Haus & Grund in Stuttgart Gesetzgeber verunsichert Vermieter

„Haus und Grund“ in Stuttgart verzeichnete auch im vergangenen Jahre steigende Mitgliederzahlen Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Beim Tag der offenen Tür bei „Haus und Grund“ nutzten am Samstag viele Besucher die Gelegenheit zur Beratung. Vor allem die Grundsteuer und das Gebäudeenergiegesetz treibt viele um.

Zwei große Themenkomplexe sind es, die die Besucher des Tages der offenen Tür beim „Haus und Grund“ umgetrieben haben: Grundsteuer und Gebäudeenergiegesetz. Das seien die zwei „Blockbuster“, sagt Ulrich Wecker, der Geschäftsführer von „Haus und Grund“ in Stuttgart.

 

Unterm Strich soll die Grundsteuer zwar aufkommensneutral reformiert werden. Ausschlaggebend soll aber zukünftig die Grundstücksfläche sein. Das bedeutet, dass Bewohner eines Einfamilienhauses mit großem Garten stärker als Bewohner einer Wohnung in einem Hochhaus belastet werden. Hinzu komme, dass die Industrie mit ihren großen Flächen keine Mehrbelastung zu befürchten habe.

Juristische Gegenwehr

„Wir finden das ungerecht“, sagt Wecker. Besser sei es, wenn die Wohnfläche entscheidend sei. Nicht die Quadratmeter eines Grundstücks seien ausschlaggebend dafür, wie intensiv kommunale Leistungen in Anspruch genommen werden. Der Verein möchte sich nicht mit der Reform zufrieden geben. „Es laufen bereits Musterklagen“, sagt Wecker.

Am Tag der offenen Tür des Vereins wurden Themen wie Eigenbedarfskündigung, Mietstromlösungen im Mehrfamilienhaus oder Ladeinfrastruktur in zahlreichen Vorträgen präsentiert. Es wurden auch Informationen zur Immobilienverwaltung und weiteren Angeboten, die der Verein für seine Mitglieder bereithält, gegeben. Als Gast war außerdem VfB-Fußballlegende und „Haus und Grund“-Mitglied Hansi Müller vor Ort.

Ruf nach Verlässlichkeit

Der zweite „Blockbuster“ unter den Mitgliedern sei das Gebäudeenergiegesetz. „Auch hier ist der Unmut groß“, berichtet Wecker. Vor allem die Unsicherheit mache vielen Immobilienbesitzern zu schaffen. Die Heizung sei schließlich eine der größten Investitionen an einem Gebäude. Und was ist, wenn man jetzt eine neue Heizung braucht? Wärmepumpen seien nicht für alle Gebäude geeignet. Und ob ein Haus an ein Wärmenetz angeschlossen werde, das stelle sich vermutlich erst in den kommenden Jahren heraus. „Alles, was wir jetzt haben, ist das Papier nicht wert, auf dem es steht“, ärgert sich Wecker. Die Vereinsmitglieder bräuchten Verlässlichkeit. Es müsse eine konkrete Wärmeplanung gemacht werden.

Kritik an langer Verfahrensdauer

„Haus und Grund“ fordert, dass das Baurechtsamt in Stuttgart schneller als bisher Verfahren voranbringen. „Das muss beschleunigt werden“, meint der Geschäftsführer. Dass selbst Bauanträge für kleine Umbauten eineinhalb Jahre oder länger auf sich warten ließen, sei keine Seltenheit, klagt er. Über die Gründe kann er nur spekulieren. Dass es allein die Personalknappheit ist, glaubt Wecker inzwischen nicht mehr. Schließlich gehe die Zahl der Bauanträge zurück. Vielmehr vermutet er einen politischen Unwillen. „Das ist seit 15 Jahren ein Dauerthema“, sagt er.

Einen weiteren wichtigen Punkt nennt der Pressesprecher Marius Livschütz. Er warnt davor, dass die wachsende Zahl an Gesetzen und Vorschriften Privatvermieter zu überfordern drohen. „Man muss die Leute mitnehmen“, meint er. Die Grundsteuerreform und das Gebäudeenergiegesetz sind nur zwei Beispiele, die kleinen Privatvermietern die Verwaltung eher erschweren als erleichtern. „Man weiß nicht, was da kommt“, sagt Livschütz.

Starker Mitgliederzuwachs

Die Verunsicherung vieler Immobilienbesitzer lässt sich aus Sicht von „Haus und Grund“ auch an der wachsenden Zahl neuer Mitglieder ablesen. „Letztes Jahr war ein Rekordjahr“, sagt der Geschäftsführer Wecker. Mehr als 3100 Eintritte habe es gegeben. Derzeit gebe es insgesamt rund 24 000 Mitglieder in Stuttgart und Umgebung, die mehr als 100 000 Wohnungen besäßen. Landesweit seien es 180 000 Mitglieder.

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