Haushalt im Backwahn Dann soll er halt gehen!

Braucht viel Aufmerksamkeit: Teig im Gärkorb. Foto: imago/Zoonar/Ingrid Balabanova

Kolumnist KNITZ über ein neues Familienmitglied, das noch keinen Namen hat, aber ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommt.

Nein, nein und noch mal nein! Eins will KNITZ gleich von vornherein klarstellen: Er ist nicht eiversichtig! Er weiß ja nicht mal, wie man das schreibt.

 

Auch hat er nicht das Gefühl, dass er zu kurz kommt. Es geht ihm nur um eine objektive Bestandsaufnahme dessen, was da gerade in seinem nahen Umfeld geschieht.

Als gärendes Etwas kam er ins Haus

Seit Kurzem gibt es im Haushalt von KNITZ einen neuen Mitbewohner. Und wenn KNITZ bedenkt, wie viel Aufmerksamkeit diesem geschenkt wird, dann ist er geneigt, von einem neuen Familienmitglied zu sprechen. Obwohl der Genosse noch nicht einmal einen Namen hat. KNITZ jedenfalls ist keiner zu Ohren gekommen.

Die Rede ist von einem Klumpen Sauerteig. Als gärendes Etwas kam das Ding ins Haus, in einer Art Schnapsglas mit Schraubverschluss. Kaum größer als ein halbe Kugel Eis. Das Geschenk eines Freundes, hieß es, der seit Jahren sein Brot selber backt und – jetzt spricht KNITZ – auf dem besten Weg ist, den Bäckern in seinem Viertel den Garaus zu machen. Früher gegen Großkonzerne auf die Barrikaden gehen, jetzt das Handwerk ruinieren! Aber, nein, KNITZ wollte sich nicht aufregen!

Kennt noch wer den Hermann?

Neu ist die Sache nicht. KNITZ erinnert sich noch an die Achtzigerjahre, als es in bestimmten Kreisen en vogue war, einen Sauerteigansatz namens Hermann für einen Kuchen zu verschicken. KNITZ blieb davon verschont. Hätte ihn je so ein Batzen Hermann erreicht, KNITZ hätte keinen Finger gerührt, um das Ding am Leben zu halten. Als bekennender Kettenbriefhasser hätte er ihn aufgefressen. Basta!

Doch zurück zu dem namenlosen Schleim, der sich gerade in der Speisekammer breit macht. Es heißt, so ein Teig brauche Ruhe. Er müsse gehen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. So ein Teig will gehätschelt und getätschelt werden. Nicht irgendwann. Sondern nach einem genauen Plan. KNITZ denkt jetzt nur mal laut darüber nach, was er zu hören bekommen hätte, wenn er jemals verlangt hätte, um eine bestimmte Uhrzeit geknetet oder massiert zu werden.

Schlimmer als die Tamagotchis

Da fällt ihm ein: Gibt es eigentlich noch Tamagotchis, diese Hightech-Nervensägen in Eiform, die ständig nach Zuwendung geschrien haben? KNITZ kann Ihnen sagen, so eine alles vereinnahmende Biomasse ist um kein Deut besser und im Gegensatz zu KNITZ alles andere als pflegeleicht. Ob es in der Wohnung wohl warm genug ist, bekam KNITZ neulich zu hören. Der Teig gehe gar nicht richtig. Wurde KNITZ jemals gefragt, ob er winters in seinem T-Shirt fröstelt?

Und wie reagieren Bäcker auf den schleichenden Ausverkauf ihres ehrenwerten Handwerks? Neulich hat KNITZ von einem Bäck’ gehört, der seiner Kundschaft Brotbackkurse (!) anbietet. Geht’s noch?! Das wäre ja, als würde KNITZ seine Leserschaft zu einem Glossen-Seminar einladen.

Ist der Teig reif für die Taiga?

Verstehen Sie KNITZ bitte nicht falsch! Er ist nicht sauer auf den Sauerteig. Auch spielt er nicht mit dem Gedanken, den Teig in die Taiga zu schicken. KNITZ lässt den Teig Teig sein. Denn wer der Tiger (sprich Teiger) im Haus ist, dürfte klar sein.

So, KNITZ geht jetzt zum Bäcker seines Vertrauens. Und holt sich eine dicke, fette Schneckennudel.

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