Heckengäu-Jazztage Dieses Mal hieß es: Jazz oder nie

Im Schlosskeller soll demnächst keine Jazzmusik mehr erklingen. Foto: Epple

Das Jazzforum Aidlingen startet die Heckengäu Jazztage mit zwei herausragenden Bigbands. Mit diesen Jazztagen verabschiedet es sich aus dem Schlosskeller.

Jahrzehntelang wehte die Heckengäu-Jazzluft durch die alten Gemäuer des Deufringer Schlosses, damit soll jetzt Schluss sein. Mangels Publikum in der Provinz beschloss das Jazzforum Aidlingen, seine Veranstaltungen künftig ins Blaue Haus nach Böblingen zu verlagern. Das Bild am Donnerstagabend sprach jedoch eine andere Sprache. Der Schlosskeller war vollgepackt mit Besuchern. Am Ende des Doppelkonzertes gab es Standing Ovations und mehrere Zugaben. Was war geschehen?

 

Zwei Bigbands gaben mit großer Strahlkraft ihr Stelldichein, namentlich die JFA Bigband des Jazzforums und die Daimler Bigband aus Stuttgart. Einst von der Münchner Saxofon-Ikone Joe Viera mit ins Leben gerufen und nach dessen Tod von dem Landesjazzpreisträger Alex Bühl übernommen, zeigte die JFA Bigband zu Beginn des Abends, welches Potenzial in dieser Amateurformation steckt. Mit der Charlie Parker-Nummer „Ornithologie“ kam umgehend Dampf in die Hütte; ein brillantes Opening, dessen Qualität sicher auch einigen Neuzugängen im Posaunen- und Trompetenregister zu verdanken war.

Mitreißender Groove und feine Soli

Und es ging gerade so weiter. Zum mitreißenden Groove gesellten sich noch feine Soli von Tenorsaxofonist Oliver Guhl („Lawyers Blues“, „You’ve Changed“), Altsaxofonist Andreas Rudolph („I Wish You Love“, „On The Sunny Side of the Street”) oder unglaubliche Scat-Phrasen von Sängerin Odilia Damm, um nur einige zu erwähnen.

Die JFA Bigband zeigte zu Beginn des Abends, welches Potenzial in dieser Amateurformation steckt. Foto: Epple

Ein gestenarm lächelnd agierender Alex Bühl hat es hörbar geschafft, einen überaus ausgewogenen Klangkörper zu generieren. Er hat diese Formation im Laufe der letzten Jahre so hochgejazzt, dass die unbändige Spielfreude seiner Truppe umgehend auf die Stimmung im Publikum überspringt. Als ausgefuchster Arrangeur versteht er es offenbar, die Stücke so auf seine Band zuzuschneiden, dass wahrlich nichts Amateurhaftes auszumachen ist.

Bandleader Klaus Graf fehlte

Nach einer kleinen Umbaupause für die nachfolgende Daimler Big Band wird sich mancher Besucher gefragt haben, ob das noch zu toppen ist. Ebenfalls stand die Frage im Raum, warum man deren Bandleader Klaus Graf bisher noch nirgendwo gesichtet hatte. Hierauf gab der für ihn eingesprungene Dirigent Marko Mebus nach dem Eröffnungsstück „Take the A-Train“ seine charmante Antwort: „Nein ich bin nicht Klaus Graf und habe mich so sehr verändert - er war heute lediglich verhindert und ich habe die Ehre diese tolle Band zu leiten“. Und was für eine Leitung! Der Dozent für Jazztrompete, mit dem Wormser Jazzpreis 2023 für „eine herausragende Tonsprache und ein außergewöhnliches musikalisches Gespür“ ausgezeichnet, dirigierte gestenreich. Seine Freude, diese Big Band führen zu dürfen, blitzte ihm unübersehbar aus den Augen.

Der Schwerpunkt der Programmzusammenstellung lag eindeutig im gemeinsamen Schaffen von Duke Ellington und Billy Strayhorn. Letzterer blieb immer etwas im Hintergrund, sei aber für Ellingtons Ruhm von großer Bedeutung gewesen, klärte Mebus auf. So wurden Stücke wie „Caravan“, „Sophisticated Lady“, „Rain“, „Satin Doll“ oder „Mount Harissa” (Far East Suite von 1967) präsentiert, mit überaus ausgewogenem Klangkörper! Letzteres Stück hob sich musikalisch ein wenig von den anderen ab. War da ein „Bossa-Groove“ zu vernehmen? Jedenfalls konnte man eine Nähe zu Jobims „Girl From Ipanema“ erahnen, wobei der der Rhythmus-Section großen Raum gegeben wurde. Nach „Isfahan“, einer Ballade mit schmeichelndem und virtuosem Altsaxofonton von Carsten Pöschke vorgetragen, ging es kraftvoll in die Zielgerade.

So schnell wollte man die Akteure jedoch nicht abtreten lassen. Zwei Zugaben mit Uwe Mayers wohlklingendem Baritonsax-Solo und einem Trompetensolo des Taktstockmeisters sorgten für strahlende Gesichter.

Termin

Konzert
Das Abschlusskonzert mit Christoph Heckeler & Friends findet am Samstag, 7. Februar, um 20 Uhr im Schlosskeller statt. Tickets kosten 20 Euro.

Link
Mehr Infos gibt es im Internet unter https://www.jazzforumaidlingen.de/konzerte.

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