Hauptversammlung bei Heckler & Koch Der neue Eigner in Oberndorf schafft Fakten

Von Cornelius Eyckeler 

Beim Waffenhersteller Heckler & Koch hat mit der Finanzholding CDE ein neuer Großaktionär die Macht übernommen. Die Aktionäre machen auf der Hauptversammlung Beschlüsse des langjährigen Mehrheitsaktionärs Heeschen rückgängig.

Bei dem  Unternehmen Heckler & Koch wurden bei der Hauptversammlung einige Weichen neu gestellt. Foto: dpa/Wolf von Dewitz
Bei dem Unternehmen Heckler & Koch wurden bei der Hauptversammlung einige Weichen neu gestellt. Foto: dpa/Wolf von Dewitz

Oberndorf - Keine Wortgefechte, keine hitzigen Debatten unter den Aktionären: Die Hauptversammlung des schwäbischen Waffenherstellers Heckler & Koch (HK) läuft außergewöhnlich ruhig ab. Das liegt vor allem daran, dass Corona-bedingt gar keine Aktionäre zum Stammsitz nach Oberndorf (Kreis Rottweil) geladen sind und diese das Treffen lediglich via Livestream im Internet verfolgen dürfen. Zum anderen liegt das Konfliktpotenzial diesmal lange nicht mehr so hoch wie noch bei der Versammlung Ende 2019, bei der die Luxemburger Finanzholding CDE und ihr Chef, der Franzose Nicolas Walewski, die Aktienmehrheit anstrebten.

Diese angestrebte Übernahme wird mit der Hauptversammlung in Oberndorf nun offiziell. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten hat somit nicht mehr der deutsche Investor Andreas Heeschen das Sagen, sondern die CDE. Sie übernahm Mitte Juli rund 60 Prozent der HK-Anteile. Den Aktionärstreff am Donnerstag nützt die CDE auch gleich, um Entscheidungen aus der Heeschen-Zeit rückgängig zu machen.

Harald Kujat fiel dem Machtkampf zum Opfer

Die Aktionäre des Waffenherstellers entscheiden, den Beschluss aufzuheben und die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder von drei auf vier zu erhöhen. In diesem Zuge schieben die Aktionäre auch dem Beschluss, Heeschen zum Mitglied des Aufsichtsrats zu bestimmen, einen Riegel vor. Heeschen hatte sich gegen die Übernahme gesträubt, konnte sie aber nicht verhindern. Diesem Machtkampf zum Opfer fiel der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat, der vor einem Jahr auf Vorschlag Heeschens in den Aufsichtsrat gekommen und an dessen Spitze gerückt war. Kujat und sein bisheriger Stellvertreter Martin Sorg legen mit Ende der Versammlung ihre Ämter nieder.

Schlechte Nachrichten für die einen bedeuten bekanntlich gute für jemand anderen: Der Belgier Nicolaus Bocklandt, der das Vertrauen von Walewski besitzt, wird von den Eignern wieder in den Aufsichtsrat der HK AG gewählt. Bocklandt stehe dem Unternehmen seit 2015 mit seiner umfangreichen Expertise als Aufsichtsratsmitglied zur Seite, teilt das Unternehmen mit.

Der Vorstandsvorsitzende von Heckler & Koch ist sehr zufrieden

Weitere Aufsichtsratsmitglieder werden nicht gewählt. Daher werde der Vorstand der HK AG zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder gerichtlich bestellen lassen, heißt es weiter. „Die Situation unseres Unternehmens erfordert einen Aufsichtsrat, der den notwendigen weiteren Veränderungsprozess überzeugend begleiten kann“, wird Jens Bodo Koch, Vorstandsvorsitzender der Heckler & Koch AG zitiert.

Mit der gegenwärtigen Situation des Waffenherstellers ist Koch sehr zufrieden. Die CDE sei für Vorstand und Belegschaft „Rückenwind auf dem Weg der weiteren Gesundung unseres Unternehmens“, sagt Koch. Er wagt auch die vorsichtige Prognose, den Umsatz bis zum Jahresende von knapp 140 Millionen Euro im ersten Halbjahr auf bis zu 250 Millionen steigern zu können – unter der Voraussetzung, dass keine zweite Corona-Infektionswelle über die Geschäfte hereinbricht.

Doch scheint es nicht das Coronavirus zu sein, das die Aktionäre beschäftigt. Ein Großteil der eingereichten Fragen, denen sich der Vorstand bei der virtuellen Hauptversammlung stellt, bezieht sich auf die Umsetzung der Grüne-Länder-Strategie, wonach das Unternehmen seine Produkte nur noch an freiheitlich-demokratisch ausgerichtete Staaten liefert, und an Länder, die nach den Vorgaben der Bundesregierung von besonderer außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für Deutschland sind. Kritisch sehen Aktionäre besonders die Exporte nach Frankreich, aufgrund der unter dem französischen Heer agierenden Fremdenlegion. Für den HK-Vorstand kein Dilemma: Dieser verweist auf den Export an ein Hauptdepot der Streitkräfte in Frankreich. Über die dortige Verteilung der Waffen habe man keine Informationen, betont Koch.

Für den Vorstand zählt nun vor allem, das Unternehmen erfolgreich für die Zukunft aufzustellen. Mit Nachhaltigkeitskonzepten, dem Vorantreiben von Innovationen, Modernisierungs- und Ausbauprojekten sowie einer komplett neuen Produktpalette für diverse Spezialeinheiten sehen sich die Verantwortlichen gut gerüstet. Dazu sei zu hoffen, so die Ansage, dass nun wieder Ruhe einkehrt in das Oberndorfer Unternehmen.

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