HBW Balingen-Weilstetten im Final Four des DHB-Pokals Axel Kromer: „Durch Arminia Bielefeld fühlen wir uns gepusht“

Axel Kromer ist seit 1. Februar offiziell Geschäftsführer von Zweitligist HBW Balingen-Weilstetten. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Marco Wolf

Zweitligist HBW Balingen-Weilstetten steht im Final Four um den DHB-Pokal in Köln, möchte dieses Handball-Spektakel genießen und sich bestmöglich verkaufen. Was erwartet Geschäftsführer Axel Kromer? Wie sieht er die Zukunft des Clubs?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Was für ein Wochenende für den HBW Balingen-Weilstetten: Der Handball-Zweitligist spielt im DHB-Pokal-Halbfinale am Samstag (19 Uhr) in Köln gegen die MT Melsungen. Am Sonntag geht es dann noch gegen den THW Kiel oder die Rhein-Neckar-Löwen. Geschäftsführer Axel Kromer äußert sich und kann sich einen Seitenhieb gegen den Präsidenten des Deutschen Handball-Bunds (DHB) nicht verkneifen.

 

Herr Kromer, was halten Sie vom Motto „Dabei sein ist alles!“?

Das mag das Motto für uns als Gesamtverein sein, aber nicht für die Mannschaft und mich. Wir sind bei diesem hochkarätigen Event zwar Außenseiter, was aber auf keinen Fall passieren soll, ist, dass es hinterher heißt: Sie waren dabei – und keiner weiß, warum.

Mit der MT Melsungen im Halbfinale . . .

. . . haben wir wahrscheinlich eines der zehn besten Teams der Welt als Gegner. Natürlich ist eine solche Mannschaft für uns eine Nummer zu groß, und natürlich müssen wir über uns hinauswachsen. So wie die Drittliga-Fußballer von Arminia Bielefeld im DFB-Pokal auch. Dadurch fühlen wir uns schon auch irgendwie gepusht. Weil es zeigt, dass der Sport verrückte Geschichten schreibt. Da lässt sich was rausziehen, das gibt Selbstvertrauen – und das beweist eben auch, was im Pokal alles möglich ist (lacht).

Handball ist aber nicht Fußball.

Die beiden Sportarten sind bei genauerer Betrachtung nicht gleichzusetzen, stimmt schon. Aber: Die Melsunger taten sich zuletzt auch gegen die SG BBM Bietigheim schwer, und Bietigheim würden wir auch schlagen wollen. Die MT hat in den vergangenen Jahrzehnten auch keine unfassbare Fankultur aufgebaut, sodass wir hoffen, dass wir als Underdog 20 000 Zuschauer minus die Melsunger Anhänger hinter uns bekommen.

Welche Sensation haben Sie denn als Spieler und Trainer vollbracht?

Da muss ich überlegen. Ich habe mal mit dem VfL Pfullingen gegen den SC Magdeburg unentschieden gespielt. Als Co-Trainer der Nationalmannschaft war sicher der EM-Titel 2016 mit einer deutlich ersatzgeschwächten Mannschaft die größte Sensation.

Was bedeutet die Final-Four-Teilnahme für den HBW?

Nach Aussagen aller, die schon lange beim HBW dabei sind, ist das der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Unser Präsident Arne Stumpp wollte das gemeinsam mit Rolf (Anm. d. Red.: der verstorbene Trainer Rolf Brack) immer hinbekommen. Von daher ist das die Erfüllung eines Traums.

„Das ist ein Once-in-a-lifetime-Event“

Deshalb haben Sie einiges rund um das Final Four organisiert.

Der HBW lebt von seinen Ehrenamtlichen, auch für sie ist das ein Once-in-a-lifetime-Event. Unser Ticketkontingent von 1200 war innerhalb von 18 Minuten weg, ich rechne mit insgesamt mindestens 2000 HBW-Fans in Köln. Wir haben für 1000 Leute ein Partyboot auf dem Rhein gemietet, wir machen einen Fanmarsch vom Dom zur Halle. Für die Fans daheim gibt es Public Viewing in der größten Szenekneipe, und ein Empfang von der Stadt auf dem Marktplatz ist unabhängig vom Ausgang der Spiele fest geplant.

Welche Impulse versprechen Sie sich für den Verein?

Wir spielen am Samstag gegen Melsungen, am Sonntag auf jeden Fall noch einmal gegen den THW Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen. Wie ich gehört habe, werden die Spiele in 50 Ländern weltweit übertragen. Dieses Spektakel ist eine überragende Plattform für uns als Verein, für unsere Partner und Sponsoren. Wir befinden uns in schwierigen Zeiten, in denen alle Firmen zu kämpfen haben und damit auch die Vereine um ihre Budgets. Deshalb hoffen wir, aus dieser hart erarbeiteten Final-Four-Teilnahme mittelfristig wachsen zu können.

Der Pokal ist die Kür, die Liga die Pflicht. Da setzte es jüngst vier Auswärtspleiten.

Wir haben zuletzt nicht unsere Möglichkeiten abgerufen. Auch unser 21:18-Heimsieg gegen den TuS Ferndorf taugte nicht unbedingt dazu, neue Handball-Freunde zu gewinnen. Uns fehlten in den letzten Wochen aber auch mit Jerome Müller und Daniel Blomgren zwei sehr wichtige Spieler, die hoffentlich in Köln wieder an Bord sind.

Der Rückstand auf Platz zwei beträgt vier Punkte. Wie groß sind die Aufstiegshoffnungen?

Es ergibt keinen Sinn, jetzt hinauszuposaunen, dass sich die Konkurrenz warm anziehen muss. Wir verfahren lieber nach dem Motto: Klappe halten und schauen, dass wir unsere Aufgaben erfüllen.

Wie lange kann sich der HBW die zweite Liga leisten?

Das ist eine hypothetische Frage und hängt viel von unseren Partnern ab. Manche sagen vielleicht, ihr spielt mit Eigengewächsen in einer Halle mit toller Stimmung im Premiumbereich der zweiten Liga mit, das ist für unser Image super. Aber klar ist: Wir alle sind ehrgeizig genug, um wieder in die erste Liga zu wollen.

„Unglaubliche Leidenschaft beim HBW“

Sie sind erstmals in einem Verein als Geschäftsführer tätig. Was ist der Hauptunterschied zu Ihrer Tätigkeit als Sportvorstand beim Deutschen Handballbund?

Ich habe im Verein einen Beirat, einen Präsidenten, die sich mit unglaublicher Leidenschaft engagieren und sich mega für die sportliche Lage interessieren und dazu sehr regelmäßig Kontakt suchen. Beim DHB ging es bei Anrufen des Präsidenten vor allem darum, wann er mit der Mannschaft zum Essen gehen kann.

Welche Überschrift zum HBW Balingen-Weilstetten würden Sie am Sonntagabend gerne lesen?

(Überlegt lange) Kein Klassenunterschied zu erkennen. Wir spielen eben nicht gegen Wetzlar, Stuttgart oder Bietigheim, die eher unsere Kragenweite wären, sondern gegen Topclubs der Bundesliga.

Info

Axel Kromer
Er wurde am 10. Januar 1977 in Ludwigsburg geboren. Kromer spielte unter anderem beim VfL Pfullingen (Bundesliga-Aufstieg 2002). Seine Trainerkarriere begann beim Handballverband Württemberg (HVW), 2012 wechselte er zum Deutschen Handballbund (DHB). 2014 wurde er Assistent des damaligen Bundestrainers Dagur Sigurdsson. Von 2017 bis 2024 war er Vorstand Sport beim DHB. Offiziell seit 1. Februar an fungiert Kromer gemeinsam mit Felix König als Geschäftsführer des Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten. Kromer hat zwei Söhne, Janis (17) und Julian (15), die beide bei der JSG Balingen-Weilstetten spielen, und lebt in Mössingen. Sein Hobby ist die Bewegung in der Natur.

Final Four
Erstes Halbfinale THW Kiel – Rhein-Neckar Löwen (Samstag, 16.10 Uhr), zweites Halbfinale MT Melsungen – HBW Balingen-Weilstetten (Samstag, 19 Uhr). Spiel um Platz drei am Sonntag, 12.45 Uhr, Finale am Sonntag um 15.35 Uhr. Die Partie THW gegen Löwen und das Finale werden live in der ARD übertragen. Alle Spiele auf Dyn. (jüf)

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