, klarer und damit besser geworden. In „Adagio Hammerklavier“ geht es um Balance, um Gleichgewicht. Ich habe mir einen Reifen vorgestellt, der rollt. Kurz vorm Umkippen beginnt das Adagio. In „Frank Bridge Variations“ geht es wie oft in meinen Stücken um menschliche Beziehungen. Ich habe viele Pas de deux beobachtet, bei denen sich die Paare überhaupt nicht anschauen. Bei mir sind auch die Blickbeziehungen wichtig.
Wie muss ein Musikstück sein, damit es Sie als Choreograf anspricht?
Rhythmus ist für mich eine wichtige Sache. Ohne ihn füllt man die Musik gern mit unlogischen Gebärden. Ich habe meine Choreografien aus dem Gehen, aus der Bewegung der Beine oder einem bestimmten, festen Aufsetzen der Füße entwickelt. Der Körper folgt fast ohne nachzudenken. In „Solo“ ist die Choreografie für jede Note von Bachs Violin-Partita gemacht. Alles was man hört, soll man auch in den Schritten sehen. Mein großes Vorbild für diese Musikalität war George Balanchine.
Termin: „Fünf für Hans“ hat am 24. Mai um 19 Uhr im Opernhaus Premiere. Es folgen neun Vorstellungen bis zum 15. Juni. Auf dem Programm sind mit „Adagio Hammerklavier“ (1973), „Two Pieces for Het“ (1997), „Trois Gnossiennes“ (1982), „Solo“ (1997) und „Frank Bridge Variations“ (2005) fünf Stücke aus dem Stuttgarter Repertoire.
Termin
„Fünf für Hans“ hat am 24. Mai um 19 Uhr im Opernhaus Premiere. Es folgen neun Vorstellungen bis zum 15. Juni.
Programm
Getanzt werden mit „Adagio Hammerklavier“ (1973), „Two Pieces for Het“ (1997), „Trois Gnossiennes“ (1982), „Solo“ (1997) und „Frank Bridge Variations“ (2005) fünf Stücke aus dem Stuttgarter Repertoire.