Hauptbahnhof Stuttgart Baustellen-Buddys sollen den Weg weisen
Teile des Ticketverkaufs am Stuttgarter Hauptbahnhof ziehen in den nächsten Tagen in das LBBW-Gebäude. Anfang 2020 sollen dann die Umbauarbeiten im Bonatzbau beginnen.
Teile des Ticketverkaufs am Stuttgarter Hauptbahnhof ziehen in den nächsten Tagen in das LBBW-Gebäude. Anfang 2020 sollen dann die Umbauarbeiten im Bonatzbau beginnen.
Stuttgart - Die Deutsche Bahn setzt auf die Weisheit des Fernen Ostens. Mit dem Konfuzius-Sinnspruch „Wenn Du die Absicht hast, Dich zu erneuern, tu es jeden Tag“, wirbt sie auf einem Banner, das in der Querbahnsteighalle des Bonatz-Baus hängt, für ihre Absicht, das denkmalgeschützte Gebäude zu erneuern. Das gut 250 Millionen Euro teure Vorhaben wird in den kommenden Tagen die ersten spürbaren Auswirkungen auf die bis zu 130 000 Passanten haben, die täglich im Bahnhofsgebäude unterwegs sind.
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Von Sonntag an verkaufen die Bahnunternehmen Abellio und Go-Ahead, die vom selben Tag an Teile des Regionalverkehrs rund um Stuttgart fahren, ihre Tickets in einer ehemaligen Schalterhalle im Erdgeschoss des LBBW-Gebäudes. Der Fahrkartenverkauf der Deutschen Bahn folgt im September. Für Michael Groh, der für die DB die Bahnhöfe im Südwesten verantwortet, ist der neue Standort ideal. „Die Wege zwischen Gleisen und Serviceeinrichtungen werden deutlich kürzer.“ Auch an die Belange mobilitätseingeschränkter Menschen sei dabei gedacht. „Wir stimmen uns mit dem Dachverband integratives Planen und Bauen ab“, sagt Groh. Dahinter verbirgt sich ein Stuttgarter Verein, der auf Barrierefreiheit im privaten wie im öffentlichen Raum achtet.
Erste-Klasse-Fahrgäste und solche, die am Bonusprogramm der Bahn teilnehmen, finden ihren abgetrennten Wartebereich, die sogenannte DB-Lounge, künftig ebenfalls im LBBW-Gebäude. Neben Ruhezonen gibt es dort auch kleine Arbeitsbereiche. Die bisherige Lounge und auch alle anderen Nutzer müssen wegen der Entkernung des historischen Bonatz-Gebäudes nach und nach ausziehen. Für sie hat die DB ein Interimskonzept entwickelt, das sich in die Bereiche „Reisen“, „Service“ und „Warten“ aufteilt. Für die beiden letztgenannten müssen Interimsbauten errichtet werden. Die unter „Service“ zusammengefassten Info-Schalter von DB und VVS sowie einige Geschäfte ziehen im September in Container bei Gleis 1. Erst Anfang 2020 soll die neue Wartehalle auf dem Parkplatz vor dem Nordausgang in Betrieb gehen.
Die Fertigstellung des 1000 Quadratmeter großen Wartebereichs ist Voraussetzung dafür, dass im Bonatz-Bau mit den großflächigen Arbeiten begonnen werden kann. Wer diese ausführt, ist bis jetzt unklar. Die Ausschreibung des Auftrages erfolge noch, so Groh. Vorab hätten sieben Firmen ihr Interesse bekundet. Die Bauunternehmen werden sich am Fuß des Bahnhofsturms einrichten und von dort aus auch den Umbau angehen. Obwohl vom Bonatz-Bau während der Arbeiten nicht sehr viel mehr übrig ist als die Hülle, sollen die Wege der Reisenden von den Zügen in die Stadt und zur S- und Stadtbahn immer durch das Gebäude führen. Damit sich die Passanten nicht verlaufen, setzt die DB auf Helfer, denen sie den Namen „Baustellen-Buddys“ (engl. Kumpel) verpasst hat. Neben diesen Wegweisern aus Fleisch und Blut soll vor allem Technik zum Einsatz kommen, damit Reisende nicht im Baustellenwirrwarr stranden. Groh spricht von digitalen Anzeigetafeln und Bändern am Boden, die bei der Orientierung helfen sollen. Wer sich bei einem Whatsapp-Newsletter anmeldet, bekommt die Informationen direkt aufs Smartphone. Zudem ist die Internetseite www.der-neue.de eingerichtet.
Vier Jahre Bauzeit veranschlagt die Deutsche Bahn für das Bahnhofsgebäude. Demnach würde der neue Bonatz-Bau Anfang 2024 fertig, knapp zwei Jahre ehe Stuttgart 21 in Betrieb gehen soll. Groh zeigt sich zuversichtlich. „Alles andere wäre ein Desaster.“ Optimismus versprüht ein Spruch von Albert Einstein, der über dem Mittelausgang prangt: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“