Haus der Musik Boxen nach Beethovens Noten

Von Petra Mostbacher-Dix 

Im Haus der Musik im Fruchtkasten am Schillerplatz kann jetzt experimentiert werden. Am Sonntag ist dort das „Kuriose Klanglabor“ eröffnet worden. Besucher können dort Musik von Beethoven boxen und eine Wasserorgel ausprobieren

Cornelia Ewigleben und Gisela O’Grady-Pfeiffer an der Wasserorgel Foto: Heinz Heiss
Cornelia Ewigleben und Gisela O’Grady-Pfeiffer an der Wasserorgel Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Kräftig draufhauen!“ Neugierig schauen zwei Mädchen zu, wie ihr Opa schlagkräftig versucht, den nummerierten Klangpunkten eines Boxsacks Konzertantes zu entlocken, genauer: das prägnante Anfangsmotiv von Beethovens Fünfter Symphonie. Nur lautet die Schlagabfolge statt „Da, da, da, dam“ hier „1, 1, 1, 2“. „Beathoven“ nennt das Riedlinger Künstlerpaar Gisela O’Grady-Pfeiffer und Lothar Pfeiffer den Boxsack aus ihrer Klangideenwerkstatt. Zu sehen ist er mit 14 weiteren einzigartigen, teils skurrilen Instrumenten im „Kuriosen Klanglabor“, das im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg eröffnete.

Im dritten Stock des Fruchtkastens am Schillerplatz dürfen die Besucher nach Herzenslust experimentieren. Wenn sie etdem Kuhglocken-Klavier „Big Bäng“ den „Big Ben-Sound“ der berühmten Turmuhr entlocken, erfahren sie, was in einem Klavier passiert, wie aus dem Tasten- der Hammerschlag wird. Im Chladni-Kasten bilden sich je nach Ton faszinierende Klangbilder aus Sand, weil dünne Metallplatten zum Schwingen gebracht werden. „Der Natur- und Klangforscher Ernst F. Chladni fand dies heraus“, so Gisela O’Grady-Pfeiffer.

Außerirdisch anmutende Klänge

Zu den bekannteren Klangerzeugern, die die Musikpädagogin und ihr Mann installierten, gehört das Theremin. Der russische Physiker Lew Termen erfand es 1920 – das erste elektronische Musikinstrument. Und es ist immer noch das einzige, das ohne Berührung gespielt wird: Ein schwaches elektromagnetischem Feld reagiert über zwei Antennen auf den menschlichen Körper, mit dem Abstand zum Metall ändern sich die extraterrestrisch anmutenden Töne. Das nutzten schon die „Star Trek“-Macher für die Titelmusik.

Eine feste Hand wiederum braucht der „Klingende Besen“, der – samt Kalebasse – an einen brasilianischen Musikbogen erinnert: Als Bogen fungiert der Besenstil, das Schrubben erzeugt den Ton. Ebenso exotisch ist auch die Wasserorgel, die ihren Ursprung im dritten Jahrhundert vor Christus in Ägypten hat. In der Gegenwart verortet sind indes die Stücke des Klangkünstlers David Stützel. Von ihm wird in der Schau noch ein Video installiert werden, das sich mit Obertonsingen und kuriosen Blasinstrumenten beschäftigt.

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