Haushaltsberatungen Stadträte wollen die Jugendfarm retten

Von Torsten Ströbele 

Im Gemeinderat zeichnet sich eine Mehrheit ab: 370 000 Euro für ein neues Gebäude beantragt.

Alexander Nickel, der Vorsitzende des Jugendfarmvereins Foto: Torsten Ströbele
Alexander Nickel, der Vorsitzende des Jugendfarmvereins Foto: Torsten Ströbele

Stuttgart-Zuffenhausen - Alexander Nickel muss erst einmal tief durchatmen. Dem Vorsitzenden des Jugendfarmvereins auf der Zuffenhäuser Schlotwiese fällt ein großer Stein vom Herzen. Seit Monaten kämpft er gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen darum, dass die Stadträte im kommenden Doppelhaushalt weitere 370 000 Euro für den dringend benötigten Neubau an der Hirschsprungallee bereit stellen. Seit Donnerstag weiß Nickel, dass die Chancen sehr gut stehen.

Zwar landete das Projekt vor wenigen Wochen im Rahmen des diesjährigen Bürgerhaushalts auf Platz 22. Aber trotz dieses Erfolgs hat es der Neubau nicht in den Haushaltsentwurf von Oberbürgermeister Fritz Kuhn geschafft. Das Zittern und Bangen ging in die nächste Runde. Die Gemeinderatsfraktionen wurden kontaktiert. Die Werbetrommel wurde noch einmal gerührt. Mit Erfolg. Die Mehrheit der Stadträte möchte die Finanzierung des Neubaus im kommenden Doppelhaushalt sichern. Am Donnerstag haben die Lokalpolitiker ihre Haushaltsanträge eingebracht. Unter anderem unterstützt Bündnis 90/Die Grünen – mit 16 Stadträten stärkste Fraktion im Rat – die Neubaupläne: „Die Jugendfarm Zuffenhausen braucht dringend ein neues Farmhaus. Aufgrund der hohen Nutzer*innen-Zahl und wegen der veralteten technischen Ausstattung hätte sie eigentlich geschlossen werden müssen. Und ohne das Farmhaus funktioniert das Konzept der Jugendfarm nicht“, heißt es in dem Antrag. Auch die Freien Wähler (4), die „Puls“-Fraktionsgemeinschaft (4), die SPD (7) und die linke „Fraktion“ (8) wollen den Neubau 2020 unterstützen.

Schon beim ersten Bürgerhaushalt im Jahr 2011 schaffte es das Neubauprojekt auf Platz 2 der Prioritätenliste aller Stuttgarter Anträge, was eine Bereitstellung von 250 000 Euro durch den Gemeinderat zur Folge hatte. „Mit viel Energie und Aufwand hat der damalige Vorstand das Projekt über die Jahre begleitet, das schließlich im Jahr 2017 aufgrund der fehlenden Voraussetzungen für eine Genehmigung des damaligen Bauplans scheitern sollte“, heißt es im Antrag der „Fraktion“: „Mit dem Rücktritt des Vorstands stand nicht nur das Projekt Neubau, sondern auch die gesamte Einrichtung vor dem Aus. Nicht zuletzt durch die große Unterstützung von Seiten der Öffentlichkeit machte der Gemeinderat mit seinem Aufstellungsbeschluss den Weg frei für einen neuen Anlauf zum Projekt Neubau, den der Ende 2017 neu gewählte Vorstand des Trägervereins seit knapp zwei Jahren mit großem Engagement begleitet hat.“

Das größte Hindernis bleibe aber die Finanzierung des Vorhabens. Und ohne eine grundlegende Neubebauung des seit über 40 Jahre bestehenden, teilweise provisorischen Gebäudes, „können die immer weiter steigenden Ansprüche an eine heutige Jugendfarm, wie Kernzeitbetreuung, Inklusion und weiteres, nicht erfüllt werden“, schreibt die „Fraktion“.

Jedes Jahr kommen rund 12 000 Mädchen und Buben auf die Zuffenhäuser Jugendfarm. Tendenz steigend. Sie spielen auf dem Freigelände, bauen Hütten, reiten, grillen, nutzen die Werkstatt, basteln, streicheln die Hasen oder füttern die Schweine und Schafe. „Wir haben zudem Kooperationen mit Kitas und Schulen, sind Bestandteil des Stundenplans und bieten zusätzlich auch Ferienbetreuung an“, sagt Alexander Nickel. „Wir stehen für Inklusion und Integration.“

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