Haushalt 2026 im Minus Kann sich Renningen Freibad und Mediathek weiter leisten?

Vorigen Sommer musste das Renninger Freibad wegen Keimbelastung im Wasser für einige Tage schließen. Das Bad ist eine freiwillige Leistung, die sich die Stadt noch leisten will. Foto: Simon Granville

Die Rankbachstadt erwartet für das laufende Jahr ein Minus im Stadtsäckel. Die Fraktionen im Gemeinderat überlegen, wo gespart werden könnte.

Ein Minus von 11,3 Millionen Euro steht unter dem Renninger Haushalt für das laufende Jahr. Weil die Rankbachstadt noch Geld auf der hohen Kante hat, müssen aber keine neuen Kredite aufgenommen werden. Doch die Situation wird sich auf absehbare Zeit nicht verbessern: Bis 2029 könnten jährlich zwischen drei und sechs Millionen Euro an Schulden dazukommen, hat der Erste Beigeordnete, Peter Müller, bei der Vorstellung des Haushalts im Dezember mitgeteilt.

 

Unter dem Eindruck dieser Zahlen standen auch am Montagabend die Stellungnahmen der Fraktionen und Einzelvertreter im Gemeinderat. „Die goldenen Zeiten sind nun auch in Renningen vorbei“, brachte es Anke Haug für die CDU auf den Punkt.

Steht der „Renninger Standard“ auf dem Prüfstand?

Bisher hat sich die Stadt mit rund 18 600 Einwohnern und einem erklecklichen Branchenmix recht gut gehalten. Ein großes Industriegebiet, dazu mehrere kleinere Gewerbegebiete und die Ansiedlung des Bosch-Entwicklungszentrums haben stets für ein gutes Ergebnis bei der Gewerbesteuer gesorgt, auch im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2025.

Doch die Ausgaben sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, während Zuwendungen von Bund und Land nicht zunahmen. „Ein strukturelles Defizit der kommunalen Finanzierung“, sagt Guilherme Oliveira von den Grünen dazu. Aktuell stemmt die Stadt millionenschwere Projekte wie die Erweiterung und Sanierung der Realschule Renningen und der Friedrich-Silcher-Schule in Malmsheim.

Ist nun auch in Renningen striktes Sparen angesagt? „Wir haben uns alle an den ‚Renninger Standard’ gewöhnt“, sagte Melanie Lederer als Sprecherin der größten Fraktion im Rat, der Freien Wähler. In guten Zeiten habe dieser Standard Dinge über die reine Notwendigkeit und Pflichtaufgaben hinaus möglich gemacht. „Aber in Anbetracht der nackten Zahlen werden wir diesen Standard überdenken müssen“, sagte Lederer.

Sie ist nicht die einzige, die das so sieht. Investitionen priorisieren, Bauvorhaben auf den Prüfstand stellen, neue Einnahmequellen für die Gewerbesteuer erschließen – diese Mahnungen zogen sich durch fast alle Reden zum Haushalt 2026.

Renningen habe „ein überdurchschnittlich großes Aufgabenspektrum“

„Wir können nicht mehr alles finanzieren, was wünschenswert wäre. Wir müssen heute entscheiden, was für unsere Gemeinde unverzichtbar ist“, so Sascha Bossinger von der AfD. Die Stadt Renningen habe für ihre Größe ein überdurchschnittlich großes Aufgabenspektrum, sagte Anke Haug und zählte freiwillige Leistungen wie das Freibad, die Mediathek und die Musikschule auf, aber auch die Sozialstation, das zweite Bürgeramt in Malmsheim und das eigene Integrationsmanagement.

Könnten Freibad, Mediathek und Musikschule also bald auf einer Streichliste landen? Vorerst wohl nicht. „Es sind Angebote, auf die wir in unserer Stadt nicht verzichten möchten, auch wenn es finanziell enger wird“, betonte etwa Resi Berger-Bäuerle für die Fraktion Frauen für Renningen.

Einhellig sprachen sich die Gemeinderäte gegen eine Erhöhung der Gewerbesteuer oder der Grundsteuer aus. Stattdessen richtete man den Fokus vor allem auf zwei Dinge: anstehende Investitionen auf den Prüfstand stellen und priorisieren sowie neue Einnahmequellen erschließen.

SPD in Renningen: „Sparen ja – aber ohne Stillstand“

Dazu gehörten etwa die Fragen, wann die ehemalige Volksbank zum neuen Rathaus umgebaut werden soll oder wie groß das geplante neue Gewerbegebiet an der B 295 ausfallen könnte. Oliver Schmiedeberg warb für die gezielte Ansiedlung von Start-ups, vielleicht sogar als Gründerzentrum.

„Maß und Mitte“, mahnte hierbei Thomas Mauch für die SPD an, der wie die anderen Redner die sach- und lösungsorientierte Zusammenarbeit im Rat und mit der Verwaltung lobte. Er fügte hinzu: „Sparen ja! Aber kein kommunalpolitischer Stillstand.“ Und so stimmte der Rat bei einer Enthaltung (AfD) dem Haushalt für 2026 zu.

Haushalt in Renningen

Plan für 2026
Die ordentlichen Erträge belaufen sich auf 69,3 Millionen Euro: Darunter sind 21 Millionen Gewerbesteuer, 17,5 Millionen aus der Einkommenssteuer und 10,9 Millionen Euro als Zuweisungen von Bund und Land. 5,8 Millionen Euro werden als Nutzungsgebühren eingenommen. Dem gegenüber stehen Ausgaben von 80,5 Millionen Euro. Davon sind 28,9 Millionen Euro Personalkosten, 16 Millionen Euro Kreisumlage und 10,9 Millionen für den kommunalen Finanzausgleich.

Investitionen
25,6 Millionen Euro will Renningen 2026 investieren, davon 23,3 Millionen für Baumaßnahmen. 7,8 Millionen entfallen auf die Friedrich-Silcher-Schule, 6,5 Millionen auf die Realschule, 2,1 Millionen auf den Kindergarten Merklinger Straße sowie 1,9 Millionen Euro auf zwei Flüchtlingsunterkünfte.

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