Die Stadt Stuttgart muss viel und schnell sparen. Rund 630 Millionen Euro weniger muss der nächste Haushalt umfassen, hat Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper jüngst bestätigt. Abstriche werden überall kommen. Dies alarmiert auch die Kunstszene in der Stadt. In einem gemeinsamen Brief haben sich jetzt Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Kunstbühnen sowie freie Kulturschaffende an den Kulturausschuss des Gemeinderats gewandt.
Um was geht es? Tatsächlich hat Stuttgart in den vergangenen Jahren in Kernbereichen über eine betont dezentrale Ausrichtung eine Kunstförderung entwickelt, die national Modellcharakter hat. Nun heißt es in dem Schreiben: „Mit Sorge blicken wir auf die kommenden Haushaltsverhandlungen.“
„Klug und umsichtig“, loben die Unterzeichnenden – darunter Peter Haury vom jüngst wieder enorm nachgefragten Ausstellungsforum Oberwelt, Iris Dressler und Hans Christ als Direktoren des renommierten Württembergischen Kunstvereins oder Jutta Störl Striez als Lenkerin des Verbands Bildender Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg, habe das Kulturamt in den vergangenen Jahren agiert. Die Position ist klar: „Wir halten die Aufrechterhaltung der derzeitigen Förder-Budgets auf der Basis der Arbeit des Kulturamtes für unverzichtbar“, heißt es in dem Schreiben. Und: „Die Attraktivität des Standort Stuttgart wird auch und maßgeblich durch die Qualität und Quantität des kulturellen Angebotes in der Stadt geprägt.“
Vorbildhaft ist tatsächlich die vor drei Jahren auf den Weg gebrachte Ausstellungsgrundvergütung. Auf Bühnen der Stadt ermögliche diese eine „faire Bezahlung der Künstlerinnen und Künstler, die vorbildlich ist und weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen wird“. Vorbildhaft sei auch das Engagement für die Kunst im öffentlichen Raum. Tatsächlich war mit Geldern auch aus diesem Bereich etwa das Engagement für die öffentliche Vermittlung des Schicksals des 1946 in Stuttgart-West bei einer Razzia getöteten Auschwitz-Überlebenden Shmuel Dancyger erst möglich geworden. Die Einweihung des Shmuel-Dancyger-Platzes an dem einstigen Tatort zwischen Reinsburgstraße und Rotenwaldstraße schließt das Projekt einer öffentlichen Skulptur vorläufig ab.
„Kürzungen schädigen kulturelle Selbstverständnis der Stadt“
„Beide Instrumente“ – die Ausstellungsgrundvergütung und die Förderung der Kunst im öffentlichen Raum – seien „wesentliche Säulen für eine lebendige, sichtbare und inklusive Kulturlandschaft“, heißt es in dem Brief an den Kulturausschuss. Und : „Sie fördern lokale Initiativen und Innovationen und tragen maßgeblich zur regionalen und internationalen Strahlkraft Stuttgarts bei.“ Das Fazit der Unterzeichnenden: „Kürzungen an dieser Stelle würden nicht nur die künstlerische Qualität mindern, sondern auch das kulturelle Selbstverständnis der Stadt langfristig schädigen.“ Ob zunächst einmal der Kulturausschuss der Stadt Stuttgart dies auch so sieht, wird sich in dessen nächsten Sitzungen zeigen.