Der Denkendorfer Haushaltsplan für 2026 wurde einstimmig vom Gemeinderat verabschiedet. Die SPD will die automatische Erhöhung der Kitagebühren aussetzen.
Ulrike Rapp-Hirrlinger
04.03.2026 - 14:50 Uhr
Der Denkendorfer Haushaltsplan für 2026 sieht mit 6,3 Millionen Euro wesentlich geringere Investitionen vor als 2025. Im Vorjahr waren es noch gut zehn Millionen mehr.
Den Einnahmen von 35,1 Millionen Euro stehen Ausgaben von 36,9 Millionen Euro gegenüber – ein Minus von 1,8 Millionen. Dieses müsse aus den Rücklagen ausgeglichen werden, erklärte Kämmerin Beate Ludwig bei der Einbringung des Haushalts. Der Bürgermeister Ralf Barth zeigte sich jedoch, wie auch etliche Gemeinderäte, zuversichtlich, dass sich die Zahlen etwa durch höhere Steuereinnahmen positiver entwickeln werden und das Defizit geringer ausfällt.
Auch in diesem Jahr kommt die Kommune ohne Kreditaufnahmen und Steuererhöhungen aus. Zudem ist Denkendorf seit Jahren schuldenfrei und verfügt zum Jahresende laut Plan über liquide Mittel in Höhe von 18,2 Millionen Euro.
Zu den größten Investitionen gehören in diesem Jahr die Erschließung des neuen Wohngebiets Wasserreute mit rund 750 000 Euro und der Umbau des Albrecht-Bengel-Kindergartens, für den circa 500 000 Euro veranschlagt sind. 450 000 Euro sollen in die Sanierung des Freibads gesteckt werden. Andererseits erwartet man aus Grundstücksverkäufen in der Wasserreute rund 1,3 Millionen Euro.
„Solide“, „verantwortungsvoll, aber mit neuen Herausforderungen“ und „kein Anlass für Weltuntergangsstimmung“ – die Urteile der Fraktionen und Gruppen im Gemeinderat über den Etat für das Haushaltsjahr 2026 zeugen von Zuversicht und Zustimmung. Und so konnte das Zahlenwerk einstimmig verabschiedet werden.
SPD: „Kinderbetreuung muss künftig kostenfrei werden“
Allein die SPD stellte einen haushaltswirksamen Antrag. Sie möchte die automatische Fortschreibung beziehungsweise Erhöhung der Kitagebühren für das kommende Haushaltsjahr auszusetzen. Dies soll durch eine sogenannte globale Minderausgabe gegenfinanziert werden. Eine Erhöhung entsprechend den Empfehlungen der kirchlichen und kommunalen Träger würde angesichts hoher Lebenshaltungskosten und wirtschaftlicher Schwierigkeiten für eine zusätzliche finanzielle Belastung vieler Familien führen, so Barbara Fröhlich. Die Aussetzung der Gebührenerhöhung stelle jedoch keine grundsätzliche Abkehr von der bisherigen Gebührenstruktur dar, betonte sie. Der Besuch eines Kindergartens dürfe jedoch keine Frage der finanziellen Leistungsfähigkeit sein: „Kinderbetreuung muss künftig kostenfrei werden, damit allen Kindern gleiche Bildungschancen offenstehen“, forderte Fröhlich.
Das sieht CDU-Fraktionschef Peter Nester ganz anders: „Ist es sozial, wenn die hier erbrachte Betreuung von Kindern von der Allgemeinheit voll finanziert wird?“, fragte er und verwies auf die Gebührenstaffelung nach Einkommen und darauf, dass der Elternbeitrag nicht einmal einem Deckungsgrad von 20 Prozent entspreche.
Bürgermeister Ralf Barth zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Zahlen etwa durch höhere Steuereinnahmen positiver entwickeln werden Foto: urh
Wohnraum zu schaffen, ist ein Anliegen aller Fraktionen und Gruppierungen. Zwar geht es mit der Erschließung des neuen Wohngebiets Wasserreute zügig voran, doch dort wird in der Mehrzahl wohl kein bezahlbarer Wohnraum entstehen.
Auf dem ehemaligen Bauhof-Areal, wo ein neues Wohnquartier geplant ist, sieht der Vorsitzende der FWV-Fraktion, Frank Obergöker, dafür eine Chance. „Auf gemeindeeigenen Flächen sollen gezielt bezahlbarer Wohnraum sowie auch Formen des Mehrgenerationenwohnens ermöglicht werden“, so die Forderung der Freien Wähler. Auch die Grünen plädieren für eine innerörtliche Verdichtung. Der Flächenverbrauch müsse auf ein Minimum reduziert und vorhandene Potenziale innerorts effektiv genutzt werden, sagte Matthias Schöllkopf. Er möchte, ebenso wie die SPD, die Einführung der Grundsteuer C für unbebaute aber baureife Grundstücke, 2027 erneut diskutieren.
Sanierung des Freibads soll 7,8 Millionen Euro kosten
Eines der nächsten Großprojekte der Kommune wird die Sanierung des Freibads, für die rund 7,8 Millionen Euro veranschlagt sind. Als wichtigen Bestandteil der kommunalen Infrastruktur sehen nicht nur die Freien Wähler das Bad im Körschtal. „Wir stehen zum Erhalt unseres Freibads. Zugleich erwarten wir durch die technische Erneuerung und die Sanierung auch eine deutlich bessere Energieeffizienz, die künftig dazu beitragen wird, den Energieverbrauch und damit die laufenden Betriebskosten spürbar zu senken“, sagte Obergöker. Trotz der hohen Kosten für die Sanierung sei das Freibad nicht aus dem Ort wegzudenken, betonte auch Schöllkopf. Auch für die CDU steht es laut Nester außer Frage, sowohl das Kinderbecken als auch das Sprungbecken zu erhalten. Die SPD wünscht sich beim Freibad eine Übernachtungsmöglichkeit für Wohnmobile samt Entsorgungsstation.
Eine Seilbahn von Denkendorf nach Esslingen?
Neben dem Antrag der SPD zu den Kinderbetreuungsgebühren wurden auch einige Anregungen eingebracht: Die CDU bittet die Verwaltung zu prüfen, ob an den bekannten öffentlichen Brennpunkten eine Videoüberwachung möglich wäre. Die Freien Wähler schlagen vor, über alternative Verkehrssysteme nachzudenken und für ein vergleichsweises kurzes Verbindungsstück, etwa vom Rand Denkendorfs zu einer möglichen Haltestelle in Esslingen-Berkheim, eine Seilbahn als Alternative zur klassischen Schienenanbindung in Betracht zu ziehen.
Den SPD-Antrag wie auch alle Wünsche und Anregungen werde die Gemeinde nun aufgreifen und spätestens in der übernächsten Gemeinderatssitzung auf die Tagesordnung setzen, erklärte der Bürgermeister.
In was die Gemeinde noch investiert
Kindertagesstätten Knapp 6,9 Millionen Euro übernimmt die Gemeinde vom Abmangel des Evangelischen Kleinkinderpflegevereins, Träger von insgesamt neun Kinderbetreuungseinrichtungen am Ort. Die Katholische Kirchengemeinde erhält für die von ihr getragene Kita gut 580 000 Euro.
Musikschule Als Ausgleich für nicht durch Einnahmen gedeckte Ausgaben bekommt die Musikschule maximal knapp 170 000 Euro.
Kinder- und Jugendzentrum Das Focus kann mit einem Sachkostenzuschuss von maximal 10 000 Euro rechnen.
Vereine Mit bis zu 6500 Euro kann die Arbeitsgemeinschaft Denkendorfer Vereine (ARGE) für die Durchführung des Weihnachtstreffs rechnen. Für Anschaffungen und Sanierungen bekommt der TSV Denkendorf rund 3200 Euro. Dem RKV wurden für den Betrieb und die Unterhaltung der Löcherhaldenturnhalle, die Anschaffung einer Balkonsolaranlage und weitere Investitionen rund 8900 Euro bewilligt.