Haribo-Chef Hans Riegel Mit 88 Jahren ist noch nicht Schluss

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Noch ist unklar, wer den Haribo-Chef Hans Riegel beerben wird, der das bekannte Unternehmen bereits seit 65 Jahren leitet.

Bonn - Am Donnerstag wird Hans Riegel 88 Jahre alt. Er leitet seit 65 Jahren eines der bekanntesten deutschen Unternehmen, den Bonner Süßwarenkonzern Haribo. Deshalb wird er schon mal als König der Gummibären bezeichnet. Von seinem Thron will er nicht heruntersteigen. Solange ihm die Arbeit Spaß mache und er gesund sei, werde er weiterarbeiten, sagt sein Sprecher. Beides sei der Fall. Es gebe keinen Plan, wann er aufhören wolle. Einen Nachfolger hat er noch nicht bestimmt. Wer nach ihm an der Spitze von Haribo stehen werde, das müssten die Gesellschafter später klären, hat er vor einiger Zeit im Interviews gesagt.

Inzwischen hat sich einiges geändert. Haribo wäre nicht mehr führungslos, wenn der Patriarch überraschend abtreten müsste. Mit Hilfe des Stuttgarter Wirtschaftsanwalts Mark Binz gelang es im vergangenen Jahr, einen lange schwelenden Streit zwischen den beiden Brüdern Hans und Paul beizulegen und eine neue Unternehmensstruktur zu bilden. Paul, der jüngere, hat das nicht mehr erlebt. Er starb 2009, kurz vor Vollendung des 83. Lebensjahres. Zwei seiner Kinder sind nun aber fest in die Führung des Konzerns eingebunden. Hans Guido Riegel, 46, wurde zum Geschäftsführer ernannt und steht nun formal gleichberechtigt mit seinem Onkel Hans an der Spitze des Unternehmens.

Der Neffe übernahm die Verantwortung für Produktion und Technik, die sein Vater Paul 60 Jahre lang verantwortet hatte. Der erfand eine Maschine zum Wickeln von Lakritzrollen. Der andere Neffe, Hans Arndt Riegel, 44, wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtrates bestellt. Er kontrolliert die neue Holding von Haribo. Diese Struktur werde gewährleisten, dass Haribo auch in Zukunft in der Hand der Familie Riegel bleibe, sagt ein Unternehmenssprecher.

Promotion über den Weltzuckermarkt

Im Tagesgeschäft hat immer noch der kinderlose Hans Riegel, der im Unternehmen der Doktor genannt wird, das letzte Wort. Er wurde mit einer Dissertation über den Weltzuckermarkt promoviert. Mit 23 Jahren kam er aus der Kriegsgefangenschaft zurück und übernahm den Betrieb des verstorbenen Vaters. Der hatte das von ihm gegründete Unternehmen nach sich und seiner Heimatstadt benannt (Hans Riegel Bonn) und den Kindern als Produkt einen Tanzbären aus Fruchtgummi hinterlassen. Daraus wurde später der weltweit erfolgreiche Goldbär. Vor einiger Zeit hatte es schon einmal so ausgesehen, als habe Hans Riegel seinen Nachfolger bestimmt. Der Einzige, dem er die Firma übergeben würde, wäre sein Patenkind Hans Jürgen Riegel, sagte er.

Das ist sein Neffe aus der ersten Ehe seines Bruders Paul. Ihn baute er zum Nachfolger auf, ließ ihn dann aber zu lange auf die Thronfolge warten. Zuletzt war er Chef des Frankreichgeschäfts von Haribo. 2006, mit 51 Jahren, war Hans Jürgen das Warten leid und schied aus der Firma aus, aus persönlichen Gründen, wie es damals hieß. Der alte Chef setzte seine Hoffnungen anschließend auf den Marketingchef Andreas Nickenig, 43, allerdings vergeblich. Nickenig wechselte im September als geschäftsführender Gesellschafter zum kleineren Konkurrenten Wawi-Schokolade in Pirmasens. Das Unternehmen stellt Nappo und Moritz Eiskonfekt her. Riegel habe ihm zu viel in seine Tätigkeiten hineingeredet, wird berichtet. Bei Haribo heißt es, er habe den Wechsel selbst gewünscht und scheide nicht im Unfrieden aus. Haribo sucht nun einen neuen Vertriebschef.

Als neueste Entwicklung wurde das Führungsteam des Fruchtgummi- und Lakritzunternehmens verstärkt. Die Geschäftsführer Hans und Hans Guido haben Stellvertreter zur Seite bekommen. Michael Phiesel, 40, der bisher für das Controlling verantwortlich war, und Arndt Rüsges, 43, der Leiter des Solinger Haribo-Werks, wurden in die Geschäftsleitung befördert. Phiesel soll den Patriarchen vertreten. Er rückt aber nicht automatisch an seine Stelle, wenn Hans Riegel nicht mehr da ist. Darüber müsse dann der Aufsichtsrat entscheiden, sagt der Sprecher. Mit der Verstärkung wird nicht der Rückzug des Alten vorbereitet. Hans Riegel sei zur Stelle, wenn er gebraucht werde. Es sei auch nicht vorgesehen, dass er in den Aufsichtsrat wechseln werde. Trotz seines Alters erneuert er jährlich seinen Pilotenschein und fliegt mit dem Firmenhubschrauber von einem Werk zum anderen, allerdings immer in Begleitung eines zweiten Piloten. Und zwischendurch nimmt er sich immer noch die Zeit, seinem Hobby zu frönen, der Jagd auf Wildschweine in seiner Wahlheimat Österreich.

 

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