„Hart aber fair“ „Keine attraktivere Staatsbürgerschaft als die deutsche“

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Jens Spahn ist nicht als Staatssekretär beim Bundesfinanzminister eingeladen, sondern als einer der CDU-Abgeordneten, die auf Distanz zu allen Türken gehen. Zudem hat er offenbar vor, Wolfgang Bosbach als Talkshow-König seiner Partei abzulösen. Spahn ist – anders als der Bundesinnenminister – für die Abschaffung des „Doppelpasses“, weil er die türkischen Mitbürger in einem Loyalitätskonflikt sieht. Und „es gibt keine attraktivere Staatsbürgerschaft als die deutsche“, jubiliert der CDU-Politiker. Das wird selbst der zurückhaltenden Malu Dreyer zu viel: „Sie erfinden die gespaltene Loyalität“, kontert sie. Es gebe keinen wissenschaftlichen Hinweis dafür, dass der Doppelpass die Integration behindere – was ein Widerspruch zur der zuvor geäußerten Ansicht ist, dass junge Türken sich hier als „Bürger zweiter Klasse“ fühlten und Erdogan deswegen so sehr mögen.

Wilma Elles gibt zum Besten, dass sie sich erst mit dem türkischen Pass in der Türkei integriert fühle. Erst jetzt habe sie Möbel gekauft und sei sesshaft geworden in Istanbul – habe aber auch schon dreimal den Bundespräsidenten Joachim Gauck getroffen. Auch Mustafa Yeneroglu lebt mit doppelter Staatsbürgerschaft derzeit in der Türkei, möchte aber sich auch mal wieder in Köln heimisch fühlen, wenn ihm danach ist. Die Türkei als Mutterland und Deutschland als Vaterland zu bezeichnen, damit hat er kein Problem.

Das Volk zeigt sich populistisch

Weil weder Spahn noch Dreyer noch der Journalist Christoph Schwennicke allzu heftige Kritik an Erdogan üben wollen und auch der 27-jährige Medizinstudent Emre Yavuz differenziert argumentiert („Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man loyaler ist, wenn man gezwungen wird, eine Staatsbürgerschaft abzugeben“), kommen die populistischen Töne vom Volk selbst. Zuschauer-Sprecherin Brigitte Büscher trägt fast ausschließlich anti-türkische Stimmen vor, weil diese in den ersten Reaktionen auf Facebook offenbar deutlich überwiegen. Wie das zur These Yeneroglus von einer einseitigen Medienlandschaft passt, lässt sich danach nicht mehr klären. Aber es werden noch etliche Talksendungen mit Erdogan gefüllt werden – der türkische Konflikt ist längst auch ein deutscher geworden.




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