HAP Grieshabers Tochter Das Glas lässt ihn nicht mehr los

Von Sten Martenson, Nairobi 

Beharrlich hat sich Nani Croze lange Zeit gewehrt, Künstlerin zu werden. Die Erinnerung an das Elternhaus auf der Achalm verband sie mit dem Geruch von Terpentin und anderen Materialien des Holz bearbeitenden Vaters. Ein solches Umfeld, glaubte sie, könne sie nicht mehr aushalten. Aber schon in der Serengeti ließen die Abwehrkräfte nach. Sie begann zu malen. Und als sie in der Teeregion um Limuru erkannte, dass sich mit Bildern die Kinderbetreuung bezahlen ließ, war der Bann gebrochen. Zunächst illustriert sie eine Kinderzeitschrift und malt Ölbilder. „Ein Bild rutschte aber mal von der Wand, die Termiten hatten Holz und Stoff angefressen, das reichte mir dann.“

Ein Architekt, ungarischer Jude, sollte zum Wegweiser für Nani Crozes künftige Lebensspur werden. „Du musst Kirchenfenster malen“, schlug er vor. Es gibt in Kenia, das ganz überwiegend ein christliches Land ist, Kirchen wie Sand am Meer. Glas – das war es! Drei Wochen ging sie nach England, um sich Grundkenntnisse im Umgang mit dem zerbrechlichen Material anzueignen. Heute blickt sie versonnen zurück: „Wer einmal mit Glas angefangen hat, den lässt es nicht mehr los“, sagt sie.

In Kenia war Glas ein unbekannter Werkstoff. Nani Croze wurde gewarnt: Es gibt keinen Kenianer, der Glas blasen kann. Und jedermann wusste, wie teuer der Import war. Nani Croze schrieb Kirche auf Kirche an. Sie alle hatten noch nie etwas von bunten Glasfenstern gehört.

Ein rastloser Mensch

Das sollte sich ändern. Sie führte Betonglas ein, das unter Experten als Dalle de Verre bekannt ist. Was Nani Croze mit diesem Material künstlerisch möglich macht, kann man nicht nur im Nationalmuseum in Nairobi bestaunen, sondern auch in Kirchen und Krankenhäusern. Glasmosaike zieren Wände in Hotels, in UN-Gebäuden und auch im Goethe-Institut.

Altglas ist ein Rohstoff, der auch im Plastikzeitalter in Kenia genügend vorhanden ist. Es wird eingeschmolzen und nicht nur zu großen Kunstwerken verarbeitet. In der hauseigenen Galerie, aber auch in zwei Geschäften in Nairobi findet sich eine breite Produktpalette. Nani Crozes Hang zum Ungewöhnlichen ist unübersehbar. Die Trinkgläser weisen überraschende Formen auf. Die afrikanische Tierwelt prägt das eine oder andere Design. Wuchtige Metalltische, ausgelegt mit Glasmosaiken, sind im Angebot. In der Perlenwerkstatt entstehen verspielte Ketten, Vorhänge aus Glasperlen oder Windspiele. Lebensgroße Massai-Frauen in einer Glas-Zement-Metall-Kombination faszinierten auch den deutschen Politiker Klaus Töpfer, der lange Jahre den Vereinten Nationen in Nairobi diente. Er erwarb nicht nur eine der Figuren, sondern die Töpfers waren von Kitengela als Ganzes begeistert.

Nani Croze ist ein rastloser Mensch. Sie wird nie die Hände in den Schoß legen. „Mama“, wie sie von ihren rund 80 Angestellten genannt wird, ist überall auf dem 14 Hektar großen Anwesen präsent. Es gibt kaum einen Winkel, den sie nicht gestaltet hat. Fabelwesen beäugen einen überall auf dem Gelände. Mosaikbänder führen zu verschachtelten Werkstätten und einer Unzahl kleiner und größerer Häuser, die auch an Gäste vermietet werden. Yusuf, ein Nubier, hat mit einheimischen Materialien und mit Hilfe vieler Massai, die bei Nani in Lohn und Brot stehen, die Häuser gebaut: aus Lehm, Holz, Beton, gebündeltem Rohr und Glas. Besonders Türme liebt Nani: „Sie brauchen wenig Platz, und man hat einen schönen Blick.“ Nicht nur einer steht auf ihrem Grund. Auch in ihrer Ruheoase in Watamu am Indischen Ozean ist Nani Crozes „Eco-Tower“ ihr Erkennungszeichen.




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