Hauptversammlung bei Lufthansa Zustimmung mit Zähneknirschen

Die Lufthansa hat gute Chancen, nach der Krise gestärkt in den neuen Wettbewerb zu starten. Foto: dpa//Boris Roessler

Der große Protest gegen die Kapitalerhöhung der Lufthansa ist ausgeblieben. Die Aktionäre haben derzeit kaum eine andere Wahl als dem Management zu vertrauen, meint Redakteur Klaus-Dieter Oehler.

Frankfurt - Der große Protest auf der Lufthansa-Hauptversammlung blieb aus – er ist bei rein virtuellen Veranstaltungen auch kaum deutlich zu machen. Daher hatten schon im Vorfeld des Aktionärstreffens einige Vertreter der Anteilseigner betont, dass sie vom Krisenkurs des Lufthansa-Vorstands nicht völlig überzeugt sind. Sie hatten aber keine wirkliche Alternative aufgezeigt, und daher fiel es Konzernchef Carsten Spohr auch nicht sonderlich schwer, die Kritik zu entkräften.

 

Der Umbau der Lufthansa habe schon vor der Krise begonnen, erinnerte er, er werde jetzt nur beschleunigt. Manche Frage war zudem durch die Beschlüsse des Aufsichtsrats vom Montag schon beantwortet – was daran liegt, dass Fragen vor der Versammlung eingereicht werden mussten. Viel Zeit nahm daher das Frage-Antwort-Spiel über verspätete Rückzahlungen nach Stornierungen ein, die Möglichkeiten für die Beibehaltung des Vielfliegerstatus oder die unterschiedlichen Anforderungen an Tests oder Maskenpflichten.

Die Lufthansa kommt vergleichsweise gut durch die Krise

Mehr und mehr wurde aber deutlich, dass die Anteilseigner ihrem Management im Großen und Ganzen vertrauen. Es bleibt ihnen auch kaum eine Wahl. Mehrfach hat Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley betont, dass der Einbruch bei Passagierzahlen und Umsatz, der verschärfte Sparkurs und die nachhaltige Verkleinerung des Unternehmens kein Managementverschulden, sondern ausschließlich auf die Coronapandemie zurückzuführen sind.

Und hier muss man der Lufthansa bescheinigen, dass sie vergleichsweise gut durch die Krise kommt, dass sie gute Chancen hat, nach Corona sogar gestärkt in den neuen Wettbewerb zu starten.

Die Lufthansa will kein Dauersanierungsfall werden

Das wird sich letztlich auch für die Aktionäre auszahlen, die jetzt zum Teil zähneknirschend der geplanten Kapitalerhöhung ihre Zustimmung gegeben haben. Der Blick auf den Wettbewerb zeigt, dass keine Fluggesellschaft den erzwungenen Rückschlag problemlos wegstecken kann. Durch die Möglichkeit, die staatlichen Fesseln möglichst bald abstreifen zu können, will die Lufthansa sicher machen, dass sie kein Dauersanierungsfall wird. Das ist ein hoffnungsvoller Ansatz – er muss nur noch gelingen.

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