Haus der Geschichte Stuttgart Die Bombe von der Hobelbank

Von  

Das Haus der Geschichte hat seine Weltkriegsabteilung neu gestaltet – insgesamt 76 neue Exponate sind zu sehen. Georg Elser, der 1938 Adolf Hitler töten wollte, erhält einen Ehrenplatz: Die Hobelbank, an der er seine Bombe vorbereitete, ist nun ebenfalls in Stuttgart zu sehen.

Ein herausragendes Exponat: die Werkbank von Georg Elser. Foto: Michael Steinert
Ein herausragendes Exponat: die Werkbank von Georg Elser. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Zwölf Jahre nach der Eröffnung hat das Haus der Geschichte jene drei mit Absicht düster gehaltenen Räume, in denen die Zeit des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik und des Zweiten Weltkriegs vorgestellt werden, überarbeitet und teilweise neu bestückt. 76 neue Objekte sind jetzt zu sehen, und jedes erzählt eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Das wichtigste Stück ist die Hobelbank Georg Elsers, der am 9. November 1939 ein Attentat auf Adolf Hitler verübte – es scheiterte, weil Hitler früher als geplant den Münchner Bürgerbräukeller verließ. Elser hatte die Bombe an dieser Hobelbank vorbereitet, zuhause in Königsbronn; vollendet hat er Bombe und Zeitzünder direkt in München. Die Hobelbank kam aus der Gedenkstätte für Georg Elser in Königsbronn nach Stuttgart; dort war sie nie ausgestellt worden, sondern stand im Depot.

Ein Soldat ließ sein Porträt auf eine Thorarolle malen

Zwei andere Objekte waren erst vor gut zwei Jahren entdeckt worden: Sie hingen in einem Privathaus in Tübingen. Es handelt sich um Ölporträts eines deutschen Soldaten in Wehrmachtsuniform und dessen Frau, entstanden um 1942. Das Besondere: Die Porträts wurden auf der Rückseite einer Thorarolle gemalt, die der Soldat vermutlich aus einer Synagoge in Osteuropa entwendet hat. „So sollte die Thora erneut geschändet werden“, sagt Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte.

Die neue Gestaltung der Weltkriegsabteilung beschränkt sich aber nicht auf das Auswechseln der Schaustücke. Die Besucher finden nun auch mehr moderne Medien vor. So können die Besucher an Bildschirmen zwei ganze Fotoalben durchblättern. Das eine stammt von einem Wehrmachtssoldaten aus Stuttgart, der in Polen auch Kriegsgefangene und zerstörte Synagogen aufgenommen hat. Das andere hat eine Führerin des „Bundes deutscher Mädchen“ zusammengestellt; es dokumentiert, wie stark selbst die Kinder gleichgeschaltet worden waren. Daneben werden mehr Filme als früher gezeigt – beispielsweise sind Szenen aus der Pflegeanstalt Mosbach zu sehen; einige der gefilmten behinderten Menschen sind später von den Nazis ermordet worden.

Alte Munition ist für einen Bleistiftspitzer benutzt worden

Außerdem werden mehr Täter als bisher im Bild gezeigt – das ist dem Umstand geschuldet, dass die Historiker bundesweit erst mit starker Verzögerung dieses Thema intensiver bearbeitet haben. Wichtig ist der Kuratorin Cornelia Hecht auch gewesen, die Vitrinen in den drei Räumen strenger chronologisch anzuordnen, um den Besuchern die Orientierung zu erleichtern. Dem gleichen Ziel dient auf andere Weise die Technik: Alle Textelemente sind jetzt beleuchtet und lassen sich leichter lesen.

Wie eng die beiden Weltkriege und deren „Zwischenzeit“, die Weimarer Republik, zusammengehören, das zeigen die Lebensläufe zahlreicher Menschen. Zum Beispiel die Vita des Juden Julius Fröhlich, der als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm, dann aber vor den Nazis flüchten musste und auswanderte. Noch schockierender ist die Geschichte eines Mannes, den die Fronterlebnisse im Ersten Weltkrieg psychisch zerrüttet haben – als Geisteskranker ist er im „Dritten Reich“ später vergast worden.

Das größte neue Objekt ist die Hobelbank von Georg Elser; das kleinste Stück ist ein Bleistiftspitzer, den ein Soldat aus Munitionsteilen hergestellt hat. Not macht erfinderisch; das galt gerade an der Front.

Sonderthemen