Hausärzte in Corona-Zeiten Wenn statt 40 Patienten nur noch fünf kommen

Von Sebastian Xanke 

Die Coronavirus-Pandemie lässt viele Menschen vor einem Arztbesuch zurückschrecken. Hausärzte spüren deshalb einen deutlichen Rückgang bei ihren Patientenzahlen. Wie hat sich die Situation vor Ort entwickelt?

Abstand zu halten, ist bei manchen Untersuchungen unmöglich. Foto: dpa/Maurizio Gambarini
Abstand zu halten, ist bei manchen Untersuchungen unmöglich. Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Filder - Für Christos Maletsikidis geht es zum ersten Mal etwas bergab. Der Hausarzt betreibt seit nicht einmal zwei Jahren eine Praxis in Möhringen. „Seit meinem Beginn habe ich eigentlich jedes Quartal einen Anstieg an Patienten von 20 Prozent gehabt“, erzählt er. „Das ist das erste Quartal, in dem es insgesamt zurückgeht.“ Wie Maletsikidis geht es einigen Hausärzten auf der Filderebene. Die Coronavirus-Pandemie hat potenzielle Patienten vorsichtiger werden lassen.

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„Wenn es jemandem akut schlecht ging, ist er oder sie natürlich trotzdem gekommen“, sagt der Hausarzt. „Aber ich mache ja auch Blutkontrollen oder kosmetische Sachen wie Gesichtsreinigung.“ Vor allem bei der Kosmetik seien vor der Pandemie einige Termine fix gewesen, die dann aber von Seiten der Patienten abgesagt wurden. Und das alles, obwohl die Öffnungszeiten dieselben geblieben sind.

Maletsikidis schätzt, dass die Patientenzahl im Vergleich zum vorherigen Quartal um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen ist. „Ab März gab es Tage, an denen auch mal nur vier bis fünf Patienten da waren“, erzählt er. „Sonst haben wir zwischen 20 und 40.“

Untersuchung aus der Entfernung

Eine ganz ähnliches Bild zeichnet Jürgen Auch, Allgemeinmediziner in Filderstadt. „Auch bei mir gibt es bei den Patienten ein Minus zwischen zehn und 20 Prozent“, sagt Auch. Um das Praxispersonal zu schützen, habe er unter anderem „für teures Geld“ in Scheiben an der Rezeption investiert. Außerdem sei Abstandhalten das Gebot der Stunde gewesen, selbst, wenn einige wenige Patienten mit Unverständnis darauf reagiert hätten. „Ich habe, so gut es geht, versucht, meine Patienten von der anderen Ecke des Sprechzimmers anzuschauen. Neun von zehn Fällen lassen sich so gut behandeln“, erklärt Auch.

Wäre in Corona-Zeiten vielleicht nicht die Telemedizin, also die Behandlung des Patienten auf digitalem Wege, eine Option? „Ja, eigentlich schon“, sagt der Hausarzt aus Filderstadt. „Darin wird auch bei etwa 30 Prozent der Patienten die Zukunft liegen. Die Technik dafür haben wir schon vor Corona eingekauft.“ Zum Einsatz kam sie allerdings bisher noch nicht.

Ein Siegeszug der Telemedizin?

Einer, der jetzt schon viel auf Telemedizin setzt, ist der Internist Jörg Meinshausen. Er führt eine Privatpraxis in Sillenbuch und behandelt digital Menschen aus ganz Deutschland. Auch er gibt an, weniger Vor-Ort-Termine in der Corona-Zeit gehabt zu haben. „Einmal, weil ich selber gebremst habe, aber ebenso, weil die Patienten weniger wurden“, erzählt Meinshausen. „Da habe ich dann gesagt, dass man wegen eines banalen Infekts nicht kommen muss, sondern nur, wenn es die und die Begleiterscheinungen gibt.“

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Sein Angebot zur Telemedizin sei hingegen massiv häufiger beansprucht worden. „Die Menschen sind auf den Geschmack gekommen. Viele haben ihre Hemmungen abgelegt“, sagt der Internist. Er geht davon aus, dass sich dieses hohe Niveau auch nach Corona halten wird.

Optimistisch sind die Hausärzte Auch und Maletsikidis ebenso. Mittlerweile kämen nämlich wieder mehr Patienten in die Praxen.




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