Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff fragen sich viele Menschen, ob es einen Impfstoff gegen den Erreger gibt.
Für Hantavirus-Infektionen gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezifische antivirale Behandlung. Das gilt auch für das Andes-Hantavirus, das aktuell im Zusammenhang mit einem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius steht. Die Behandlung besteht vor allem aus unterstützender medizinischer Versorgung, etwa der Überwachung und Behandlung von Atem-, Herz- und Nierenkomplikationen.
Aktuelle Lage: Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldete am 12. Mai 2026 insgesamt elf Fälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius: neun bestätigte und zwei wahrscheinliche Fälle. Drei Menschen sind demnach gestorben. Das Schiff war am 10. Mai auf Teneriffa angekommen, die Ausschiffung und Rückführung der Passagiere wurde am 11. Mai abgeschlossen.
Nach Angaben des ECDC wurde das Virus als Andes-Hantavirus identifiziert. Diese Variante kommt vor allem in Südamerika vor und ist nach derzeitigem Wissensstand die einzige Hantavirus-Variante, bei der eine Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert ist. Sie gilt jedoch als selten und setzt in der Regel engen und längeren Kontakt voraus.
Gibt es eine Impfung gegen Hantaviren?
Nein. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es keinen zugelassenen spezifischen antiviralen Wirkstoff und keinen Impfstoff gegen Hantavirus-Infektionen. Auch das ECDC schreibt zum aktuellen Ausbruch, dass es keinen Impfstoff und keine gezielte Behandlung gegen die Infektion gibt.
Das bedeutet: Erkrankte können nicht ursächlich gegen das Virus behandelt werden. Entscheidend ist eine frühe medizinische Versorgung, insbesondere wenn sich schwere Verläufe entwickeln. Bei schweren Atemproblemen, Herz-Kreislauf-Beteiligung oder Nierenkomplikationen kann intensivmedizinische Behandlung notwendig werden.
Wie gefährlich sind Hantaviren?
Hantaviren sind eine Gruppe von Viren, die natürlicherweise bei Nagetieren vorkommen. Menschen infizieren sich meist durch Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Tiere, etwa wenn kontaminierter Staub eingeatmet wird. Auch Bisse sind möglich, aber seltener.
Die Erkrankung kann je nach Virusvariante unterschiedlich verlaufen. In Europa und Asien verursachen Hantaviren vor allem das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom, bei dem besonders Nieren und Blutgefäße betroffen sein können. In Nord-, Mittel- und Südamerika können Hantaviren das Hantavirus-kardiopulmonale Syndrom auslösen, eine schwere Erkrankung von Lunge und Herz.
Die WHO nennt für Asien und Europa eine Fallsterblichkeit von unter einem bis 15 Prozent. In Amerika kann sie bei bestimmten Verläufen deutlich höher liegen; beim kardiopulmonalen Syndrom werden Fallsterblichkeiten von bis zu 50 Prozent genannt.
Wie steckt man sich an?
Die wichtigste Infektionsquelle sind infizierte Nagetiere. Ein erhöhtes Risiko besteht etwa beim Reinigen schlecht belüfteter Räume, bei Kontakt mit Nagetierkot, in der Landwirtschaft, bei Forstarbeiten oder beim Aufenthalt in von Nagetieren befallenen Gebäuden.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach Angaben von WHO und ECDC bislang nur für das Andes-Hantavirus dokumentiert. Auch dort gilt sie als selten. Sie wurde vor allem bei engem und längerem Kontakt beobachtet, etwa innerhalb von Haushalten oder zwischen engen Kontaktpersonen.
Wie groß ist das Risiko für die Bevölkerung in Europa?
Das ECDC bewertet das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in Europa als sehr niedrig. Dafür nennt die Behörde zwei zentrale Gründe: Das Andes-Hantavirus verbreitet sich nicht leicht von Mensch zu Mensch, und die Nagetiere, die dieses Virus normalerweise übertragen, kommen in Europa nicht vor. Eine anhaltende Ausbreitung in der Bevölkerung gilt deshalb als unwahrscheinlich.
Welche Symptome sind möglich?
Die ersten Beschwerden treten laut WHO meist ein bis acht Wochen nach einer Ansteckung auf. Typisch sind zunächst unspezifische Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Bei schweren Verläufen können Husten, Atemnot, Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge, Kreislaufschock, Blutungsstörungen oder Nierenversagen hinzukommen.
Gerade weil die frühen Symptome auch zu anderen Erkrankungen passen können, ist die Vorgeschichte wichtig: mögliche Kontakte zu Nagetieren, Aufenthalte in Risikogebieten, berufliche Exposition oder Kontakt zu bekannten Fällen.