Hans Zimmer in Stuttgart Filmmusik-Gala mit Virtuosen

Zimmer in der Schleyerhalle Foto: Lichtgut/Rettig

Hans Zimmer hat in der Schleyerhalle eine bombastische Show inszeniert. Seine Filmmusiken wecken Erinnerungen an James Bond, Batman und Jack Sparrow.

Streicher, wilde Trommeln, metallischer Rock und Frauengesang fluten die Schleyerhalle: Mit „Dune“ (2021) beginnt der Hollywood-Komponist Hans Zimmer seine bombastische, durchgetaktete Show. Er inszeniert seine Musiken mit großem Ensemble und transparentem Sound, spielt selbst Gitarre und Klavier und erzählt, dass er mal in Stuttgart auf der Schule war – „nach sechs Wochen bin ich wieder rausgeflogen!“ Das Publikum in der vollen Halle feiert Zimmer, der keine Filmszenen zeigt – die Musik transportiert die Bilder, die bleischweren Klänge von „Dune“, Denis Villeneuves düstere Visionen von Ausbeutung und Krieg im All. In den warmen Sound von „Now we are free“ aus Ridley Scotts „Gladiator“ (2000) ist der verratene Tribun Maximus eingebrannt, der in Rom den Vatermörder Commodus stellt – und die Verheißung einer besseren Welt ohne Sklaven. Die Australierin Lisa Gerrard hat das Stück in Fantasiesprache eingesungen, nun steht sie mondän gewandet in der Halle und zieht alle in ihren Bann mit ihrer berückenden Altstimme.

 

Orchesterwind bläht die Piratensegel

Bald bläht der Orchester-Wind die Segel der Black Pearl, der Pirat Jack Sparrow geht auf Abenteuerfahrt ins Ungewisse („Fluch der Karibik“, 2003). Zu schneidenden Synthesizern taucht Batman hinab nach Gotham City, um kostümierte Psychopathen zu jagen („The Dark Knight, 2005), Flöten und Trommeln begleiten den „Last Samurai“ (2003), Sirenengesang, eines Markenzeichen Zimmers, die Reise durchs Wurmloch in eine fremde Galaxis in „Interstellar“ (2014).

Loire Cottler heißt die Frau mit der irren Stimme, die wie viele andere Protagonisten ihren Moment bekommt: Mal inszeniert sich die Chinesin Tina Guo als Teufels-Cellistin, mal erzeugen die Drummerinnen Aicha Djidjelli und Holly Madge ein Erdbeben, mal spielt der E-Gitarren-Virtuose Guthrie Govan das Publikum schwindlig, mal betört es der venezolanische Flötist Pedro Eustache.

Als Zugabe ein Schmankerl aus „Inception“

Ein Hauch von Varieté und Musical schwingt mit, einige der Musikerinnen posieren viel, stellens sich zur Schau über ihre Virtuosität hinaus. Ein wenig klischeebehaftet wirkt das Afrika-Bild, das singende, tanzende Akteure mit Bongos zeichnen, während der Südafrikaner Lebo M mit seiner Stimme dem „König der Löwen“ (1994) huldigt im Gesangdialog mit seiner Tochter Refi.

Ein Licht- und Klangfeuerwerk begleitet James Bond, der zum Sterben keine Zeit hat, und am Ende gibt es ein echtes Schmankerl: Zimmer setzt sich ans Klavier und intoniert das kontemplative Epos „Time“ aus Christopher Nolans Traumebenen-Thriller „Inception“ (2010). Seine Musik spricht für sich.

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