Dass Kinder und Jugendliche den Wald mit allen Sinnen erleben und ihn so schätzen lernen, darum geht es bei der Waldpädagogik. Für Johannes Fischbach-Einhoff ist das ein zentrales Anliegen.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Es ist einer der wenigen Tage, an denen es in Stuttgart schneit. Dicke weiße Flocken gehen nieder und lassen die Welt ein wenig friedlicher erscheinen. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesem Morgen in Degerloch zu Gast im Haus des Waldes sind, freut es. Und noch jemand freut sich über den Wintereinbruch: „Das ist gut. Die Natur braucht die Kälte und die Niederschläge“, sagt Johannes Fischbach-Einhoff. Er muss es wissen, denn der promovierte Forstwissenschaftler ist der neue Leiter der pädagogischen Einrichtung.

Von seinem Büro aus schaut er in den Wald. Beruflich dort tätig wird er aber nur selten. „Ich sitze schon mehr am Schreibtisch“, sagt er. Entsprechend theoretisch klingt die Beschreibung seiner Hauptaufgabe: Es gehe um die Koordination der Waldpädagogik in Baden-Württemberg. Dazu müsse man wissen, das Waldpädagogik im Landeswaldgesetz als eine der fünf Dienstaufgaben eines jeden Försters festgeschrieben sei, sagt Johannes Fischbach-Einhoff. Um das umzusetzen, brauche es klare Konzepte und Handreichungen. Solche werden im Haus des Waldes erarbeitet.

Den Wald mit allen Sinnen erleben

Für Fischbach-Einhoff ist Waldpädagogik ein zentrales Thema. „Es geht darum, der Entfremdung von der Natur entgegenzuwirken und den Wald mit allen Sinnen zu erleben – mit Kopf, Herz und Hand. Der Wald ist einfach ein toller Ort. Und er ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Ökonomie, Ökologie und Soziales zusammenbringen kann“, sagt er. Der Dreiklang aus diesen drei Komponenten, werde letztlich unter dem Begriff Nachhaltigkeit subsumiert.

Und darum gehe es, wenn man dem Klimawandel entgegenwirken wolle. „Wir wollen erklären, wie man einen Wald nachhaltig bewirtschaftet, warum der Wald unter Hitze und Trockenheit leidet, und was man tun kann, um CO2 einzusparen. Wir wollen, dass die Kinder und Jugendlichen verstärkt eine Bindung zum Wald aufbauen, in der Hoffnung, dass sie sich dann auch verstärkt gegen den Klimawandel einsetzen.“

Dabei verfolgt das Haus des Waldes einen ganzheitlichen Anlass, denn die Erderwärmung ist ein globales Problem. Darum erfahren die Besucherinnen und Besucher in der Dauerausstellung „Stadt-Wald-Welt“ auch viel über die globalen Zusammenhänge. Und im Weltcafé gibt es Snacks, Kaffee und Tee in Bio-Qualität und fair gehandelt zu kaufen.

Familienzeit in Portugal

All das ist Fischbach-Einhoff auch privat wichtig. Dass er sich einst für das Studium der Forstwissenschaften entschied, war aber eher Zufall. Er sei in einem Dorf in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, umgeben von Wald, und er sei als Kind auch immer viel in der Natur gewesen. Dennoch habe sein Berufswunsch nach dem Abitur nicht festgestanden. „Also habe ich mich beim Arbeitsamt informiert und bin auf das Studium der Forstwissenschaften gestoßen“, erinnert sich Fischbach-Einhoff. Schnell habe er gemerkt, dass es die richtige Entscheidung war – trotz der damals schlechten Berufsaussichten. Von 1990 an studierte er in Freiburg und Göttingen und promovierte am Institut für Forst- und Umweltpolitik. Anschließend war er im Forstamt Adelsheim und danach im Landwirtschaftsministerium tätig. Zuletzt war er im Forstamt Esslingen und dort für die Waldbewirtschaftung von 24 Kommunen und sechs Forstrevieren zuständig.

Wenn Fischbach-Einhoff von seinem beruflichen Werdegang berichtet, spürt man, wie sehr er seinen Beruf mag und dass ihm jede einzelne Station wichtig war. Besonders gern erzählt er aber von seiner Zeit in Portugal. Von 2009 bis 2013 ließ er sich beurlauben und ging mit seiner Familie nach Südwesteuropa. Dort arbeitete seine Frau als Lehrerin, während er sich um die beiden kleinen Töchter kümmerte.

Haus des Waldes

Kompetenzzentrum
Das Haus des Waldes ist seit mehr als 30 Jahren das landesweite Kompetenzzentrum für Waldpädagogik in Baden-Württemberg. Es ist Teil von ForstBW, dem größten Forstbetrieb des Landes. Es bietet ein vielfältiges Bildungsangebot für Multiplikatoren, Einzelpersonen, Schulklassen und Familien an. Dazu zählen die Dauerausstellung, der barrierefreie Walderlebnisweg sowie ein umfangreiches waldpädagogisches Jahresprogramm. Darüber hinaus können Interessierte die berufsbegleitende Qualifizierung zum staatlich zertifizierten Waldpädagogen erwerben.

Vorgänger
Nach 21 Jahren hat Berthold Reichle die Leitung des Haus des Waldes abgegeben, um sich neuen Aufgaben zu widmen.