Vorstandschef Daum verspricht den Aktionären auf der ersten Hauptversammlung von Daimler Truck hohe Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Im nächsten Jahr will der Börsenneuling auch eine Dividende zahlen.

Wirtschaft: Harry Pretzlaff (hap)

Martin Daum zeigt sich auf der ersten Hauptversammlung von Daimler Truck voller Tatendrang. „Unsere Akkus sind voll geladen. Diese Energie werden wir in vollem Umfang auf die Straße bringen“, verspricht der Vorstandschef des Lastwagen- und Busherstellers, der im vorigen Jahr vom Daimler-Konzern abgespalten wurde, seit Dezember an der Börse ist und im März auch bereits in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufgenommen wurde.

Wie die Aktionäre den Auftritt des Vorstandschefs aufnehmen, bleibt indes offen. Denn bei dieser Premiere gibt es weder Applaus noch Buhrufe, geschweige denn lebhafte Debatten oder gar einen Streit um Würstchen am Büfett – wie früher bei den Hauptversammlungen von Daimler. Wegen der Coronapandemie ist es kein richtiges Aktionärstreffen. Die Veranstaltung findet nur virtuell im Internet statt und wird aus der Carl-Benz-Arena in Stuttgart gestreamt. Die Aktionäre mussten ihre Fragen vorher schriftlich einreichen. Schon um 13.45 Uhr ist die letzte der von 17 Aktionären eingereichten Fragen beantwortet. Bei Daimler wäre das früher ein Rekord gewesen.

Das Auftragspolster ist so dick wie noch nie

Trotz Chipmangel, des Kriegs in der Ukraine und zunehmend düsterer Konjunkturaussichten zeigt sich Vorstandschef Daum zuversichtlich für den weiteren Jahresverlauf und bekräftigt den bisherigen Ausblick. Der Absatz soll um mehr als zehn Prozent auf bis zu 520 000 Fahrzeuge steigen. Beim Umsatz wird weiterhin ein deutlicher Anstieg auf 48 bis 50 Milliarden Euro angepeilt. Die bereinigte Umsatzrendite soll um mindestens einen Prozentpunkt auf sieben bis neun Prozent zulegen. Die Zuversicht stützt sich auf ein Auftragspolster, das laut Daum auch wegen der Lieferengpässe bei Chips und verschobener Produktionstermine so dick ist wie noch nie. Damit könnte ein Abschwung abgefedert werden, sagt Daum.

Zudem gebe es keine Stornierungen. Die weltweite Nachfrage sei weiterhin stark. Viele Transportunternehmen müssten nun dringend ihre Flotten erneuern. Auch schafft es der Lkw-Hersteller, selbst bei bereits bestellten Fahrzeugen die Preise nachträglich anzuheben und damit die steigenden Kosten von Energie und Rohstoffen zu bekämpfen. Diese Bereitschaft der Kunden, höhere Preise zu akzeptieren, ist sehr ungewöhnlich. Früher war die Branche eher von einem ruinösen Preiskampf gekennzeichnet.

Das Werk in Wörth ist gut ausgelastet

Während das Montagewerk im rheinland-pfälzischen Wörth im vorigen Jahr immer wieder einige Tage stillstand, laufen die Bänder dort nach Angaben des Vorstandschefs derzeit planmäßig im Zwei-Schicht-Betrieb. Die Versorgung mit Halbleitern verbessere sich schrittweise. Zudem hat sich der Truckhersteller auch flexiblere Lieferanten gesucht.

Die Aktionäre wollten wissen, wie es in Russland weitergeht, nachdem Daimler Truck das Geschäft dort nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar sofort komplett eingestellt hat. „Wir gehen nicht davon aus, dass wir das Geschäft in Russland bald wiederaufnehmen können“, sagte der Vorstandschef.

Eine Dividende für 2021 gibt es nicht

Die Mitarbeiter des Gemeinschaftsunternehmens mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz sind freigestellt, erhalten aber weiter ihren Lohn. Ein Drittel der rund 1000 Beschäftigten des Gemeinschaftsunternehmens habe Abfindungsangebote angenommen, sagt Finanzvorstand Goetz. Daimler Truck erwartet im Gesamtjahr eine Belastung von insgesamt 200 Millionen Euro für die Wertberichtigung des russischen Gemeinschaftsunternehmens, davon wurden 170 Millionen Euro bereits im ersten Quartal verbucht.

Obwohl die Aktionäre von Daimler Truck für 2021 keine Dividende erhalten, ist dies kein großes Thema bei den eingereichten Fragen. Nur ein Aktionär will wissen, ob die Dividende „unterschlagen“ worden sei. Finanzvorstand Goetz widerspricht dieser Vermutung und verweist darauf, dass Daimler Truck fast das ganze vergangene Jahr noch ein Teil von Daimler war und nach der Abspaltung erst seit Dezember auf eigenen Beinen steht. Eine Dividende für 2021 erhielten nur die Aktionäre des früheren Mutterkonzerns Daimler, der seit Februar nun Mercedes-Benz Group heißt. Es war eine Rekorddividende in Höhe von fünf Euro. Darin waren auch 70 Cent enthalten, die auf den Beitrag der Lastwagensparte entfielen. Für das Coronajahr zuvor gab es bei Daimler nur 1,35 Euro je Aktie. Von der üppigen Dividende des ehemaligen Mutterkonzerns profitieren allerdings auch viele Anteilseigner von Daimler Truck, weil sie beide Papiere im Depot haben. Beim Börsengang des Truckhersteller am 10. Dezember erhielten die Aktionäre des Autokonzerns für jeweils zwei Papiere zusätzlich eine Aktie des Börsenneulings ins Depot gebucht.

BAIC und Geely halten gut zwölf Prozent der Anteile am Börsenneuling

Heute halten institutionelle Anleger, wie etwa Fondsgesellschaften, rund ein Drittel aller Aktien von Daimler Truck und haben damit gemeinsam das größte Stück des Kuchens. Größter Einzelaktionär ist mit 30 Prozent der ehemalige Mutterkonzern. Die beiden chinesischen Anteilseigner BAIC und Geely, die zusammen knapp 20 Prozent am Autohersteller Mercedes-Benz Group halten, sind mit jeweils etwas über sechs Prozent auch bei Daimler Truck engagiert.

Der Bilanzgewinn von Daimler Truck in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro wird voll in den Gewinnrücklagen gebunkert. Für das laufende Jahr sollen die Aktionäre des Börsenneulings erstmals eine Dividende erhalten. Finanzvorstand Goetz stellt ihnen eine Ausschüttung in Höhe von etwa 40 Prozent des Gewinns nach Steuern in Aussicht.

Lesen Sie mehr zum Thema

Hauptversammlung Mercedes-Benz