Am 7. Juli war Trainingsauftakt – nun steht der HB Ludwigsburg vor einer ungewissen Zukunft. Foto: Baumann
Die Nachricht, dass Handball-Bundesligist HB Ludwigsburg einen Insolvenzantrag gestellt hat, sorgt weiter für Diskussionen. Nun wird klarer, warum es dazu kam.
Am Dienstagabend war zur Krisensitzung geladen worden. Der Grund: ein trauriger für alle Beteiligten. Noch gibt es zwar sowohl die Hoffnung als auch die Bemühungen, dass am Standort Ludwigsburg weiter Spitzenhandball der Frauen geboten werden kann, zunächst allerdings musste über große Unsicherheiten informiert werden. Denn: Die HB Ludwigsburg GmbH & Co. KG, der Serienmeister der vergangenen Jahre, hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.
„Uns haben die richtigen Leute einen Überblick gegeben“, sagt nun Xenia Smits. Die Handballerin des Jahres 2024 in Deutschland spielt seit 2020 für die SG BBM Bietigheim und HB Ludwigsburg – vor einem Jahr ging die Lizenz vom einen an den anderen Verein über – und hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie das auch weiter tun kann. „Wir drücken alle Daumen und hoffen auf eine Lösung in naher Zukunft.“
Ob es diese geben kann, ist offen. Am Dienstagabend bestätigte die Clubführung, was am Nachmittag zunächst von unserer Redaktion berichtet worden war. Als Grund für den Insolvenzantrag wurde vom bisherigen Geschäftsführer Sebastian Götz genannt, dass aussichtsreiche Gespräche mit Sponsoren zuletzt nicht zu einem finanziellen Engagement geführt hätten. Warum dies gleich derart vehemente Auswirkungen hat? Das hat mit dem bisherigen Hauptsponsor zu tun.
Das Textilunternehmen Olymp mit dessen Seniorchef Eberhard Bezner ist seit Jahren der größte Förderer des Frauenhandballs, erst in Bietigheim, dann in Ludwigsburg. Doch zuletzt reduzierte der Hemdenhersteller sein Engagement. „Im Zuge der veränderten und herausfordernden Rahmenbedingungen im Modemarkt sowie unserer angestrebten Transformation vom Produktspezialisten zur Lifestyle-Brand haben sich auch die Anforderungen an unsere Markenkommunikation gewandelt“, sagt Mark Bezner in einer aktuellen Mitteilung des Unternehmens. Der geschäftsführende Gesellschafter ergänzt: „Daher haben wir unsere Marketingaktivitäten im Bereich des Sportsponsorings reduziert, um die freiwerdenden Mittel gezielter für andere Kommunikationsmaßnahmen einzusetzen.“
Seit Jahren ein Förderer des Frauenhandballs in Bietigheim und Ludwigsburg: Eberhard Bezner Foto: Baumann
Eine spontane Entscheidung in dieser Sommerpause war das nicht. „Über diese unternehmerische Entscheidung sowie den Umfang und Zeitplan haben wir uns bereits im Juni 2024 frühzeitig mit dem Vorstand der HB Ludwigsburg abgestimmt und uns auf die sukzessive Reduktion unseres Sponsorings ab der Saison 2025/2026 verständigt und diese vertraglich festgelegt“, betont Mark Bezner, der es „äußerst bedauerlich“ findet, „dass es dem Verein trotz dieses offenen und fairen Austauschs im Verlauf der vergangenen Monate nicht gelungen ist, etwaige Möglichkeiten zur Kompensation auszuloten oder neue Sponsoren zu gewinnen“. Die „erforderliche Vorlaufzeit“ sei gegeben gewesen.
Nun ist die Herausforderung, das wankende Schiff auf Kurs zu halten, größer denn je. HB Ludwigsburg hat auch für die neue Saison einen Top-Kader zusammengestellt, will weiter um Titel spielen. Aber: Das hat seinen Preis – der aktuell nicht bezahlt werden kann. Der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Leichtle der Kanzlei Görg muss nun klären, ob und wie es weitergehen kann.
OB Matthias Knecht bedauert die Entwicklung
„Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, aber die Saisonvorbereitung läuft planmäßig“, sagte er in einem ersten Statement, „unser Ziel ist es, Voraussetzungen für eine Fortführung des Handballstandorts Ludwigsburg zu schaffen.“ Das wäre auch im Sinne der Stadt.
„Es wäre sehr schade für die Sportstadt Ludwigsburg, für die HBL, die Trainer, die Spielerinnen und natürlich für die Fans, wenn diese zu einem Aus der Damen-Profimannschaft führen würde“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht, „die Mannschaft ist im Verein und in der Stadt unheimlich gut angekommen – nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch daneben.“ Ludwigsburg habe „enorm profitiert“, betont er.
Erst vor einem Jahr ist die Lizenz für den Spielbetrieb des Frauenteams von der SG BBM Bietigheim auf die HB Ludwigsburg GmbH & Co. KG übergegangen. Der Schritt nach Ludwigsburg war auch verbunden mit der Hoffnung auf ein noch besseres Sponsoren-Umfeld.
Nun aber bestätigt auch Knecht die Reduzierung des Engagements von Olymp: „Das war bekannt.“ Die Stadt sei seitdem gemeinsam mit anderen regionalen Förderern sogar dabei behilflich gewesen, Möglichkeiten zu finden, damit die Lücke im Etat geschlossen werden kann. „Aufgrund der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage blieben die Gespräche leider erfolglos – zumal es bei einem Champions-League-Teilnehmer und deutschen Meister um siebenstellige Summen geht“, sagt der Oberbürgermeister. In der vergangenen Woche habe dann ein „überregionales Unternehmen vor Vertragsunterschrift abgesagt“, danach habe der Verein „die Reißleine gezogen“.
Das sei, ergänzt Knecht, „eine bittere Entwicklung“. Nach wie vor hofft auch er, dass Ludwigsburg Bundesliga-Standort im Frauenhandball bleiben kann. Er weiß aber auch: Selbst, wenn das gelingen sollte, wird das sportliche Niveau leiden: „Hier wird man Abstriche machen müssen.“
Am 23. August soll HB Ludwigsburg das Spiel um den Supercup bestreiten, eine Woche später in die neue Bundesliga-Saison starten. Die Spielerinnen hängen zwar größtenteils am Team in der Barockstadt, werden sich nun aber sicher auch Gedanken über Alternativen machen. Der Zeitdruck ist dabei allerdings überschaubar. Im Handball sind bis in den Februar hinein Vereinswechsel möglich.
Vor allem die Nationalspielerinnen brauchen aber sicher früher Klarheit – mit Blick auf die Handball-WM in Deutschland und in den Niederlanden (ab 26. November) kann sich da kaum eine eine Hängepartie oder eine längere Phase ohne Club leisten.