Hebel-Preis 2020 für Sibylle Berg Verleihung findet im Mai 2021 statt

Von red 

Sie habe ein besonderes Gespür für den Zustand unserer Welt, lobt Baden-Württembergs Kunststaatssekretärin Petra Olschowski die Autorin Sibylle Berg. Die deutsch-schweizerische Schriftstellerin erhält den vom Land Baden-Württemberg vergebenen Johann-Peter-Hebel-Preis 2020.

Sibylle Berg spürt wach die aktuelle Themen der Gegenwart auf. Foto: dpa/Arno Burgi
Sibylle Berg spürt wach die aktuelle Themen der Gegenwart auf. Foto: dpa/Arno Burgi

Stuttgart - Der Johann-Peter-Hebel-Preis geht in diesem Jahr an die deutsch-schweizerische Schriftstellerin Sibylle Berg. Die Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises, die alle zwei Jahre im Rahmen des Johann-Peter-Hebel-Fests stattfindet, wird aufgrund der Corona Pandemie auf Mai 2021 verschoben.

„Wie kaum eine andere zeitgenössische Autorin hat Sibylle Berg eine außergewöhnliche Sensibilität für den gesellschaftlichen Zustand unserer Zeit. Literatur wird so zur Erfahrung eines bestimmten Blicks auf die Wirklichkeit unserer Gesellschaft. Sibylle Berg beweist sich in ihren Texten als Aufklärerin im besten Sinne und steht damit in der Tradition Johann Peter Hebels“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski am Donnerstag, 16. April, anlässlich der Bekanntgabe der Preisträgerin in Stuttgart.

Ironisch und genau konfrontiere Sibylle Berg ihre Leserinnen und Leser mit den großen Themen der Gegenwart: dem globalen Kapitalismus und seinen Auswüchsen, der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich, dem aufkommenden Faschismus, der Klimaerwärmung, der Gefahr der Überwachung, der Verknappung des Wohnraums, mit dem befürchteten Wegfall von Arbeitsplätzen und der Gefährdung sozialer Bindungen durch die fortschreitende Digitalisierung. „Sibylle Bergs Werke zeichnen sich über die Jahre hinweg durch einen eigenwilligen und innovativen Erzählstil in höchster literarischer und intellektueller Qualität aus – das gilt für ihre Theaterstücke ebenso wie für ihre Essays und Romane“, so die Staatssekretärin.

Die aufrüttelnde Wut der Autorin

„Mit ihrer seismografischen Wachheit, ihrem schonungslosen Blick, mit ihrer aufrüttelnden Wut und ihrem menschenfreundlichen Humor ist Sibylle Berg eine Johann-Peter-Hebel-Preisträgerin auf der Höhe der Zeit“, fasste die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer die Begründung der Jury zusammen. Die Jury unter der Leitung von Schäfer setzte sich aus Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, Literatur und Literaturkritik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen.

„Den Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens, den Umbrüchen und Gefährdungen angesichts der Corona-Pandemie begegnet die Literatur unmittelbar: Sie ermöglicht uns in einer Zeit, in der das gesellschaftliche und gemeinschaftliche Leben nahezu zum Erliegen kommt, einen individuellen Zugang zur Kunst. Sie gibt uns die Gelegenheit, uns mit den neuen Erfahrungen und Verunsicherungen auseinanderzusetzen. Ob analog oder digital: Bücher eröffnen andere, fremde Welten oder spiegeln, wie im Fall von Sibylle Berg, aktuelle Entwicklungen. Die Welle von Hilfsbereitschaft und Solidarität in der Gesellschaft, die wir gerade erleben, ist das, was Autorinnen wie Sibylle Berg mit ihrer kritischen Haltung einfordern“, unterstreicht Petra Olschowski.

Leben und Werk der Sibylle Berg

Sibylle Berg wurde in Weimar geboren und lebt seit 1995 in Zürich. Sie studierte unter anderem Ozeanografie und Politikwissenschaften an der Universität Hamburg. Ihr Werk, das in 34 Sprachen übersetzt wurde, umfasst eine große Anzahl an Theaterstücken, Romanen, Hörspielen und Essays. Sibylle Berg wurde vielfach ausgezeichnet, in den letzten zwei Jahren mit dem Kassler Literaturpreis für grotesken Humor (2019), dem Thüringer Literaturpreis (2019), dem Nestroy-Theaterpreis (2019), dem Schweizer Buchpreis (2019), dem Bertolt-Brecht-Preis (2020) und dem Schweizer Grand Prix Literatur (2020).

Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern des seit 1974 alle zwei Jahre vom Land vergebenen Johann-Peter-Hebel-Preises gehören der in diesem Jahr verstorbene Christoph Meckel, Lukas Bärfuss, Karl-Heinz Ott, Arnold Stadler, Arno Geiger, Emma Guntz, Claude Vigée, Elias Canetti, Marie Luise Kaschnitz, Martin Heidegger, Carl Jacob Burckhardt, Otto Flake, Max Picard und Albert Schweitzer.




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