Hauptversammlung der Lufthansa Aktionäre geben grünes Licht für Lufthansa-Neustart

Ende März gab es noch 93 500 Vollzeitstellen bei der Lufthansa, 52 200 davon in Deutschland. Vor einem Jahr waren es noch knapp 140 000 Foto: dpa/Peter Kneffel

Die Anteilseigner der Lufthansa billigen mit deutlicher Mehrheit die geplanten Kapitalmaßnahmen des Managements. Die Fluggesellschaft will die Staatshilfen schrittweise zurückzahlen – und ihre Position als Branchenführer ausbauen.

Frankfurt - Der Vorstand der Lufthansa ist davon überzeugt, dass Europas größte Fluggesellschaft auch als Branchenführer aus der Krise kommen wird. „Nicht all unsere Wettbewerber werden sich so schnell wie wir von der Staatshilfe lösen können“, sagte Konzernchef Carsten Spohr auf der Hauptversammlung, die zum dritten Mal rein virtuell durchgeführt werden musste. Einen wichtigen Erfolg auf dem Weg zurück zur Normalität konnte das Management durch die Zustimmung der Anteilseigner zur Erhöhung des Kapitals machen, für den knapp 98 Prozent des vertretenen Kapitals stimmten.

 

Lesen sie auch den Kommentar: Zustimmung mit Zähneknirschen

Der Rahmen von 5,5 Milliarden Euro, der von einigen Aktionärsvertretern im Vorfeld der Versammlung als zu hoch kritisiert worden war, sei rein technisch bedingt, hatte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Karl-Ludwig Kley, bereits zu Anfang der Versammlung erklärt. Diesen Umfang haben die beiden stillen Beteiligungen, die die Bundesregierung der Fluggesellschaft im Rahmen des Stützungspakets im vergangenen Jahr eingeräumt hat. Von dieser Summe hat die Lufthansa bisher rund eine Milliarde Euro genutzt, von den verbliebenen 4,5 Milliarden werde man noch in diesem Quartal 1,5 Milliarden Euro in Anspruch nehmen, wie Finanzvorstand Remco Steenbergen erläuterte. Dieses Geld braucht die Lufthansa, um die anhaltenden Verluste auffangen zu können.

Erste Erfolge bei Finanzierungen am Markt

Sobald es aber die Umstände erlauben und absehbar sei, dass der Neustart bevorsteht, wolle man sich wieder am Markt, also bei privaten Investoren, finanzieren, betonte Steenbergen. Hier hat die Lufthansa schon erste Erfolge erzielt und unter anderem im Februar einen Kredit über eine Milliarde Euro an die bundeseigene KfW und andere Banken zurückgezahlt. Man werde den Markt genau beobachten und dann schrittweise die Staatshilfen zurückzahlen.

Die Aktionäre jedoch hätten dabei am liebsten mitgeredet. „Wir wollen kleinere, schrittweise Kapitalmaßnahmen, bei denen die Aktionäre gefragt werden müssen und die Lufthansa mit einem überzeugenden Restrukturierungsplan aufwarten muss“, forderte etwa die Fondsgesellschaft Union Investment. Für die Deka-Bank, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, müsse das Management den Weg wählen, der dem Aktienkurs am wenigsten schade.

Der Vorstand will den Verlust an Eigenkapital begrenzen

Der Vorstand machte deutlich, dass man mit vielen Maßnahmen versuche, den Verlust an Eigenkapital so gut wie möglich zu begrenzen. So habe die Krise die Lufthansa im vergangenen Jahr rund acht Milliarden Euro gekostet – eine Prognose für das laufende Jahr sei schwer abzugeben, da nicht absehbar ist, wann und in welchem Tempo das Geschäft wieder anzieht, erklärte Vorstandsmitglied Michael Niggemann. Durch den strikten Sparkurs, den Abbau von Arbeitsplätzen und den Verkauf oder die Stilllegung von Unternehmensteilen habe man davon einiges auffangen können.

Ein Großteil der Flotten von Lufthansa, Eurowings, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Swiss steht noch am Boden. Ein Fünftel des Personals musste das Unternehmen bereits verlassen. Die Flugbetriebe Germanwings und Sun Express Deutschland wurden geschlossen, Kosten und Investitionen gesenkt. Am Ende des vergangenen Geschäftsjahres stand dennoch unter dem Strich ein Verlust von 6,7 Milliarden Euro – ohne Staatshilfe hätte das die Insolvenz bedeutet, wie Aufsichtsratschef Kley deutlich machte.

Die Zeichen stehen auf Neustart – aber wann kommt der?

So aber stehen die Zeichen auf Neustart. Vorstandschef Spohr wollte sich jedoch nicht festlegen, wann dies wirklich gelingt. Es gebe ermutigende Zeichen, wie etwa den Fortschritt bei den Impfungen, aber keine klaren Anhaltspunkte, wann der weltweite Luftverkehr wieder an alte Zeiten anknüpfen kann. Der Weltverband IATA rechnet erst 2024 wieder mit einem Niveau wie vor der Krise.

Spohr versprach aber, dass der Konzern die Krise gestärkt verlassen werde. „Wir werden diese Krise nicht nur meistern, sondern sie als Chance nutzen, unsere globale Position in unserer in so vieler Hinsicht einzigartigen Branche weiter zu stärken. Die Lufthansa Group wird in Zukunft zunächst kleiner sein – aber auch fokussierter, digitaler, effizienter und nachhaltiger.“ Unter anderem setzt der Konzern auf modernere Flugzeuge mit niedrigerem Verbrauch. 115 alte Jets wurden bislang dauerhaft stillgelegt, der Kauf von zehn neuen Langstreckenjets am Montag beschlossen. Der Umbau, den man vor der Krise bereits begonnen habe, werde jetzt beschleunigt fortgesetzt, sagte Spohr. Das bedeutet auch weiteren Arbeitsplatzabbau, wie der Konzern erst vor wenigen Tagen bestätigt hatte. Allein in Deutschland sollen noch einmal rund 10 000 Stellen wegfallen. Ende März gab es noch 93 500 Vollzeitstellen im Konzern, 52 200 davon in Deutschland. Vor einem Jahr waren es noch knapp 140 000.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Lufthansa Hauptversammlung