Haussegen für die Stadt Waiblingen Bürgerstiftung erbt alte Villa

Von Annette Clauß 

Eine Waiblingerin hat der Bürgerstiftung ihre Villa per Testament vermacht. Die Stadt sagt, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude lasse sich nicht öffentlich nutzen. Daher soll das Haus verkauft werden.

Die Villa eignet sich laut der Stadt nicht für eine öffentliche Nutzung. Foto: Stoppel
Die Villa eignet sich laut der Stadt nicht für eine öffentliche Nutzung. Foto: Stoppel

Waiblingen - Die Bürgerstiftung Waiblingen hat ein Haus in der Bahnhofstraße geerbt. Das hat der Oberbürgermeister Andreas Hesky am Montag auf Nachfrage bestätigt. Die Besitzerin der alten, unter Denkmalschutz stehenden Villa, eine betagte Waiblingerin, war im Oktober vergangenen Jahres gestorben. In ihrem Testament hatte die Frau ihr Wohnhaus samt großem Garten der Stadt vermacht.

Nach den derzeitigen Plänen der Stadtverwaltung soll das geerbte Haus, das auch als „Villa Sixt“ bekannt ist und von der Denkmalschutzbehörde ebenso wie beispielsweise das benachbarte Amtsgericht Waiblingen als ein sogenanntes „einfaches Kulturdenkmal“ klassifiziert wurde, verkauft werden. Den Erlös will man dazu nutzen, das Kapital der Bürgerstiftung zu erhöhen. „Eine öffentliche Nutzung des Gebäudes wäre nicht machbar“, sagt der Oberbürgermeister, darauf angesprochen, ob die Räume nicht von der Stadtverwaltung bezogen werden könnten. Das Haus sei aus verschiedenen Gründen ausschließlich privat nutzbar, sagt Hesky. So sei das Gebäude beispielsweise nicht barrierefrei und erfülle auch nicht die geltenden Brandschutzbestimmungen.

Immobilienmakler ist eingeschaltet

„Die Erblasserin wollte, dass das Haus erhalten bleibt“, so Hesky, „jetzt suchen wir einen Käufer dafür.“ Einen Immobilienmakler habe die Stadtverwaltung bereits eingeschaltet – „wir brüten derzeit über dem Vertrag“.

Vor nahezu genau einem Jahr hatte der Oberbürgermeister in einem Gespräch mit unserer Zeitung zum Thema Bürgerstiftung gesagt: „Wir würden uns freuen, wenn wir ein Haus geschenkt bekämen.“ Denn angesichts der schlechten Zinsen, die Anleger bekommen, fehlen der Bürgerstiftung Waiblingen wie vielen anderen solcher Stiftungen zunehmend Erträge.

Daher hatte die Stadt Waiblingen in der Vergangenheit beschlossen, den Netto-Erlös einer Wohnung, die im Rahmen einer Schenkung in städtisches Eigentum gekommen war, für soziale Zwecke der Bürgerstiftung in Form einer jährlichen Spende für laufende Zwecke zur Verfügung zu stellen. Der aus den Mieterträgen zur Verfügung stehende Betrag beläuft sich auf rund 4000 Euro jährlich.

Die im Jahr 2004 gegründete Bürgerstiftung Waiblingen verfügt laut ihrem letzten öffentlich gemachten Geschäftsbericht – dem für das Jahr 2014 – über ein Kapital von knapp 213 000 Euro. Wegen des niedrigen Zinsniveaus hatte der Stiftungsvorstand für das vergangene Jahr beschlossen, verstärkt um Spenden zu werben und das Stiftungskapital weiter zu erhöhen. Sollte der Verkauf der Villa in der Bahnhofstraße, die einst die bevorzugte Adresse der Vornehmen und Betuchten in Waiblingen war, glatt über die Bühne gehen, dann wäre dieses Ziel erreicht.