ExklusivHaus der Katholischen Kirche in Stuttgart Hochland verlängert Vertrag nicht

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Der Stuttgarter Kaffeeröster Hochland verlängert seinen Zehnjahresvertrag im Haus der Katholischen Kirche nicht und beendet seinen Betrieb in der Königstraße. Ein neuer Pächter wird gesucht.

Hochlands Tage im Haus der Katholischen Kirche sind gezählt. Foto: Steinert
Hochlands Tage im Haus der Katholischen Kirche sind gezählt. Foto: Steinert

Stuttgart - Nun ist es offiziell. Das Haus der Katholischen Kirche sucht einen neuen Pächter für sein Café. Die bisherige Betreiberin, die Firma Hochland Kaffee, verlängert ihren bis Anfang des Jahres 2019 gehenden Pachtvertrag nicht. Birgit Krauße von Hochland bestätigt diesen Schritt. Das Thekenpersonal im Café verweist Gäste, die sich nach der Zukunft des Gastronomiebetriebs erkundigen, seit einiger Zeit an das Haus der Katholischen Kirche. Das architektonisch und konzeptionell ambitionierte Flaggschiff der katholischen Kirche in Stuttgart muss zum zehnjährigen Jubiläum nach einem neuen Mieter suchen. „Hochland hat diesen Schritt 2016 zum ersten Mal angekündigt“, sagt Roland Weeger und bescheinigt dem Unternehmen Fairness im Miteinander. Der Leiter des Katholischen Bildungswerks ist seit Februar auch Leiter des Hauses der Katholischen Kirche.

Manche Gäste bleiben zu lange und konsumieren zu wenig

„Das Haus soll Aufenthaltsqualität haben“, sagt Weeger. Die gastliche Atmosphäre des Hauses jenseits der hektischen Einkaufsstraße lässt manche Gäste aber offenbar länger verweilen, als ökonomisch auf Dauer tragbar. Die Aufenthaltsqualität lobt auch Birgit Krauße von Hochland. Aber sie bestätigt auch, „dass viele Gäste kamen, die nicht ausreichend konsumiert haben, um ein Café dieser Größe auskömmlich betreiben zu können“. Die Realität im Haus sei in einigen Punkten anders, als in der Planung vorgesehen. Die zur Stauffenbergstraße ausgerichtete Eisbar sei laut Krauße den vielen Baustellen dort, dem Anlieferverkehr und der übel riechenden Kanalisation geopfert worden. Die Sitzmöglichkeiten auf der Königstraße, für die die Stadt pro Halbjahr eine Gebühr von 2500 Euro verlange, seien von Kunden nicht angenommen worden, dafür von Passanten der Königstraße genutzt worden. Das Catering von Veranstaltungen sei wie vom Haus der Katholischen Kirche gewünscht nicht leistbar, da die Infrastrukur – Lastenaufzug und Vorbereitungsküche – fehle.

Das Familienunternehmen Hochland war mit Eröffnung des Hauses 2009 eingezogen und hatte einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen. Der damalige katholische Stadtdekan Michael Brock, der Stuttgart 2011 verließ, hatte den renommierten Stuttgarter Kaffeeröster für das Haus in prominenter Lage auf der Königstraße gewonnen. Es soll eine Mixtur aus Seelsorge, Information, Bildung und Kultur sein. Durchschnittlich 800 Besucher kommen täglich nach Angaben des Stadtdekanats ins Haus. 1000 Veranstaltungen werden jährlich angeboten. Das Café im Atrium trägt maßgeblich zur Atmosphäre des Hauses bei. Vielleicht ist ihm gerade das zum Verhängnis geworden.

Diskussionen über die Konzeption

Wie es weiter geht, ist noch nicht klar. Im Moment werden im Stadtdekanat unterschiedliche Konzepte diskutiert. „Wir haben in den letzten zehn Jahren viele Erfahrungen gesammelt und wollen das Jubiläum für die Erneuerung unseres Konzeptes nutzen“, kommentiert der katholische Stadtdekan Christian Hermes die Entwicklung.

„Wir streben einen lückenlosen Übergang an“, sagt Weeger. Hochland, so Birgit Krauße sei bereit das Thekenmobiliar dem Nachfolger zu überlassen. „Uns liegt auch an einem reibungslosen Übergang gerade im Jubiläumsjahr.“ Weeger überlegt sich nun, „welche Besuchergruppe man erreichen will.“ Er fragt: „Wie erreicht man sozial aufgeschlossene Menschen, denen am sozialen Miteinander in der Stadt liegt?“ Hermes spricht von einem integrativen Konzept und will die Zusammenarbeit zwischen dem Café, der Buchhandlung des Schwabenverlags und der Caritas-Manufaktur intensivieren und neue Angebote zur Glaubenskommunikation machen. Ob das integrative Konzept auch einen inklusiven Ansatz beinhaltet und der Cafébetrieb künftig von einem Pächter übernommen wird, bei dem auch Menschen mit Behinderung arbeiten, wird offenbar ebenfalls diskutiert. „Wo, wenn nicht bei der Kirche, muss so etwas möglich sein“, sagt Weeger. Ein vergleichbares Konzept verfolgt die Lesbar in der Stadtbibliothek. Hochland betreibt seine Cafébars in der Buchhandlung Wittwer und in der Kirchstraße weiter.

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