München/Stuttgart - Das Schauspiel war so zu erwarten gewesen. Der Plot für die Szenerie in Münchens Norden stand. Als der Hauptdarsteller die Bühne betrat, da also gab er seinen Monolog zum Besten, den zumindest das Fachpublikum qua vorheriger Ankündigung schon kannte. Hansi Flick, der Trainer des FC Bayern, hatte ja schon am Freitag gesagt, was er künftig sagen werde, wenn die Nachfragen zu seiner Zukunft und zum Streit mit dem Sportvorstand Hasan Salihamidzic kommen: „Nächste Frage.“
Vor und nach dem 1:1 im Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin am Samstag dann kamen besagte Nachfragen zu seiner Zukunft und zum Streit. Und Flick gab sich nun in eigener Sache so konsequent wie immer. Und sagte darauf, genau: „Nächste Frage.“
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Willkommen also zu den Münchner Geschichten aus der Arena im Norden der Stadt, aus Fröttmaning. Oder auch: Willkommen zum Komödienstadel.
Sicher, die Fans der Reihe des bayerischen Fernsehens werden jetzt mit Recht sagen, dass es sich da doch bitt’ schön nur um ihre lieb gewonnenen Theaterstücke aus dem sogenannten ländlichen Milieu (also selten bis niemals aus Minga direkt) handelt, die seit dem Jahr 1959 erfolgreich im Abendprogramm laufen.
Komödiantische Züge
Aber, vergelt’s Gott: Komödiantische Züge hat das Drama mit dem Brazzo und dem Hansi inzwischen allemal, auch wenn die bayerische Mundart, anders als beim echten Komödienstadel im Fernsehen, beim Badener Flick und beim Bosnier Salihamidzic deutlich hörbar fehlt. Und auch wenn beide Hauptdarsteller selbst das alles nicht lustig finden – und noch nie fanden.
Hansi Flick, und damit zurück zur jüngsten Episode im Münchner Theater, ließ sich am Samstag dann doch noch aus der Reserve locken. Das geschah, als er auf die Aussage seines Kapitäns Manuel Neuers angesprochen wurde, dass ein „bisschen mehr Ruhe“ beim FC Bayern wünschenswert wäre. „Meinen Sie, mir macht das Ganze Spaß?“, fragte Flick da erst in Richtung des Reporters zurück – ehe er ihm dann schnell wieder den Satz aus seinen persönlichen Proben vom Freitag zurief: „Nächste Frage.“
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Auch Thomas Müller hatte auf das Schauspiel keine Lust mehr am frühen Samstagabend. Aber Müller wäre nicht Müller, wenn er bei allem Ernst der Lage nicht doch noch den Komödianten gegeben hätte: „Nächste Frage“, sagte also auch der Wortführer der Münchner in Anspielung auf den ihm längst bekannten Satz seines Trainers, als es wieder um dessen Zukunft und den Streit ging. Denn, so Müller, jetzt ernsthaft: „Jede Antwort würde das wieder anfachen. Wir alle tun gut daran, ein bisschen die Glut zu löschen.“
Das aber hatte ja schon der Feuerwehrmann Karl-Heinz Rummenigge versucht, der Flick und Salihamidzic vor der Partie gegen Union Berlin eindringlich zur Vernunft gerufen hatte. Doch die Worte des Vorstandschefs wirken derzeit offenbar wie eine Spritzpistole bei einem Großbrand: Löschen unmöglich!
Auch Hainer will löschen
Auch der Präsident Herbert Hainer gab am Sonntag im Fernsehstudio bei Sky den Brandbekämpfer. Und es hätte kaum noch überrascht, wenn Hainer da mit dem Original-FC-Bayern-Feuerwehrhelm und dem Original-FC-Bayern-Löschschlauch (vielleicht gibt es beides ja inzwischen im Sortiment beim FC-Bayern-Fanshop) reinmarschiert wäre – und den Moderator, der natürlich auch die bösen Fragen nach Flick stellte, abgespritzt hätte.
Auch Hainer also versuchte zu löschen. Er sagte, dass in Flick und Salihamidzic „zwei meinungsstarke Typen“ aufeinanderträfen. Wichtig sei, „dass beide dasselbe Ziel haben. Wir wollen mit beiden weiterarbeiten.“ Und weiter: „Die beiden müssen auch kein Liebespaar sein, wichtig ist, dass sie professionell zusammenarbeiten.“ Hainer sagte auch noch, dass er „fest“ davon ausgehe, dass Flick seinen bis 2023 laufenden Vertrag erfüllt – unter Salihamidzic als Sportvorstand, wohlgemerkt.
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Eine Zusammenarbeit von Flick und Salihamidzic über den Sommer hinaus aber, so viel lässt sich sagen, erscheint unter den aktuellen Umständen kaum mehr vorstellbar.
Worum es in dem Zwist geht, ist eine alte Geschichte, die nun immer wieder neu hochkocht. Der Trainer Hansi Flick will am liebsten so etwas wie ein Vetorecht in Transfer-und Spielerfragen (oder zumindest ein größeres Mitspracherecht). Der Sportvorstand Salihamidzic aber lehnt dies ab mit dem Verweis, dass ein Verein so etwas zu planen habe. Nun geht und ging in diesen Fragen nicht alles an Flick vorbei, es wird geredet, das schon. Aber aus Flicks Sicht eben zu wenig mit ihm.
Die Fälle Alaba und Boateng
Das war bei David Alaba und Jérôme Boateng so, die die Bayern gegen Flicks Willen im Sommer aus unterschiedlichen Gründen verlassen. Und das ist immer wieder so, was vergangene und mögliche künftige Neuzugänge angeht.
So verwies Flick in diesen Tagen darauf, dass das aktuelle Bayern-Team schlechter aufgestellt sei als jenes aus der vergangenen Saison. Es gibt gewiss subtilere Spitzen gegen einen Vorgesetzten, wie es der für den Kader verantwortliche Vorstand Salihamidzic in dem Fall ist.
Wie also geht das jetzt weiter? Flick steht ja mehr denn je im Zentrum der Nachfolge-Diskussion über den Bundestrainerposten von Joachim Löw. Und Flick, das sollte man da vielleicht wissen, war noch nie der nette Hansi, für den ihn so mancher Betrachter der Branche gerne mal hält.
Der konsequente Hansi
Flick ist wohl eine der konsequentesten Figuren im deutschen Profifußball. Wenn ihm etwas nicht passt, dann beendet er das Ganze. So geschehen bei der TSG Hoffenheim, wo er nach nur acht Monaten als Geschäftsführer im Februar 2018 aufhörte. Und so geschehen beim DFB, wo er von 2014 bis Anfang 2017 Sportdirektor gewesen war – und nicht bis zu seinem Vertragsende 2019.
Nicht ausgeschlossen also ist es, dass der Trainer seine Chefs beim FC Bayern München bald um einen Gesprächstermin an der Säbener Straße bittet – mit dem Tagesordnungspunkt „In eigener Sache“.