Norbert Haug (l.) und der Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer (r.) in Böblingen Foto: Stefanie Schlecht
Der Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer und Ex-Mercedes-Motorsportler Norbert Haug traten für die FDP in Böblingen auf. Ihr Wunsch: Die Formel 1 zurück nach Baden-Württemberg holen.
Das Ambiente passte: In der Legendenhalle der Motorworld in Böblingen diskutierte die FDP-Landtagsfraktion am Freitagabend vor rund 200 Zuschauern über eine mögliche Rückkehr der Formel 1 nach Hockenheim. Könnte die Königsklasse des Motorsports wieder nach Baden-Württemberg zurückkehren, dem Geburtsland des Automobils, das in diesen Tagen seinen 140. Geburtstag feiert? Dafür spannten die Liberalen am Freitag den ehemaligen Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und den langjährigen Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer vor den gelben Wagen.
Erst im Dezember hatte das baden-württembergische Wirtschaftsministerium eine finanzielle Unterstützung des Landes für ein Formel-1-Comeback am Hockenheimring abgelehnt. Der Grund: Seit 2024 ist die Rennstrecke zu knapp 75 Prozent in der Hand der privaten Emodrom Group. Zu der Investorengruppe gehören unter anderem die Motorworld Gruppe, die Timbra Gruppe, die Familie Assenheimer und die Paravan GmbH. Sie wollen den Hockenheimring wieder fit für die Formel 1 machen – was laut Branchenberichten rund 250 Millionen Euro Invest bedeutet.
Grand Prix als Wirtschaftsfaktor
Norbert Haug, der selbst dutzende Male am Hockenheimring in der Boxengasse saß, sieht in der Rennserie vor allem einen Wirtschaftsfaktor. „Die Formel 1 ist ein Animationsinstrument für Autoverkäufe, so gesehen war ich ein Autoverkäufer.“ Unter ihm kehrte Mercedes zusammen mit McLaren Racing in den 90er-Jahren in die Formel 1 zurück. Er dämpfte zugleich allzu schnelle Erwartungen an ein Comeback. „Einen Grand Prix schüttelt man nicht aus dem Ärmel.“
Vor allem die von der Rennserie verlangte Antrittsgage von über 30 Millionen Euro brach den vormaligen Veranstaltern in der Kurpfalz das wirtschaftliche Genick. Dennoch zeigte sich Haug mit Blick auf die glorreiche Vergangenheit und die zahlreichen deutschen Erfolge optimistisch: „Wir haben es schon mal hingekriegt, wir können es wieder hinkriegen.“ Nur: Ohne finanzielle Hilfestellung der Politik sei das kaum zu stemmen, sagen Insider.
Bernd Mayländer Foto: Stefanie Schlecht
Bernd Mayländer, der die Formel-1-Strecken der Welt als langjähriger Safety-Car-Fahrer aus nächster Nähe kennt, untermauerte das enorme wirtschaftliche Potenzial eines Grand Prix: „Ein Geschäftsmodell ist es definitiv“, sagte er und verwies auf Länder wie Portugal, die sich bis 2028 als Gastgeber etabliert haben und touristisch enorm von den Rennen profitierten. „Hockenheim könnte an einem Rennwochenende an die 250 000 Zuschauer zählen.“ Die zig Millionen an den TV- und Streaming-Schirmen kämen hinzu.
Haug hob außerdem den Aspekt der technologischen Innovation hervor: „Die Formel 1 ist nicht nur Sport, sie steht auch für Entwicklung. Wenn wir der Welt zeigen wollen, was ein kleiner Motor leisten kann, dann ist das die richtige Bühne.“ Kein Freund sei er davon, nur dem Elektromotor das Wort zu reden: „Ein Formel-1-Motor ist heute schon zur Hälfte ein Elektromotor und hat einen spezifischen Verbrauch, der jedem Motor auf der Straße weit überlegen ist. Das ist Hightech.“
Kraftstoff aus erneuerbaren Energien
Der Kraftstoff in der Königsklasse sei außerdem zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen. Ein Argument für die seit Jahren von den Liberalen geforderte Offenheit gegenüber sogenannten E-Fuels – synthetischen Kraftstoffen, die aber derzeit noch nicht marktfähig sind, weil zu teuer. Hans-Ulrich Rülke, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag, sieht in der Formel 1 „eine Investition, die Nutzen stiftet.“ Sollten die Liberalen nach der Wahl am 8. März mit in der Regierung sitzen, müsse der Grand Prix im Koalitionsvertrag stehen, sagte er.
Das Thema zog an die 200 PS-Freunde in die Legendenhalle. Foto: Stefanie Schlecht
Norbert Haug sprach ihm sicher aus der Seele, als er mit Blick auf die Grüne Landesregierung die „Auto-Verteufelung im Land“ geißelte. Er erinnerte an die beeindruckende Bilanz deutscher Teams und Fahrer: „Mehr als die Hälfte aller gewonnenen WM-Titel seit 1994 gingen nach Deutschland.“ Er appellierte an die führenden Automobilhersteller: „Ich muss da ausdrücklich die Firmen Audi und Mercedes in die Pflicht nehmen.“
Diese sollten das Vorhaben zwar nicht finanzieren. Aber ihm doch wohlwollend eine Lobby geben, so Haug. Die Ingolstädter präsentierten jüngst ihren Boliden, mit dem sie von diesem Jahr an als Konstrukteur und Motorenhersteller in die Rennserie zurückkehren.
Bernd Mayländer, der die Anforderungen der Königsklasse genau kennt, skizzierte die notwendigen Anpassungen in Hockenheim: „Im Bereich Sicherheit und der Auslaufzonen muss einiges passieren, außerdem beim Asphalt, der Boxengasse und den Gebäuden.“
Ziehen am gleichen Formel-1-Strang: Haug, Mayländer und Rülke (v.l.) Foto: Stefanie Schlecht
An einer Rückkehr hätte der 54-jährige Rennfahrer zudem ein persönliches Interesse: Als gebürtiger Remstäler könnte er nach dem Rennwochenende „endlich wieder mal als Heimschläfer agieren“, wie Norbert Haug scherzte. Damit das klappt, muss sich der Hockenheimring allerdings ins Zeug legen: Mayländer sagte lediglich zu, noch bis 2030 das Safety-Car zu pilotieren. Ob bis dahin wieder die Formel-1-Motoren in Hockenheim röhren, ist ungewiss.