Heather Nova in Stuttgart Filigrane Kammermusik

Von ch 

Im Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle glänzt die Songwriterin Heather Nova, einst als Alternative-Rock-Lady gestartet, mit kammermusikalisch filigranem Country-Folk.

Heather Nova Foto: Agentur
Heather Nova Foto: Agentur

Stuttgart - Charismatisch in ihrer Mischung aus Liebreiz und Coolness, die Musik ein kontrastreicher Mix aus Folk und Rock: in den frühen Neunzigern war Heather Nova die Traumfrau des Alternative Rock. Heute ist vieles noch gleich und doch manches anders bei der Songwriterin von den Bermuda-Inseln. Im Mozartsaal präsentierte sie sich, mittlerweile 48 Jahre alt, in bester Verfassung und als nach wie vor spannende Bühnenpersönlichkeit. Ihr Oeuvre: ein Kanon an gefühlvollen Liedern zwischen Melancholie und Traurigkeit. Der Vortrag: warmherzig, aber fast aristokratisch in der Beherrschung der Emotionen – Noblesse statt seelischer Selbstentblößung. Und auch ihr Sopran ist noch in tadelloser Form, bleibt auch in heiklen, die Tonleiter weit hinaufreichenden Melodieschleifen (wie im sirenenhaften „Island“) fest und ohne Wackler; feines Tremolo inklusive.

Und doch hat die Zeit Wunden hinterlassen. Zwei Trennungen hat Heather Nova hinter sich, die Scheidung von ihrem Mann liegt nur wenig mehr als ein halbes Jahr zurück. Dass sie mittlerweile auch die stilistische Scheidung von der Rockmusik eingereicht hat, daran ließ ihr Auftritt keinen Zweifel. Durften einst Rockgitarren schon mal bratzig den elegischen Grundton ihrer Lieder konterkarieren, so erlebten die fünfhundert Zuschauer nun leise Töne. Der Wiener Multiinstrumentalist Arnulf Lindner gab an Akustikgitarre, Cello und Kontrabass einen hochdistinguierten Begleiter; ähnlich dezent kraulte er auch die E-Gitarre. Auch der Schlagzeuger Che Albrighton setzte mit viel Beseneinsatz, zart geführtem Paukenschlägel und knappen Beats auf den Trommel-Rahmen fein dosierte Akzente.

Prächtig stand dieser Grundton aus Country- und Folk-noir-Sounds vor allem den ausgiebig vorgestellten Liedern des aktuellen Albums „The way it feels“, während ein Popsong wie „London Rain“ hier prompt etwas plakativ wirkte. Nach zwei Stunden begeisterter Applaus für einen Auftritt, der allerdings dramaturgisch ruhig schärfer gezeichnet hätte sein dürfen – zu selten durfte die Musik an diesem Abend auch mal in psychedelische Untiefen abtauchen.