Haushalt in Baden-Württemberg Kein Geld für Ausbau der Landesbibliothek

Von Claudia Leihenseder 

Im Landeshaushalt 2013/14 gibt es nur 1,5 Millionen Euro Planungsmittel für den Ausbau der Landesbibliothek. Der schon lange geplante Neubau würde aber 25 Millionen Euro kosten. Bibliotheksdirektor Hannsjörg Kowark ist entsetzt: „Wenn das so bleibt, dann ist diese Bibliothek am Ende.“

So soll der geplante Anbau aussehen, dahinter ist in der Illustration der Turm der Musikhochschule zu erkennen. Foto: Aldinger und Wolff
So soll der geplante Anbau aussehen, dahinter ist in der Illustration der Turm der Musikhochschule zu erkennen. Foto: Aldinger und Wolff

Stuttgart - Die Landesbibliothek Baden-Württemberg muss offensichtlich noch länger auf ihren ersehnten Erweiterungsbau an der Konrad-Adenauer-Straße warten. Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg bestätigte am Dienstagnachmittag erste Hinweise, die der Stuttgarter Zeitung zugetragen worden waren. Demnach sind im Haushalt 2013/14 des Landes die Mit­tel  für den Erweiterungsbau nicht enthalten.

„Der Erweiterungsbau ist nicht gestorben“, betonte Daniel Abbou, der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums. Damit die Planungen fortgeführt werden können, seien 1,5 Millionen Euro an Planungsmitteln im Haushalt vorgesehen. Wann allerdings gebaut werden kann, ist demnach völlig offen. Frühestens 2015, beim nächsten Landeshaushalt, könnten die Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden.

Neubau soll 25 Millionen Euro kosten

Dabei befasst sich die Landesbibliothek seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema Erweiterungsbau. Geplant war und ist, direkt an der ­Konrad-Adenauer-Straße auf dem Gelände der bisherigen Tiefgarage einen Neubau zu erstellen. Kostenpunkt: 25 Millionen Euro. Für den Abriss und Neubau der Tiefgarage sollen noch mal mindestens zehn Millionen Euro dazukommen. Schließlich soll die Parkgarage so gebaut werden, dass sie von 2030 an, wenn mehr Platz für neue Bücher gebraucht wird, zu einem Büchermagazin umgerüstet werden kann.

Noch Anfang Mai standen die Zeichen gut, dass der Erweiterungsbau im Jahr 2013 in Angriff genommen werden und die Inbetriebnahme rechtzeitig zum 250-Jahr-Jubiläum der Institution im Jahr 2015 stattfinden könnte. Bei einem Besuch des Staatssekretärs Jürgen Walter aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst betonte dieser, dass die „Erweiterung der Landesbibliothek in Stuttgart mit zu den prioritären Baumaßnahmen im Kunstbereich“ gehöre.

Finanzministerium in der Zwickmühle

Ein knappes halbes Jahr später hat sich das Blatt gewendet: „Wenn man sparen will, muss man sich entscheiden, was man macht“, sagt Daniel Abbou aus dem Finanzministerium und zitiert seinen Minister Nils Schmid mit den Worten: „Die Politik des Gehörtwerdens ist leider nicht immer die Politik des Erhörtwerdens.“ Irgendwo müsse man enttäuschen, gibt Abbou zu bedenken.

Das spürt nun die Landesbibliothek und mit ihr vor allem ihr Direktor Hannsjörg Kowark. Dieser nimmt deutliche Worte in den Mund: „Wenn das so bleibt, dann ist diese Bibliothek am Ende.“ Man warte seit Jahren auf strukturelle Verbesserungen. Derzeit seien sieben Fachplaner mit Statik, Klima oder Buchwesen und damit mit dem Feinschliff der Erweiterungspläne beschäftigt. Im August seien die Bauunterlagen eingereicht worden. Noch vor Kurzem habe man fest mit einem Baubeginn gerechnet.

Bibliotheksleiter weist auf Konsequenzen hin

Kowark bleibt nur, auf die zahlreichen Konsequenzen dieser Entscheidung hinzuweisen. Denn die Landesbibliothek droht aus allen Nähten zu platzen. Jahr für Jahr nimmt das Haus 70 000 bis 90 000 neue Bücher und andere Medien in den Bestand auf. Ende 2014 wird kein Platz mehr sein. Schon jetzt agiert die Bibliothek mit zwei Außenlagern und hat keine Präsenzbibliothek, wie es andernorts üblich ist. Der Rechnungshof habe, so Kowark, die Umstände in seiner Bibliothek bereits moniert. Viel Geld werde für die Miete der Lager, den Bücherfahrdienst und zusätzliches Personal ausgegeben.

Ein weiterer Mangel sind die wenigen Arbeitsplätze, welche die Labi ihren Nutzern zur Verfügung stellen kann. „Bibliotheken haben sich zu sozialen Treffpunkten und Lernorten entwickelt“, sagt Kowark. Man habe überall versucht, Plätze zu schaffen. Mehr sei in dem alten Gebäude allerdings nicht möglich. Und dann kommt noch zu alledem der Zustand des in die ­Jahre gekommenen Altgebäudes hinzu, das ebenfalls saniert werden müsste. Kowark hat große Sorge um seine Institution: „Wir müssen irgendetwas machen. Man kann das nicht kampflos hinnehmen.“

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