In Stuttgart hat sein Märchen begonnen: Jetzt zieht Harald Glööckler als Spitzenverdiener ins Dschungelcamp und bekommt angeblich 200 000 Euro dafür. Kurz vor der RTL-Show sprach er mit uns über seine Pläne am Lagerfeuer.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Er ist das personifizierte Neuschwanstein: Harald Glööckler, der seine Karriere 1987 mit einem Jeansladen beim Tagblattturm in Stuttgart gestartet und sich über alle Widerstände hinweg immer weiter zur Kunstfigur erhoben hat, ist für RTL schon jetzt ein Hit: Kein anderer Kandidat oder keine andere Kandidatin des Dschungelcamps erzeugt vor dem Start der 15. Staffel eine so riesige Medienresonanz wie der Designer mit dem rabenschwarzen Bart, dem Permanent-Make-up und dem Geständnis, er habe sich nicht nur die Stirn mit Botox spritzen lassen, sondern auch die Schweißdrüsen der Achseln, um nicht zu schwitzen.

Die einen sagen, der Meister der Selbstvermarktung mache bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ mit, um vor einem Millionenpublikum für die bunte Vielfalt zu werben, für die Akzeptanz des Andersseins. Andere fragen, ob er das nötig habe, und meinen, es gehe um ein Millionengeschäft: Vom Dschungel aus könne der „King of Kitsch“, um den es ruhiger geworden war, seine Mode und vielfältigen Lizenzbeteiligungen (von Tapeten bis zu Thronsesseln) veredeln.

Die bunten Blätter sehen ihn als Favoriten

„Harald gewinnt die Krone für die Rainbow-Community, die stolz auf ihn ist“, sagt die Stuttgarter „Schwulen-Mutter“ Laura Halding-Hoppenheit. Und der Designer Tobias Siewert, der einst bei Pompöös gearbeitet hat, urteilt: „Harald ist eloquent, schlagfertig und wird sich für nichts zu schade sein, wir werden noch überrascht sein.“

Die hohen Erwartungen – auch die bunten Blätter sehen ihn als Favoriten – sind für ihn kein Stress, wie er unserer Zeitung aus der Quarantäne in Südafrika sagt, in die er sich begeben muss, um Corona auszuschließen (Lucas Cordalis, sein bisher schärfster Konkurrenz auf die Dschungelkrone, ist nach einer Virusinfektion ausgeschieden). „Ich ruhe in mir selbst und lass mich durch nichts irritieren“, erklärt der „Prinz of Pompöös“, der 1965 in Maulbronn geboren ist und von 1985 bis 2001 in Stuttgart lebte.

Von Freitag an sitzt er mit Kakerlaken und Ungeziefer am Lagerfeuer

Von Freitag an sitzt er mit Kakerlaken und Ungeziefer am Lagerfeuer. Wieso macht dies jemand freiwillig, der rote Teppiche gewohnt ist? Seine Antwort: „Mich reizt die Herausforderung, einen kompletten Reset zu machen, aus der Komfortzone herauszutreten, mitten in der Natur zu landen – ohne Zeitgefühl, ohne Handy, ich will alles beschränkt erleben. “

Wird der Tierschützer Zebra-Hoden essen, wenn es die Camp-Challenge verlangt? Glööckler sieht den Konflikt: „Einerseits sträubt sich vieles in mir, diese Dinge zu essen, andererseits will ich mich nicht hinter meiner Lebensart als Vegetarier verstecken und eine Sonderrolle einnehmen.“

Glööckler soll der Spitzenverdiener im Camp sein

Eine „Extrawurst“ gibt’s aber doch, was die Gage betrifft: Nach Schätzungen von Insidern ist Glööckler der Spitzenverdiener im Dschungel. Er soll 200 000 Euro fest bekommen. 100 000 Euro würde er beim Sieg dazu erhalten. Dagegen soll der Bodyguard Peter Althoff, ein weiterer Teilnehmer, dem Sender RTL nur 15 000 Euro wert sein.

Schon früh war Glööckler ein Kämpfer für Diversität, als man das Wort noch gar nicht kannte. Sieht er sich im Camp als Vorbild für alle, die anders sind? „Ich glaube, dass ich es sein werde, ob ich es will oder nicht“, sagt er, „dazu muss ich es nicht nach vorne tragen.“ Gewinnen will er „mit meiner liebevollen, herzlichen und höflichen Art“, betont der Designer. Diese Werte seien seit der Pandemie „noch rarer in unserer Gesellschaft geworden“, klagt er.

Ein Leben – maßgeschneidert fürs Trash-TV

Freundlichkeit hat der 56-Jährige nicht immer gespürt in seinem Achterbahn-Leben, das viel Märchenstoff bietet, wie maßgeschneidert für Trash-TV. Der Vater stieß die Mutter die Treppe runter, die daraufhin starb. Als der junge Harald den um 16 Jahre älteren Dieter Schroth kennenlernte, war dieser ein verheirateter Familienvater. Gemeinsam ging das Paar durch dick und dünn.

1994 haben die beiden das Neue Schoss gemietet, um mit barocker Mode große Welt in einer Stadt zu feiern, die als Spießerheimat galt. Die Geschäfte liefen mittelprächtig. Ein Mäzen sprang unglücklich verliebt ab. Auftanken konnte Glööckler im Kings Club und erinnert sich an durchtanzte Nächte. „Bei Schwulenwirtin Laura trafen sich ganz unterschiedliche Charaktere und lebten ihre Freiheit aus, die ihnen in der sogenannten normalen Gesellschaft nicht gewährt wurde“, sagt er uns aus Südafrika, „da kam es schon mal vor, dass einer komplett nackt durch die Gegend sprang.“

Von Stuttgart aus ging’s 2001 nach Berlin

Von Stuttgart aus ging’s 2001 nach Berlin. Mit Teleshopping und mit zwei ö ist er groß geworden und hat sich mit seinem Aussehen zur eigenen Marke gemacht, wie dies im Land zuvor nur Heino und Udo Lindenberg gelungen ist. Was sagt er, wenn man über seine Optik lacht? „Das ist mir egal“, antwortet Glööckler, „ich bin, wie ich bin. Wem es nicht passt, dem kann ich auch nicht helfen.“

Seine Besuche beim Beauty-Doc sollten bewirken, dass „nix verrutscht im Dschungel, alles am Platz bleibt“. Wenn die Gruppe am Lagerfeuer über das Leben nachdenke und welche Lehren man aus der Pandemie ziehen könne, sei er gern dabei: „Wir müssen das Beste aus unserem Leben machen und dürfen dabei die Tiere nicht vergessen.“

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