Hantavirus-Epizentrum Stuttgart So steckt man sich an, so kann man sich schützen

Von Regine Warth und  

Wie wird der Hantavirus übertragen? Welche Symptome hat die Krankheit? Und wie kann man sich schützen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Sie sieht so niedlich aus, aber die Rötelmaus verbreitet den gefährlichen Hantavirus. Foto: dpa
Sie sieht so niedlich aus, aber die Rötelmaus verbreitet den gefährlichen Hantavirus. Foto: dpa

Stuttgart - Der junge Student war nur joggen, seine übliche Runde durch den Wald in Stuttgart. Einige Tage danach fühlte er sich schlapp. Ein fiebriger Infekt, so dachte er sich. Doch als die Temperatur immer höher stieg und er sich aufgrund seiner starken Rückenschmerzen nur noch im Bett wand, ging der Notruf raus. Im Katharinenhospital war nach der Blutuntersuchung die Diagnose klar: „Nierenversagen aufgrund einer Hantaviren-Infektion“, sagt Vedat Schwenger, der Ärztliche Direktor der Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Autoimmunerkrankungen des Klinikums Stuttgart, der den Patienten wieder gesund entlassen hat. Es ist ein besonders schwerer Verlauf einer Hantaviren-Infektion, den der ärztliche Direktor da schildert.

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Immer mehr Menschen fangen sich den gefährlichen Hantavirus ein. 2019 gab es in Baden-Württemberg seit Anfang des Jahres bereits mehr als 200 registrierte Fälle. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres war es lediglich ein knappes Dutzend registrierter Fälle.

Gerade in der Region Stuttgart ist die Zahl der Erkrankungen stark angestiegen: Wie das Regierungspräsidium auf Anfrage mitteilte, wurden 2019 in den Stadt- und Landkreisen bereits 211 Fälle registriert (Stand: 15. Mai). Stuttgart gilt als Hantavirus-Epizentrum – nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele Fälle.

Doch wie wird der Hantavirus übertragen? Welche Symptome hat die Krankheit? Und wie kann man sich schützen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie wird der Hantavirus übertragen?

Anders als etwa bei einer Erkältung wird das Hantavirus nicht mit einem Niesen oder einem Husten tröpfchenweise von Mensch zu Mensch weitergegeben. Das Hantavirus braucht einen tierischen Wirt: die Rötelmaus. Einmal angesteckt, scheidet der Nager die Viren lebenslang über den Speichel oder den Kot aus. Menschen infizieren sich, indem sie den verunreinigten Staub einatmen – beim Auskehren von alten Schuppen beispielsweise oder wenn man durch den Wald streift, so wie der junge Patient bei seiner Joggingrunde.

Warum gibt es in diesem Jahr bereits so viele Erkrankungen?

Im vergangenen Jahr konnten sich die Rötelmäuse optimal vermehren: Die Buchen im Land trugen ordentlich Früchte – und sorgten so für ein optimales Nahrungsangebot für die Nager. Weil die Mäuse nicht sehr wanderlustig sind, sondern für gewöhnlich in der ­Region bleiben, in der sie ein großes ­Nahrungsangebot finden, können Experten eine relativ sichere Prognose abgeben: Gibt es ein Mastjahr, gibt es auch mehr Mäuse – und in den darauf folgenden ­Monaten auch mehr Hantaviren. Die schlechte Nachricht: Mit dem Klimawandel könnte es künftig häufiger solche Mastjahre geben.

Wie sind die Symptome?

Eine Hantavirus-Erkrankung beginnt oft wie eine Grippe: hohes Fieber, das mehr als drei Tage anhält, Kopfweh, Gliederschmerzen und Bauchweh. Hinzu kommen die typischen Rückenschmerzen. Schwere Fälle deuten sich mit Blut im Urin an.

Wann zum Arzt?

Wenn das Fieber nicht aufhört und Kopf und Rücken schmerzen, sollte man vorsichtshalber zum Hausarzt gehen. In manchen Fällen kann es gar zu Nierenfunktionsstörungen kommen. Dann kann sogar eine Blutwäsche erforderlich werden. Solche schweren Verläufe sind aber glücklicherweise nicht so häufig. In den meisten Fällen heilt die Viruserkrankung ohne Spätschäden aus.

Wie kann man einer Hantavirus-Erkrankung vorbeugen?

Gerade in und um Stuttgart sollte man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit Rötelmäuse sich nicht allzu wohl fühlen. „Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten wie Sperrmüll oder Altreifen im Garten sollten beseitigt werden, um Nager-Ansiedlungen zu vermeiden“, rät Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Putzt man in Garagen, Kellern oder Scheunen oder arbeitet im Garten (oder im Wald) sollte man eine Staubmaske tragen, um den Kontakt mit den trockenen Ausscheidungen der Nager zu vermeiden. Es hilft auch, den Boden vor der Arbeit nass zu spritzen, sodass der Staub sich setzt und nicht aufgewirbelt wird.

Wie gefährdet sind Kinder?

Besondere Vorkehrungen sind laut Landesgesundheitsamt nicht nötig, wenn Kinder im Garten oder im Wald spielen. Allerdings sollten Eltern darauf achten, dass die Kinder keine toten Mäuse anfassen. Haben sich im Gartenhäuschen oder der Garage Mäuse eingenistet, sollte man den Nachwuchs hier nicht spielen lassen. Unter den in diesem Jahr bislang registrierten Hantavirus-Fällen, die dem Landesgesundheitsamt übermittelt wurden, sind laut Matthias Kreuzinger von der Koordinierungsstelle des Regierungspräsidiums keine Kinder und Jugendlichen zwischen null und 14 Jahren.

Woher stammt eigentlich der Name?

Der Name Hanta geht auf den Fluss Hantan in Südkorea zurück, an dem in den 1950er-Jahren mehr als 3000 amerikanische Soldaten an einem ungewöhnlich starken Fieber mit häufigem Nierenversagen erkrankten.