Hausarbeit Kampf mit Nadel und Faden

Junger Mann beim Versuch, einen Hemdknopf anzunähen. Foto: imago/suedraumfoto

Kolumnist KNITZ ist ein leidenschaftlicher Bügler, doch mit einer häuslichen Tätigkeit steht er auf Kriegsfuß.

Der Kollege kam ohne Umschweife zum Thema: „Kann KNITZ eigentlich nähen?“

 

Als er das las, musste KNITZ schlucken, aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil er wirklich kurz überlegen musste, wie es um seine Fähigkeit bestellt ist, mit Nadel und Faden unfallfrei umzugehen. Zum andern begann er sich zu fragen, wie eng seine Beziehung zu besagtem Kollegen ist.

Ist die Frage nicht übergriffig?

Er mag den Kerl, man geht hin und wieder sogar gemeinsam in die Kantine. Aber ist die Beziehung wirklich so eng, dass eine zweifellos ins Intime reichende Frage nicht ein wenig übergriffig ist?

Ihm sei, so der Kollege weiter, kürzlich der Gedanke gekommen, dass man launig-unterhaltsam übers Nähen schreiben könne, als er nach einer Wäsche acht Hemden zum Trocknen aufhängte und anschließend in der Wäschetrommel vier verschiedene Knöpfe entdeckte. „Da musste ich ’ne Fertigkeit reaktivieren, die ich einst in meiner Armeezeit erwarb – Knöpfe annähen.“

Der Kollege müsste seine Militärzeit bei der NVA verbracht haben

Wenn KNITZ sich nicht irrt, dann müsste der Kollege seine Militärzeit bei der NVA verbracht haben, der Nationalen Volksarmee der DDR. Als Ganzkörperverweigerer (Tauglichkeitsstufe fünf), der sich nicht mal in Altenheimen einbringen durfte, ist KNITZ in militärischen Dingen nicht gut bewandert. Er hat schon gehört, dass man bei der guten alten Bundeswehr gelernt hat, eine Bierflasche mit einem Gewehrkolben zu öffnen und ein Hemd auf DIN-A4-Format zusammenzulegen. Vom Befestigen von Knöpfen kam ihm nie was zu Ohren.

War das womöglich eine Lücke im westlichen Verteidigungsbündnis? Wurden die Brüder und Schwestern hinterm Eisernen Vorhang darauf geschult, den Sozialismus im Ernstfall selbst mit Nadel und Faden zu verteidigen? Gehörte das zur Ausbildung einer Spezialeinheit?

Gehörte Nähen zur psychologischen Kriegsführung?

Denkbar wäre auch, dass das Annähen von Knöpfen Teil der psychologischen Kriegsführung war. KNITZ kam, warum auch immer, das tapfere Schneiderlein in den Sinn, der märchenhafte Fliegenkiller, der mit dem Spruch „Sieben auf einen Streich“ sein Umfeld in Angst und Schrecken versetzte.

Doch wir kommen vom Thema und von der Frage des Kollegen ab. Die bittere Wahrheit schaut so aus: KNITZ ist ein erbärmlicher Knöpfeannäher. Insofern ist er Fan einer großartigen Erfindung, die er unlängst an einer Jeans entdeckte: Ein Hosenknopf war abgefallen. Dieser musste nicht angenäht, sondern konnte dank eines metallenen Gegenstücks wieder angeschraubt werden.

Im Zweifel sucht KNITZ die Nähe einer Näherin

Leider ist nicht jedes Kleidungsstück von KNITZ mit so einem Knopf bestückt, sodass es ohne Nadel und Faden nicht geht. In dem Fall sieht er sich gezwungen, die Nähe einer netten Näherin aufzusuchen. Würde er selbst den Knopf annähen, könnte er ihn gleich wegwerfen.

Neulich, als er besagte Näherin bat, ihm einen Mantelknopf anzunähen, bekam er zu hören: Wenn sie sich recht entsinne, sei der Knopf vor nicht allzu langer Zeit schon mal abgefallen. Womöglich liege das daran, dass der Mantel um den Bauch herum spanne.

Solche Bemerkungen sind nicht leicht zu verdauen. Vielleicht sollte KNITZ auf seine alten Tage noch das Knöpfeannähen lernen. Womöglich von einem Ex-NVA-Soldaten.

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