Hauptbahnhof in Stuttgart Die Gewaltdelikte häufen sich

Von Wolf-Dieter Obst 

Der Hauptbahnhof in Stuttgart ist Dreh- und Angelpunkt – allerdings nicht nur für Reisende, sondern auch für Rabauken. Derzeit häufen sich die Auseinandersetzungen. Liegt es am Sommer?

Kein Zutritt für Rabauken? Am Hauptbahnhof häufen sich derzeit die Delikte – diese Absperrung galt indes einer herrenlosen Tasche. Foto: SDMG
Kein Zutritt für Rabauken? Am Hauptbahnhof häufen sich derzeit die Delikte – diese Absperrung galt indes einer herrenlosen Tasche. Foto: SDMG

Stuttgart - Was ist gerade los am Stuttgarter Hauptbahnhof? Kaum ein Tag, an dem die Bundespolizei nicht wegen eines Gewaltdelikts eingreifen muss. Wie die Bundespolizei am Montag mitteilte, gab es am Wochenende erneut Zwischenfälle mit Rabauken.

So gerieten zwei Gruppen junger Männer in einem Schnellrestaurant im Bahnhofsgebäude aneinander – dabei wurden Essen und ein Glas als Wurfgeschosse missbraucht. Der Vorfall spielte sich am Sonntag gegen 6.30 Uhr im Bereich der Marktstation ab. Der Streit soll von einem 24-Jährigen ausgelöst worden sein, der mit Essen in Richtung der anderen Gruppe geworfen haben soll. Die andere Gruppe ging zum Angriff über: Ein Unbekannter verpasste dem 24-Jährigen einen Faustschlag, außerdem flog ein Glas in seine Richtung, das ihn jedoch verfehlte. Die Gruppe flüchtete anschließend.

Tags zuvor hatte es die Bundespolizei mit einem 30-jährigen Randalierer zu tun bekommen. Der Mann war in einem Intercity aus Mannheim als Schwarzfahrer erwischt worden, hatte außerdem mehrere Reisende belästigt. Im Hauptbahnhof sollte der Mann zum Revier gebracht werden, doch er leistete massiven Widerstand. Die Beamten erlitten Kratzspuren und leichte Rötungen an den Armen. Der 30-Jährige war offenbar stark alkoholisiert und musste bis 22 Uhr ausgenüchtert werden. Er wurde wegen Schwarzfahrens und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt.

Mit Gürtel und Glasflasche als Waffe

Die vergangenen Tage im Hauptbahnhof waren wiederholt mit Vorfällen dieser Art gespickt. So griff ein 16-Jähriger einen Lokführer an, Stunden vorher schlugen zwei junge Männer mit einem Gürtel auf einen 38-Jährigen ein. In der S-Bahn-Ebene wurden zwei Frauen von einem 38-Jährigen belästigt. Zwei jugendliche Gruppen gingen aufeinander los, wobei eine Glasflasche als Waffe eingesetzt wurde. In der Haupthalle wurde ein 25-Jähriger gefasst, der eine 43-jährige Frau sexuell bedrängt hatte. Bei weiteren Fällen im Juli schubste ein 25-Jähriger seinen Widersacher sogar aufs Gleis – zum Glück fuhr kein Zug ein.

Bundespolizei-Sprecher Daniel Kroh erklärt die Häufung der Vorfälle mit den sommerlichen Bedingungen: „Es ist schönes Wetter, die Stadt ist voll, es gibt einen stärkeren Publikumsverkehr“, sagt er. Die Stadtbummler blieben vor allem Wochenende länger – „das Bedürfnis nach Hause zu fahren, ist nicht so groß“, so Kroh. Der Bahnhof sei Dreh- und Angelpunkt – und die Wahrscheinlichkeit, dass morgens aggressive Gruppen aufeinander stoßen, relativ hoch. So müsste es auch Zeugen geben: Hinweise über Telefon 07 11 / 87 03 50.

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