Hauptversammlung Aktionäre rechnen mit Deutscher Bank ab

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Vor allem die hohen Boni für Vorstände und Investmentbanker stoßen den Anteilseignern bitter auf. Hinzu kommen die Geldwäsche-Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Bank. Der Aktienkurs fällt auf ein Allzeittief.

Vorstandschef Sewing versucht, die Aktionäre zu besänftigen. Foto: dpa
Vorstandschef Sewing versucht, die Aktionäre zu besänftigen. Foto: dpa

Frankfurt - Zugleich mit dem Aktienkurs der Deutschen Bank hat auch die Stimmung ihrer Anteilseigner einen Tiefpunkt erreicht. Die Talfahrt an den Aktienmärkten gleiche einem „Horrorfilm mit Überlänge“, schimpfte Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka Investment am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Geldhauses in Frankfurt. Auf 6,35 Euro war der Kurs am Morgen gefallen, ein Allzeittief. „Damit ist eigentlich schon alles gesagt“, kommentierte Alexandra Annecke von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken.

Besonders bitter stieß den Aktionären auf, dass sie das zweite Jahr in Folge mit einer Dividende von elf Cent abgespeist werden – während der Vorstand Millionen-Boni kassierte. Vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung wollte die Bank rund 230 Millionen Euro an ihre Anteilseigner ausschütten. Das entspreche gerade einmal zwölf Prozent des Bonustopfs von 1,9 Milliarden Euro für die Bankbeschäftigten, rechnete Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor. „Das krasse Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden muss bei der Deutschen Bank endlich ins Lot gebracht werden“, forderte Fondsmanagerin Annecke.

Entlastung – aber mit schlechter Wahlbeteiligung und schlechten Quoten

Forderungen verschiedener Aktionärsvertreter, dem für die Vergütung zuständigen Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern, fanden aber keine Mehrheit. Mit gut 70 Prozent lag die Zustimmungsquote für die Kontrolleure allerdings deutlich unter den Vorjahresergebnissen von 84 Prozent, Bankchef Christian Sewing und die meisten seiner Vorstandskollegen wurden mit rund 75 Prozent der abgegebenen Stimmen entlastet, bei einer Wahlbeteiligung von insgesamt nur 34 Prozent des Grundkapitals.

Ein deutlich schlechteres Ergebnis als ihre Kollegen fuhren die Vorstandsmitglieder Garth Ritchie und Sylvie Matherat ein: Für ihre Entlastung stimmten nur 61 Prozent. Ritchie leitet das Investmentbanking, das in den zurückliegenden zwei Quartalen Verluste einfuhr. Der für Regulierungsfragen zuständigen Französin Matherat hatten einige Aktionärsvertreter vorgeworfen, sie habe nicht genug für die Verbesserung der Geldwäschekontrollen der Deutschen Bank unternommen.

Vorwürfe wegen mangelnder Geldwäschebekämpfung

Die „New York Times“ hatte vor wenigen Tagen berichtet, Bankmitarbeiter in den USA seien von ihren Vorgesetzten daran gehindert worden, den Behörden Geldwäsche-Verdachtsmeldungen anlässlich von Geschäften einer mittlerweile aufgelösten Stiftung von US-Präsident Donald Trump zu schicken. „Die Entscheidung über die Abgabe von Geldwäscheanzeigen wird allein von Verantwortlichen für Prävention von Geldwäsche getroffen“, sagte dazu der für Rechtsfragen zuständige Vorstand Karl von Rohr.

Über eine Geldwäscherazzia in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank Ende November sagte Bankchef Sewing: „Wir haben auch Monate später keine Belege für die Vorwürfe, die gegen uns und unsere Mitarbeiter erhoben wurden.“ Im Gefolge der Razzia bei der Bank waren vergangene Woche Wohnungen vermögender Privatkunden durchsucht worden, denen die Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung vorwirft. Sewing erklärte, die Bank habe Unterlagen der verdächtigen Kunden an die Behörden übergeben.

Sewing gibt sich zerknirscht

Mit Blick auf den Aktienkurs warb Sewing um Geduld: „Niemand ist enttäuschter als ich selbst darüber, wie wir an der Börse abschneiden“, sagte er. „Aber auch diese Enttäuschung ist mein Antrieb. Ich werde nicht nachlassen und alle Kräfte einsetzen, unseren Aktienkurs nach oben zu bringen.“

Dafür sei man „zu harten Einschnitten bereit“, erklärte Sewing. Wo genau diese erfolgen sollen, sagte er nicht. Er betonte allerdings, die Bank müsse sich verstärkt auf Geschäfte mit „verlässlichen, wiederkehrenden Erträgen“ konzentrieren. Das deutet darauf hin, dass Sewing Einsparpotenziale vor allem im schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft, dem Investmentbanking, sieht.