Harald Schmidts Gagschreiber Ein Langweiler mit Hang zu zotigen Gags

Von Ulrike Derndinger 

Markus Zimmer aus Nonnenweier bei Lahr ist Witzeschreiber - und neuerdings auch Butler in der Late-Night-Show von Harald Schmidt.

Der Badener Markus Zimmer hat seinen Traumberuf gefunden – er ist Stand-up-Comedy-Autor. Foto: Henning 2 Bilder
Der Badener Markus Zimmer hat seinen Traumberuf gefunden – er ist Stand-up-Comedy-Autor. Foto: Henning

Nonnenweier - Ein Badener aus der Ortenau macht dem in Neu-Ulm geborenen und in Nürtingen aufgewachsenen Entertainer Harald Franz Schmidt den Witzbold: Markus Zimmer aus Nonnenweier bei Lahr ist hauptverantwortlich für die kleinen Zoten und großen Gags des Showmasters, der vom Kabarett kommt und zwischen privatem und öffentlich-rechtlichem Fernsehen pendelt. Neuerdings ist die Schmidt'sche Late-Night-Show wieder bei Sat1 und der Witzeproduzent Zimmer darf aus dem Hintergrund sogar in das Rampenlicht treten - als Butler Markus.

Aufgewachsen ist Markus Zimmer (45) in Nonnenweier, einem Dorf im Ried zwischen Autobahn und Oberrhein. Der Vater war Handelsvertreter bei Henkel, die Mutter kaufmännische Angestellte. Markus Zimmer besuchte die Grundschule im Dorf, dann in der Kleinstadt Lahr das Scheffelgymnasium, nach dem Abi kam der Zivildienst. Nach vier Semestern Germanistik und Philosophie in Berlin und einem Kneipenjob in Freiburg nahm er eine Aushilfsstelle bei der Post an, die "ganz okay" war. Mit fast Ende zwanzig dachte er aber: "Das kann es nicht gewesen sein." Er erinnert sich an den Lateinlehrer, der ihn für eine satirische Übersetzung gelobt und gesagt hatte: "Sie könnten für ,Die Zeit' schreiben." Also begann er, Witze zum Tagesgeschehen an Harald Schmidt zu schicken, der - neben Hanns Dieter Hüsch und Dieter Hildebrandt - ein satirisches Idol seiner jungen Jahre war. Zimmer schickte täglich. Antworten kamen keine.

Der Zufall wollte es, dass ihm Harald Schmidt eines Tages über den Weg lief, Zimmer nahm allen Mut zusammen und fragte sein Idol, wie man als Stand-up-Comedy-Autor, so heißt der Beruf korrekt, einen Fuß in die Tür bekommen könnte. Offenbar nutzten die Tipps des Meisters, denn als Zimmer wieder Witze verschickte, kam Antwort, von Schmidt persönlich. Mitte 1998 könne er anfangen, aber wenn er es nicht bringe, "werden Sie gefeuert." So ist die Branche. Markus Zimmer hat sich längst durchgebissen, er ist mittlerweile als Witzeschmied bekannt und etabliert und nicht allein von Harald Schmidt abhängig. Als der Schwabe sich eine kreative Pause gönnte, heuerte Zimmer zeitweise bei der Ladykracherin Anke Engelke an.

Er versucht erst gar nicht, besonders lustig zu sein

Man muss schon was Knalliges liefern, um aufzufallen. Markus Zimmer weiß noch, dass sein erster Einzeilerwitz, den "der Harald" auch tatsächlich brachte, von Bill Clinton und Viagra handelte. Im Nacherzählen ist Markus Zimmer eher schlecht, er versucht erst gar nicht, besonders lustig zu sein. Der Mann mit den schmalen Schultern und der randlosen Brille ist eigentlich der Typ des selbstkritischen Grüblers. Fast entschuldigend bezeichnet sich der ledige und kinderlose selbstständige Autor als "Langweiler", der nur ungern ausgeht. Witzig sein, das müsse ja nur sein Chef.

Der Witzeschmied im Hintergrund ist "nur" verantwortlich dafür, dass Schmidt lustige Einwürfe in der Show parat hat. Zimmer koordiniert ein Dutzend Autoren, denen er morgens die tagesaktuellen Themen vorgibt. Die sichtet er, schreibt um, verfasst selbst, feilt bis zur letzten Minute. Finden die Gags beim Meister Gefallen, streut der sie als Salz in seine Talkshow-Suppe. Bezahlt wird Markus Zimmer nach einer Pauschale, nicht etwa nach Anzahl der Witze. Dass die oft auf Kosten anderer gehen, scheint ihn nicht zu stören. Er habe seinen Traumberuf gefunden, sagt er und scheint überrascht, dass er das tatsächlich geschafft hat.

Es war ihm mulmig, ins Rampenlicht zu treten

Was ist bei Zimmer ein guter Witz? Er bringt zwei Dinge zusammen, die nicht zusammengehören. Klingt einfach, sei aber an manchen Tagen eine aufreibende "Hirnerei", so Zimmer. Ein Beispiel: Schmidt sagt auf Englisch, er wolle einen "Coffee". Was klingt wie der Name des Friedensnobelpreisträgers Kofi Annan. Daraufhin bringt Zimmer in der Rolle als "Butler Markus" eine Pappfigur herein, die Kofi Annan zeigt. Das Publikum lacht. Der Witz hat funktioniert. Das war Zimmers erster Auftritt als Butler in diesem Spätsommer. Für die Rolle des "Butler Markus" musste sich Zimmer überwinden, es war ihm mulmig, ins Rampenlicht zu treten. "Ich sehe es als Mutprobe", meint er. Er wäre lieber im Hintergrund geblieben. Im Schlagabtausch mit dem Talkmaster will er auf keinen Fall alt aussehen. Angst vor dem Vorgeführtwerden darf er allerdings keine haben. Als er in einer "Dinner for One"-Nummer über einen ausgestopften Tiger stolpern musste, triezte Schmidt ihn, weil der Stolperer angeblich nicht locker genug aussah. Über Zimmers Herkunft kalauerte er: "Das ist unser Mitarbeiter Markus Zimmer, der aus der DDR geflohen ist. 2008." Der Badener Zimmer bemüht sich, locker mitzuspielen.

Viele seiner Gags gehen zwar unter die Gürtellinie, dabei ist er eigentlich ein schüchterner Mensch. Eitelkeiten und Attitüden, die das Showbiz mit sich bringt, findet man bei ihm nicht. Mit leiser Stimme spricht er über sein Leben. Davon, dass er fürchtete, beruflich bei Aushilfsjobs hängenzubleiben. Seinen Chef mag Zimmer. "Der Harald" frotzele gern und sei im Umgang freundlich. Beim Spaziergang durch seinen Heimatort Nonnenweier spricht ihn die Nachbarin an, sie hat ihn im Fernsehen gesehen. "Ihr braucht aber deswegen nicht extra bis spät aufbleiben" sagt er geradezu verlegen. Den Eltern sage er das auch immer. Doch die halten sich auch nicht daran.