Hansi Flick will den FC Bayern verlassen Das neue Trainer-Selbstverständnis

Hansi Flick sieht seine Zeit beim FC Bayern abgelaufen – er will den Rekordmeister verlassen. Foto: AFP/Andreas Gebert

Hansi Flick will den FC Bayern verlassen, auch andere Trainer gehen auf eigenen Wunsch neue Wege. Dieses neue Selbstverständnis der Coaches belebt das Geschäft, daraus erwachsen aber auch Pflichten, kommentiert unser Autor Dirk Preiß

Sport: Dirk Preiß (dip)

Stuttgart - Es gibt nur 18 davon – und so exklusiv und begehrt dieser Arbeitsplatz damit ist, so gefährlich ist er auch: der Job des Bundesligatrainers. Das Spiel mit dem angeblich wichtigsten Angestellten eines Fußballclubs ist schon seit jeher ein eher schmutziges. Es wird geheuert und gefeuert, gerne auch mehrmals in einer Saison. Der Coach – das schwächste Glied der Kette? Moment, da hat sich was verändert.

 

Natürlich gibt es sie noch, die Entscheidungen gegen die Trainer, die ausschließlich am Erfolgsdruck ausgerichtet sind. Aber: Die Coaches selbst agieren mittlerweile auch anders. Adi Hütter und Marco Rose etwa gehen nach der Saison selbstbestimmt ihren Weg zu einem neuen Club – eine im Vertragswerk geforderte und gewährte Ausstiegsklausel macht es möglich. Und auch Hansi Flick sortiert seine Zukunft auf eigenes Betreiben hin neu: Der Erfolgscoach der vergangenen Saison will den FC Bayern am Saisonende verlassen.

Flick ist den Streit leid

Den Job beim Branchenprimus, den begehrtesten der 18 Trainerposten in der deutschen Bundesliga, gibt an sich so schnell keiner auf, schon gar nicht freiwillig. Flick macht das dennoch – weil er den Dauerstreit um die Personalfragen mit dem Münchner Sportvorstand Hasan Salihamidzic leid ist, um seine neu gewonnene Attraktivität weiß und sich wohl auch freimachen möchte, um im Rennen ums ab Sommer vakante Bundestraineramt nicht ins Hintertreffen zu geraten.

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Für die Bayern stellen sich daher mehr Fragen als die nach einem geeigneten Nachfolger des Triple-Trainers. Es geht um die künftige Rückendeckung für jenen Coach, der Woche für Woche der meistbeachtetste ist im deutschen Fußball. Und es geht um Strukturen, die es auch für selbstbewusste absolute Toptrainer attraktiv machen, nach München zu kommen. Was sie nur dann tun, wenn sie nicht allein das tägliche Übungsprogramm mitbestimmen können, sondern auch die Transferpolitik. Reibungsverluste durch stetes (und öffentliches) Gerangel des Führungspersonals kann sich der Club im internationalen Konkurrenzkampf mit den besten und reichsten Clubs der Welt nicht leisten.

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Das neue Selbstbewusstsein der Trainergilde belebt das Geschäft. Überziehen sollten es die Coaches nicht. Die Fans lechzen schließlich mehr denn je nach Identifikation und ehrlichen Worten. Und die Clubs brauchen – gerade wenn sie Kompetenzen und Mitspracherechte an Einzelpersonen abgeben – verlässliche Partner.

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