Der Ludwigsburger Hanss Bruss ist ein begeisterter Läufer und hat sich für den Bottwartal-Marathon ein ungewöhnliches Ziel gesteckt – er will seine eigene Laufzeit von 2005 schlagen.

Hanss Bruss ist 67 Jahre alt und noch immer ein passionierter Läufer. Der Ludwigsburger hat bereits zahlreiche Marathons und Halbmarathons hinter sich, wird kommendes Jahr sogar beim Boston-Marathon an den Start gehen. Zu der Veranstaltung im Bottwartal aber hat er eine ganz besondere Verbindung: Hier hat er 2005 seinen allerersten Marathon bestritten.

 

Seither ist Bruss zwar älter, aber auch erfahrener im Laufsport geworden und hat sich für dieses Jahr daher ein ungewöhnliches Ziel gesetzt: Er will seine Laufzeit von vor 20 Jahren schlagen.

Als Hanss Bruss am Sonntagmittag die letzte Anhöhe vor dem Ziel in Angriff nimmt, ist er am Kämpfen: „Der letzte Anstieg zieht sich, da musste ich richtig beißen.“ Doch kurz vor dem Abschluss kann er seine letzten Reserven aktivieren. „Als ich das Ziel vor mir gesehen habe, habe ich noch mal richtig Gas gegeben und sogar noch einmal ein paar Leute überholt.“

Das Ergebnis: Mit einer Zeit von vier Stunden und acht Minuten überquert er die Ziellinie – als Drittbester in seiner Altersklasse und mehr als zehn Minuten schneller als bei seiner ersten Teilnahme vor 20 Jahren. Bestimmt wäre sogar noch mehr drin gewesen, überlegt er. „Aber am Anfang fühle ich mich immer so euphorisch und laufe dann etwas zu schnell an, das merkt man dann hinten raus. Trotzdem bin ich sehr zufrieden.“

Bruss schon immer sportbegeistert

Für Sport hat sich Hanss Bruss schon immer begeistern können. Mit dem Einstieg in den Beruf – Bruss ist Elektrotechniker und heute noch als Produkt-Manager für erneuerbare Energien bei Helukabel tätig – und der Gründung seiner Familie sind diese Aktivitäten ein wenig eingeschlafen, gibt er zu. Die Wende brachte ein Projekt zur Gesundheitsförderung bei seinem früheren Arbeitgeber Siemens Ende der Neunziger. „Als Vertriebsingenieur im Außendienst mangelte es häufig an Bewegung und gesunder Ernährung, es war daher Zeit, etwas zu unternehmen“, erzählt er. So fand er den Weg zum Ausdauersport – und ist dabei geblieben.

2001 absolviert Hanss Bruss seinen ersten Halbmarathon bei den Siemensmeisterschaften in Regensburg, 2005 folgt der erste Marathonlauf im Bottwartal. Leider eine „bittere Erfahrung“, wie er sich erinnert. Nach einem Einbruch im letzten Drittel schließt er die Tour mit einer Zeit von 4 Stunden und 21 Minuten ab. Bereits damals nimmt er sich fest vor, diesen Marathon noch einmal mitzumachen, „aber besser vorbereitet“.

In diesen 20 Jahren ist viel passiert. Allein beim Bottwartal-Marathon tritt Bruss 13-mal zu unterschiedlichen Läufen an, hauptsächlich beim Halbmarathon. Er ist mehrfach beim Stuttgartlauf und beim Ludwigsburger Citylauf dabei, nimmt in Frankfurt, Dresden, Berlin, ja sogar in Wien und Petit Ballon im Elsass an Läufen teil. Beim Projekt „Lauf-Geht’s“ von der Forschungsgruppe Dr. Feil, mit dem Ziel „Von null auf 21 Kilometer in nur 6 Monaten“, ist er von 2017 bis 2021 sogar als Lauftrainer aktiv. Einen besonderen Erfolg feiert Bruss in München, als er den dortigen Halbmarathon in seiner Altersklasse (M65) auf Anhieb gewinnt.

Dabei sind die Erfolge für Hanss Bruss zweitrangig. „Natürlich habe ich einen gewissen Ehrgeiz und will auch gute Zeiten erreichen“, erzählt er. „Vor allem aber liebe ich das Laufen. Es gibt einem ein gutes Gefühl. Wenn man nach dem Laufen nach Hause kommt, ist man immer gut gelaunt, das ist einfach phantastisch.“

Auch seinen jüngsten Marathon schließt er nicht nur wegen des Ergebnisses mit bester Laune ab. „Der Bottwartal-Marathon macht mir insgesamt einfach großen Spaß“, erzählt Hanss Bruss. Nicht nur sei dieser immer perfekt organisiert. „Auch die Stimmung am Straßenrand ist großartig. Die Unterstützung, die man bekommt, wenn man durch die Ortschaften läuft, ist einmalig.“

„Laufen gehört zu meinem Alltag wie das Zähneputzen“

Mit 67 also fitter als mit 47 – das können sicher die wenigsten von sich behaupten. Das Ende der Fahnenstange ist für Hanss Bruss damit aber noch längst nicht erreicht. Aufhören? Für ihn keine Option. „Laufen gehört inzwischen zu meinem Alltag dazu wie das tägliche Zähneputzen“, sagt er. „Ich merke, es tut mir gut, ohne das Laufen würde mir etwas fehlen. Und solange es meine Gesundheit mitmacht, bin ich auch weiter dabei.“

Und schließlich hat er noch viel vor. Bei unterschiedlichen Läufen in Deutschland und Europa würde er gerne noch mitmachen, ob in Köln oder Stockholm. Im April 2026 wird Hanss Bruss sich außerdem einen persönlichen Wunschtraum erfüllen: Dann wird er zum ersten Mal beim berühmten Boston-Marathon an den Start gehen. Mit seiner jüngsten Bestleistung aus Dresden hat er sich dort beworben – und wurde auf Anhieb zugelassen. Keine Selbstverständlichkeit, schließlich wollen bei dem berühmten Lauf zahlreiche Menschen aus der ganzen Welt dabei sein. „Das ist für mich deshalb etwas ganz Besonderes, und ich freue mich jetzt schon sehr drauf.“