Konzert im Wizemann Lieber Metal als Helene Fischer: So war’s bei Heavysaurus in Stuttgart

Bei Heavysaurus dürfen die Kleinsten ganz nach vorn – die gerade mal so über die Absperrung schauen können. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Die Metal-Dinos von Heavysaurus rocken die Bühne im ausverkauften Wizemann in Sttuttgart. Das Publikum ist dabei zwischen vier und zehn Jahren alt.

Vieles ist so wie bei den Großen. Und doch ist beim ausverkauften Konzert von Heavysaurus am Sonntag im Wizemann in Stuttgart einiges anders. Da wäre zum einen die Uhrzeit. Das Konzert beginnt nämlich um 14.15 Uhr – mit einer Viertelstunde Verspätung, weil noch nicht alle 1300 Zuschauer in der Halle sind. Und an der Theke läuft nicht – wie sonst bei Metal-Konzerten üblich – das Bier pausenlos aus dem Zapfhahn, sondern Apfelschorle. Denn die Fans von Heavysaurus sind zwischen vier und zehn Jahren alt.

 

Dino-Metal, so nennt sich das Konzept der Band, die seit 2017 drei Alben herausgebracht hat und pro Jahr bis zu 150 Konzerte in ganz Deutschland spielt. Kurze rockige Lieder mit kindgerechten Texten und Themen, gespielt von echten Profi-Musikern, die in den Kostümen von vier Sauriern und einem Drachen stecken.

Der Bereich vor der Bühne gehört ganz den Kindern

Vieles ist angepasst fürs junge Publikum. Die Lautstärke ist für Kinderohren heruntergeregelt, der Bereich vor der Bühne gehört ganz den Kids. Die Eltern und teilweise Großeltern sind nach hinten verbannt. „Im Zeichen der Pommesgabel verbreiten sie gute Laune und natürlich beste Musik“, heißt es aus dem Lautsprecher, bevor die fünf Bandmitglieder Mr. Heavysaurus (Gesang), Riffi Raffi (Gitarre), Milli Pilli (Keyboard), Muffi Puffi (Bass) und Komppi Momppi (Schlagzeug) die Bühne betreten.

Nach dem Opener „Super Monster-Auto“ begrüßt Mr. Heavysaurus, in dessen Kostüm Michael Voss steckt, Sänger der in den 80er Jahren gegründeten Band Mad Max, die jungen Zuhörer. Für viele ist es das allererste Konzert, andere sind schon richtige Profis. „Und ich begrüße auch die beachtliche Anzahl an Leuten hier, die sich für diesen Tag extra ein Kind ausgeliehen haben“, ruft er an die hinteren Reihen gerichtet.

Die Scherze und humorvollen Unterbrechungen zwischen den einzelnen Titeln halten nicht nur die Kleinen bei Laune. Denn viele der erwachsenen Begleitpersonen sind erstaunlich textsicher und brüllen mindestens genauso laut mit wie der Nachwuchs.

Krachender Metal mit kindgerechten Texten

Als Mr. Heavysaurus zwischen zwei Liedern am Knopf eines Radios dreht und darauf „Atemlos“ von Helene Fischer ertönt, verspricht er dem Publikum: „Liebe Eltern, wenn wir eines nicht wollen, dann ist es, dass eure Kinder später mal Helene Fischer hören.“

Die 14 Lieder an diesem Nachmittag drehen sich zwar um Themen aus dem Leben der Kinder. Sei es Videospiele mit „Laser Ninja“, „Dino-Disko“, der Mama „Rupulina“, die für einen immer die Schönste ist, oder Kaugummis im Stimmungskracher „Kaugummi ist mega“. Musikalisch reicht dagegen Bandbreite von Hardrock und klassischem Heavy Metal über Power Metal bis Symphonic Metal. Die fünf Musiker ziehen alle Register mit treibenden Bässen und elektrisierenden Gitarrenriffs, dazu der Gesang von Michael Voss, der es durchaus mit dem ein oder anderen Iron-Maiden-Song aufnehmen kann. Der Sound ist wie bei den Bands der Großen, nur die Texte sind eben kindgerecht.

Als sich Mr. Heavysaurus für ein Lied von der Bühne verabschiedet, übernimmt Keyboarderin Milli Pilli das Mikro. Ronja aus Leinfelden-Echterdingen feuert sie lautstark an. „Milli Pilli und Muffi Puffi mag ich am liebsten“, sagt die Sechsjährige, während sie bei Papa Matthias auf den Schultern sitzt und somit beste Sicht auf die Bühne hat. Warum sie Heavysaurus so mag? „Weil sie Dinos sind“, sagt sie. Papa Matthias ist ebenso textsicher wie seine Tochter. „Wir hören das mit ihr viel zu Hause.“ Er selbst höre querbeet, von J.B.O. bis Feuerschwanz. „Da muss man schon genau auf die Texte hören“, sagt er.

Ein wachsender Markt in der Musikbranche

Melina ist mit ihren zwei Söhnen von der Schwäbischen Alb in die Landeshauptstadt gekommen. Mit einem VIP-Ticket hatten sie vor dem Konzert die Gelegenheit, die vier Dinos – und den einen Drachen – hautnah zu sehen und Fotos zu machen. „Jetzt sind sie so happy“, meint sie. Beide Jungs tragen sowohl Band-T-Shirts als auch Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Kleine Dino-Metalheads“.

Während Musik-Superstars immer mehr Geld verdienen und deren Konzerttickets immer teurer werden, während kleinere Bands und Künstler besonders seit Corona schwer zu kämpfen haben, ist Pop- und Rockmusik für Kinder ein stetig wachsender Markt in Deutschland. Das zeigen auch die Erfolge von Bands wie Deine Freunde oder dem rappenden Nashorn DIKKA.

Im Rock- und Metal-Genre sind Heavysaurus aber die Platzhirsche. Und die verabschieden sich vor der Zugabe mit einer wichtigen Botschaft: „Uns ist egal, ob ihr klein seid oder groß, ob dick oder dünn, ob weiß oder schwarz oder grün, ob mit oder ohne Beeinträchtigung – bei uns seid ihr alle gleich.“

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