Wie funktioniert der Wald, was macht ihn aus? Das haben Kinder beim Sommerfest im Haus des Waldes in Degerloch erlebt. Und zwar nicht nur in der Theorie. Sie haben zum Beispiel auf Papier und Erde gebatikt oder mit Matsch geschleudert.

Degerloch - Einmal nach Herzenslust im Matsch wühlen, mit bloßen Füßen durch Kies, Sand, Wasser und dunkle Erde waten, in einer Schlammkiste nach Edelsteinen graben oder in einem großen Haufen Dreck buddeln, dabei ganz viel über Wald, Boden und Tiere erfahren – und außerdem richtig schmutzig werden. Das und viel mehr hat die großen und kleinen Besucher beim Sommerfest im Degerlocher Wald am Wochenende erwartet.

Rund ums Haus des Waldes hatten die Mitarbeiter in einer „Erdumlaufbahn“ 15 Mitmachstationen aufgebaut, an denen die Gäste den Wald und seine existenzielle Lebensgrundlage hautnah erleben konnten. „Wir haben für unser Sommerfest dieses Thema gewählt und uns damit am Internationalen Jahr des Bodens der Uno orientiert“, erklärte Berthold Reichle, der forstliche Leiter des Hauses des Waldes. Vor allem Kindern solle mit den Mitmachaktionen ein Zugang zum Boden und seinen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten ermöglicht werden, sagte Reichle.

Die Sommerfestgäste konnten mit Matsch schleudern

Die Kinder malten mit Erdfarben aus Lehm, Rinde oder Holzkohle, suchten mit Schaufeln, Pinzetten und einem Insektenstaubsauger nach kleinem Waldgetier, das sie anschließend am Stand des Waldmobils mit der Lupe untersuchen, zeichnen und bestimmen durften. Sie erkundeten Tierspuren, erfuhren in einer Steinsammlung viel über die geologischen Geheimnisse und den Reichtum unseres Bodens, der in der Tiefe schlummert.

Die Sommerfestgäste konnten mit Papier und Erde batiken, mit Matsch schleudern oder an einer Station ganz am Anfang der Erdumlaufbahn erleben, wie der Boden unser Wasser filtert und rein hält. Dort war auch ein großer Erdhaufen zum Klettern und Buddeln aufgeschüttet.

„Dieser Humus wurde extra hierher transportiert“, verriet Berthold Reichle. „Aber nicht nur fürs Sommerfest, sondern auch für unsere große Baumaßnahme – den eineinhalb Kilometer langen barrierefreien Walderlebnispfad, bei dem künftig auch blinde oder gehbehinderte Menschen den Wald erleben können“, sagte Reichle. Der Pfad soll am 17. November eröffnet werden und fünf große Stationen erhalten, die auch Menschen mit Rollator oder im Rollstuhl Walderlebnisse bescheren. „Das Projekt ist im besten Sinne inklusiv, da es allen Menschen den Lebensraum Wald zugänglich machen wird“, sagte Reichle erfreut. Der barrierefreie Walderlebnispfad sei der erste dieser Art in Baden-Württemberg und daher etwas Besonderes, sagte Berthold Reichle strahlend und nicht ohne Stolz auf dieses neue Projekt.

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