Von derzeit 97 000 Vollzeitstellen sollen Ende 2019 weniger als 90 000 übrig bleiben. Vor allem beim Investmentbanking plant Vorstandschef Sewing tiefe Einschnitte. Die Deutsche Bank soll dadurch stabiler werden.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)

Frankfurt - Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat den neuerlichen Abbau Tausender Stellen bei dem Geldhaus verteidigt. „Die aktuelle Ergebnislage lässt uns keine andere Wahl“, sagte der 48-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Seit seinem Amtsantritt Anfang April habe sich das Institut bereits von 600 Mitarbeitern der Investmentbanking-Abteilung getrennt. Bis Ende 2019 soll die Zahl der Vollzeitstellen weltweit von 97 000 auf „deutlich unter 90 000“ sinken. Bereits am Mittwoch hatten Medien berichtet, die Deutsche Bank wolle rund 10 000 Stellen abbauen. Sewing versprach, man werde das Sparprogramm „so verantwortungsvoll und sozial verträglich wie möglich gestalten“.

Die Einschnitte beim Investmentbanking, das dem Geldhaus seit der Finanzkrise zahlreiche Skandale und milliardenschwere Bußgelder eingebrockt hat, sollen nach Sewings Worten für mehr Stabilität sorgen. „Es wird uns nicht schaden, wenn wir ein bisschen langweiliger sind“, sagte der Konzernchef, der praktisch sein ganzes Berufsleben bei der Deutschen Bank verbracht hat.

Zum Vorstandsvorsitzenden wurde er am Wochenende nach Ostern auf einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats berufen, nur einen Tag später trat er die Nachfolge des Briten John Cryan an. Der hektische Führungswechsel erfolgte zwölf Tage nach ersten Medienberichten über eine bevorstehende Ablösung Cryans.

Achleitner rechtfertigt seine Personalpolitik

Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner bedauerte das Kommunikationschaos, rechtfertigte aber seine Entscheidung für Sewing und gegen Cryan. Unter letzterem sei ein „Entscheidungs- sowie Umsetzungsdefizit in der Führung unserer Bank“ entstanden, sagte Achleitner auf der Aktionärsversammlung. Die durch Spekulationen über die Nachfolgesuche ausgelöste öffentliche Debatte habe die Abberufung Cryans lediglich beschleunigt, „die aus Sicht der großen Mehrheit des Aufsichtsrats ohnehin unvermeidlich war“.

Gleichzeitig versuchte Achleitner den Eindruck zu zerstreuen, Sewing sei erst nach Absagen anderer Kandidaten zum Bankchef berufen werden. „Christian Sewing ist unsere erste Wahl“, sagte der Aufsichtsratschef. Es habe auch „zwei ernsthafte externe Kandidaten“ gegeben, allerdings nicht die in den Medien genannten. „Wir haben uns dann aber ganz bewusst für die interne Lösung entschieden“, betonte Achleitner. Der Aufsichtsrat habe Sewings „Entwicklung als Führungspersönlichkeit“ über Jahre „genau beobachtet und begleitet“.

Auf verschiedene Anträge, Achleitner auf der Hauptversammlung die Entlastung zu versagen oder ihn gar abzuberufen, reagierte der Aufsichtsratsvorsitzende mit schwarzem Humor. Zu Beginn seines Vortrags ließ er ein Foto des DFB-Pokalfinalspiels vom vergangenen Wochenende einblenden, das Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern aus Achleitners Wahlheimat München gewonnen hatte. An diesem Bild wolle er sich orientieren, sagte der gebürtige Österreicher. Das Foto zeigte Frankfurt-Fans hinter einem Banner mit der Aufschrift: „Totgesagte leben länger“.

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